Thronion () war eine antike griechische Stadt in Ost-Lokris. Es war der ältere Hauptort der epiknemidischen Lokrer. Thronion befand sich am Nordostabhang des Berges Knemis am Rand der sich zum Malischen Golf hin öffnenden Ebene des Flusses Boagrios. Seine Lage wurde unweit des heutigen Palaiokastro von Pikraki, südwestlich der Ortschaft Kainourgio im Gemeindebezirk Kamena Vourla lokalisiert.Jose Pascual, Maria-Foteini Papakonstantinou: The Universidad Autónoma de Madrid and Fourteenth Ephorate Epicnemidian Locris Project – FINAL REPORT. S. 6f. (PDF; 3,6 MB), abgerufen am 8. Mai 2026.
Geschichte Thronion war eine sehr alte, schon von Homer genannte Stadt. Sie soll nach der Quellnymphe Thronia, der Eponyme des Ortes, benannt sein.Scholion D zu Homer, Ilias 2, 533. Nach der griechischen Mythologie war es die Heimat des Aias.Homer, Ilias 2, 533; Euripides, Iphigenie in Aulis 262 ff. Zur Zeit der frühen Kolonisation des Ägäischen Meeres war Thronion an der Gründung von AbderaPindar, Fragment 52b 1. und vielleicht auch von KymeStrabon, Geographika 13, 3, 3. beteiligt.
Zu Beginn des Peloponnesischen Kriegs wurde Thronion 431 v. Chr. von den Athenern eingenommen.Thukydides, Peloponnesischer Krieg 2, 26, 2; Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 12, 44. Durch das starke Erdbeben im Golf von Euböa 426 v. Chr. wurde der Ort fast völlig zerstört.Demetrios von Kallatis, Fragmente der griechischen Historiker (FGrH) Nr. 85, F 6 bei Strabon, Geographika 1, 60. Der phokische Feldherr Onomarchos eroberte Thronion 353 v. Chr. im Verlauf des Dritten Heiligen Krieges und verkaufte die Einwohner in die Sklaverei.Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 16, 33, 3. Bei der Beendigung dieses Kriegs 346 v. Chr. erhielt der makedonische König Philipp II. die Stadt, nachdem die Phoker die Anträge von Athen und Sparta, Thronion zu okkupieren, zurückgewiesen hatten.Aischines, Orationes 2, 132 ff. und 2, 140.
Später war Thronion Mitglied des Aitolischen Bundes und wurde 208 v. Chr. vom Makedonenkönig Philipp V. erobert.Titus Livius, Ab urbe condita 28, 7, 10 ff. Kurz danach kam es wieder unter ätolische Herrschaft. Während des Zweiten Makedonisch-Römischen Kriegs fanden die etwa im November 198 v. Chr. geführten erfolglosen Friedensverhandlungen zwischen Philipp V. und dem römischen Konsul Titus Quinctius Flamininus in Nikaia und an der Küste bei Thronion statt.Polybios, Historíai 18, 1, 5; 18, 7, 7; 18, 9, 3; Livius, Ab urbe condita 32, 32, 9; 32, 35, 6; 32, 36, 3. Zu Beginn seines entscheidenden Feldzugs gegen König Philipp V. zog Flamininus etwa im März 197 v. Chr. durch Thronion und die Nachbargemeinde Skarpheia in Richtung der Thermopylen.Livius, Ab urbe condita 33, 3, 6. Zur Zeit der Schlacht bei den Thermopylen (191 v. Chr.) verweilte ein Teil der Flotte des Seleukidenkönigs Antiochos III. im Hafen von Thronion.Livius, Ab urbe condita 36, 20, 5. In der Folge bezeugen mehrere Inschriften heftige Konflikte zwischen Thronion und dem aufstrebenden Skarpheia. In diesen Streitigkeiten obsiegte Skarpheia, wonach Thronion stark zurücktrat und seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. aus der Geschichte verschwand.
Thronion hatte seinen eigenen Kalender und war eine jener Städte, die Proxenie gaben. In der Stadt gab es einen Kult für Poseidon und Apollon. Sie prägte seit der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. die ältesten bekannten lokrischen Münzen. Es wurden auch aus Thronion stammende Kupfermünzen des 2. Jahrhunderts v. Chr. gefunden. Geringe Überreste der hellenistischen und römischen Siedlung sowie einer Festungsanlage blieben erhalten.
Der Asteroid (9799) Thronium wurde am 14. Mai 2021 nach der Stadt benannt.
Literatur
Weblinks Thronion bei ToposText
Einzelnachweise
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