|} Der Tren de Gran Canaria ist ein Projekt zum Bau einer Eisenbahnstrecke auf der Insel Gran Canaria, die zu den Kanarischen Inseln gehört. Die Strecke soll die Inselhauptstadt Las Palmas de Gran Canaria mit den touristischen Zentren im Süden der Insel (Maspalomas und Playa del Inglés) verbinden und gleichzeitig die wichtigsten städtischen Zentren an den Flughafen Gran Canaria anbinden. Ziel ist es, eine alternative Verkehrsverbindung zur Autopista del Sur zu schaffen und so die dort häufig auftretenden Staus zu beseitigen. Die normalspurige Strecke soll 57,8 Kilometer lang sein und über elf Bahnhöfe verfügen. Obwohl der Plan bereits seit den 1990er Jahren besteht, ist mit dem Bau noch nicht begonnen worden.
Bahnverkehr auf Gran Canaria Es gab schon zwei Phasen mit Bahnverkehr auf der Insel. 1890 wurde in Las Palmas de Gran Canaria eine Straßenbahn gebaut, die das Viertel Triana mit dem Hafen verband. Die Tranvía al Puerto musste 1937 im spanischen Bürgerkrieg eingestellt werden, 1942 nahm man den Betrieb jedoch wieder auf. Da es keine Oberleitungen mehr gab, wurden die Straßenbahnwagen von zwei Dampflokomotiven gezogen. Dieser Bahnverkehr lief bis 1944 regelmäßig und stand danach bis 1947 noch zu besonderen Anlässen zur Verfügung.
Unter der Leitung des Ingenieurs Alejandro Goicoechea begann 1972 der Bau einer 1,5 km langen Versuchsstrecke für den Tren vertebrado, einer Art Einschienenbahn, die dereinst Las Palmas mit Maspalomas verbinden sollte. Von Juni 1974 bis Anfang 1975 fanden entlang der Avenida Marítima Testfahrten statt. Das Projekt scheiterte an Zweifeln der Behörden, an Finanzierungsproblemen und am Widerstand der lokalen Busunternehmen. 1976 wurde die Strecke wieder demontiert.
Projektentwicklung Ende der 1990er Jahre startete der Cabildo Insular von Gran Canaria ein Projekt zum Bau einer Eisenbahnstrecke zwischen Arucas, Las Palmas de Gran Canaria und Maspalomas sowie zur Wiedereinrichtung einer Straßenbahn in der Inselhauptstadt. In den frühen 2000er Jahre gab es keine nennenswerten Fortschritte zu verzeichnen, bis die Behörden 2008 damit begannen, das Projekt hinsichtlich der Trassenführung der Bahn und der Standorte von Bahnhöfen und Depots zu konkretisieren sowie die Finanzierung und die Fristen festzulegen. Im Jahr 2009 erfolgte die Gründung des Unternehmens Ferrocarriles de Gran Canaria, das für die Planung des Schienennetzes, die Realisierung der dafür erforderlichen Infrastruktur und den Betrieb zuständig sein sollte. Das Unternehmen sollte Teil der Autoridad Única del Transporte sein, die wiederum dem Cabildo von Gran Canaria untersteht. Die Baukosten für die Bahn wurden auf 1,5 Milliarden Euro veranschlagt.
Obwohl der Sonderraumordnungsplan, der den Verlauf des Eisenbahnkorridors festlegt, bereits am 16. Juni 2010 verabschiedet wurde und Investitionen zur Festlegung der Trasse und der Bahnhöfe getätigt wurden, sind die Enteignungen für den Bau im Verzug. All dies ist auf den Mangel an Finanzmitteln für das Projekt zurückzuführen, verursacht durch die Wirtschaftskrise von 2008. Im ersten Halbjahr 2019 lagen die fertiggestellten Entwürfe für die Trasse und Bahnhöfe der künftigen Bahnlinie vor. Im März 2023 genehmigte der Cabildo Insular endgültig die Umgehungsstrecke von El Veril in der Gemeinde San Bartolomé de Tirajana. Ein Teil der ursprünglichen Trasse und der Standort des Bahnhofs Playa del Inglés hatten sich mit dem Projekt des Siam Parks in der Nähe des Strandes von El Veril überschnitten, weshalb die Trasse geändert werden musste, um beide Projekte miteinander in Einklang zu bringen.
Im März 2024 kam neuer Schwung in das Projekt, in Erwartung des Abschlusses der Umweltverträglichkeitsprüfung und der Einleitung der Enteignungsverfahren für den Bau der ersten Phase vom Flughafen bis nach Vecindario, einschließlich der Bahnhöfe Carrizal und Cruce de Arinaga. Diese Phase wird 390 Millionen Euro kosten und umfasst die Zugdepots und Werkstätten in Vecindario sowie den Windpark, der den Strom für die Züge erzeugen wird. Sie wurde im Rahmen der Ausschreibung 2023 für Mittel aus dem Programm Connecting Europe der Europäischen Union eingereicht, um 190 Millionen zur Finanzierung zu erhalten, während die restlichen 200 Millionen vom spanischen Staat, der Autonomen Gemeinschaft und dem Cabildo von Gran Canaria finanziert werden. Im April 2026 konnte die Umweltverträglichkeitsprüfung erfolgreich abgeschlossen werden.
Streckenbeschreibung Die künftige Bahnstrecke zwischen Santa Catalina und Maspalomas soll die Gemeinden im Osten und Süden von Gran Canaria erschließen. Es sind dies Las Palmas de Gran Canaria, Telde, Ingenio, Agüimes, Santa Lucía de Tirajana und San Bartolomé de Tirajana. Geplant sind elf Bahnhöfe, davon fünf oberirdische und sechs unterirdische. Etwa 42 % der Strecke soll ebenerdig, 6 % auf Viadukten und der Rest in Tunneln verlaufen. Die zu schaffende Infrastruktur soll eine Geschwindigkeit von bis zu 160 km/h ermöglichen. Zwischen den beiden Endbahnhöfen wird eine Fahrtzeit von etwa 35 Minuten geschätzt.
Die Züge, die auf der Strecke verkehren sollen, sind als eine Mischung aus Nahverkehrszug und Hochgeschwindigkeitszug konzipiert. Zu Beginn sollen zehn 100 Meter lange, fünfteilige Züge verkehren, von denen jeder 500 Fahrgäste befördern kann. Später sollen insgesamt 13 Züge im Einsatz sein.
Weblinks Offizielle Website (spanisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Verkehr (Gran Canaria) Kategorie:Eisenbahnprojekt