Das katholische Alexianer St. Hedwig-Krankenhaus (SHK) befindet sich in der Großen Hamburger Straße der Spandauer Vorstadt im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks. Das Krankenhaus wurde 1846 gegründet und ist damit eines der ältesten Großkrankenhäuser der deutschen Hauptstadt.Handreichung zum St. Hedwig-Krankenhaus; Stand: Juni 2013. Die Bauten aus der Ursprungszeit stehen seit den 1980er Jahren unter Denkmalschutz, sie wurden Anfang des 21. Jahrhunderts saniert und modernisiert.
Geschichte
Gründung Weil für die rund 20.000 Katholiken in Berlin nach der Reformation kein katholisches Krankenhaus bereitstand und Anfang des 19. Jahrhunderts die Cholera grassierte, musste dringend etwas für die Menschen unternommen werden.Ida Luise Krenzlin: Gesund durch die Klinik. In: Berliner Zeitung, 2./3. Februar 2019, S. 18/19 (Printausgabe).
Drei Ordensschwestern der Kongregation der Borromäerinnen aus Trier und der damalige Propst der einzigen katholischen Gemeinde in Berlin an der St. Hedwigskirche, Anton Brinkmann, beantragten daher 1844 beim preußischen König Friedrich Wilhelm IV. die Gründung eines Krankenhauses. Nach der erteilten Genehmigung konnte am 14. September 1846 in der früheren Kaiserstraße eine erste provisorische Krankenstation mit zunächst drei Betten eröffnet werden. Als erste Oberin bestimmte Sr. Xaveria Rudler über die Krankenpflege, die Einrichtung erhielt den Namen St. Hedwig nach der Gemeinde der Hedwigskathedrale.
In den revolutionären Auseinandersetzungen des Jahres 1848 gab es einen Affront zwischen den Schwestern und den Aufständischen. Der Oberin gelang es, die aufgebrachten Arbeiter von ihrer Hilfsmission zu überzeugen, schließlich wurden sogar Verwundete aufgenommen und gepflegt.Text am Eckhaus Krausnick-/Große Hamburger Straße.
Die Nachfrage nach Krankenbetreuung und damit die Bettenzahl stiegen rasch, sodass von anfänglichen drei Betten im Jahr 1844 bis 1850 bereits 50 Betten bereitgehalten wurden.
Entstehung der Krankenhausgebäude mini|hochkant|links|Gedenkinschrift am Haus Krausnickstraße 12a Ecke Große Hamburger Straße
Der Bau eines eigenen Klinikgebäudes war nun dringend erforderlich. Die St.-Hedwigs-Gemeinde hatte dafür ein Areal an der Großen Hamburger Straße erworben und den Kölner Dombaumeister Vincenz Statz mit dem Bau eines entsprechenden Hauses beauftragt, das 1851–1854 unter Leitung des Baumeisters Albert Kinel errichtet wurde.
Am 28. August 1854 zogen die ersten 60 Patienten, 100 alte Menschen sowie 40 Waisenkinder in das neue Krankenhaus mit den Abteilungen Innere Medizin und Chirurgie.
Fünf Erweiterungsbauten kamen bis um die Wende zum 20. Jahrhundert hinzu: Nach Plänen des Architekten Walter Kyllmann entstand 1881 das Vorderhaus. In den Jahren 1885/1886 folgte ein Kinderhospital. Das Elisabethhaus wurde 1886–1889 als Hospital für Altersschwache nach Plänen von Max Hasak errichtet. Südlich des Haupthauses schloss August Menken 1899/1900 einen Krankenhaustrakt im Stil der Neugotik an. Im Haupthaus wurde im Jahr 1900 ein Operationstrakt eröffnet. Beim Josefshaus des Architekten Carl Moritz von 1904/1905 vermischen sich Neogotik und Jugendstil.
mini|Menkens Pläne für den südlichen Anbau an das Haupthaus
Im 20. Jahrhundert bis 1945 Im Ersten Weltkrieg wurden große Teile des Krankenhauses in ein Lazarett umgewandelt.
In den 1920er Jahren erfolgte nach Plänen des Architekten Wilhelm Fahlbusch ein erster Umbau des Haupthauses, der vor allem eine weitere Etage hinzufügte.
Der Hospitalkomplex beherbergte 1932–1934 den zurückgetretenen Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrumspartei), bevor er nach der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes ins Exil gezwungen wurde. In den Jahren 1942–1945 halfen der Arzt Erhard Lux und die Fürsorgerin Marianne Hapig mit Unterstützung von Ordensschwestern und Angestellten des Krankenhauses vielen von Deportation bedrohten Juden.
Im Jahr 1941 musste das SHK Patienten mit Fleckfieber aufnehmen. Da dies hochinfektiös ist, hatte der Magistrat die Schule in der Auguststraße (seit dem Ende des 20. Jahrhunderts die Grundschule am Koppenplatz Standort Auguststraße) zur Unterbringung und Behandlung dieser Kranken freigegeben.
mini|hochkant |Erhaltene Kriegsschäden am Haus Monika
Bei den letzten Kämpfen vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden größere Fassadenflächen der Krankenhausbauten beschädigt, die jedoch die Gebäudenutzung nicht beeinträchtigten.
Vom Kriegsende bis 1990 Das Krankenhaus war ab Mai 1945 das einzige funktionierende Großkrankenhaus in Berlin. Bereits 1946, zur Hundertjahrfeier wurde es erneuert, darunter wurden Fassadenbeschädigungen und zerstörte Fenster ausgebessert. Aus dieser Zeit stammt auch das Glasfenster von Charles Crodel in der St. Anna-Kapelle im Vorderhauskomplex.
Zwischen 1950 und 1960 wanderten zahlreiche Fachärzte in andere Einrichtungen in West-Berlin ab. In der DDR-Zeit wurde zwar ein christliches Krankenhaus staatlich kaum unterstützt, das St. Hedwig-Krankenhaus konnte jedoch durch großzügige finanzielle Hilfe des Caritasverbands aus der Bundesrepublik zuverlässig weiterarbeiten und war auch technisch gut ausgestattet.
Nach 1990 Nach der politischen Wende änderte sich 1994 die Rechtsform des St. Hedwig-Krankenhauses in St. Hedwig Kliniken Berlin GmbH. Sie ist Betreiber des St. Hedwig-Krankenhauses und des Krankenhauses Hedwigshöhe in Berlin-Grünau.
Anlässlich der 150-Jahr-Feier 1996 fand ein Familientag auf dem Gelände statt.Plakat im Haupthaus: Hedwig feiert Geburtstag, 150 Jahre! Außerdem wurde ein Gelübde aus dem Jahr 1943 eingelöst. Dieses sah vor, der hl. Agatha einen Brunnen zu stiften, falls das Krankenhaus bei den alliierten Luftangriffen unbeschädigt bleiben sollte. Dieser Brunnen wurde im Hof vor dem Haupthaus errichtet und 1996 von Georg Kardinal Sterzinsky eingeweiht. Seit etwa 2007 sprudelt allerdings kein Wasser mehr, weil das Auffangbecken gerissen ist. Die Gärtner der Krankenhausanlage bepflanzen beide Becken jedoch stets mit Saisonblumen.
Auf dem Gelände wurden nach 1990 noch weitere Gebäude hinzugefügt, deren Stil sich mit dem Einsatz von Klinkersteinen und der Orientierung in der Höhe der historischen Bauten gut in den vorhandenen denkmalgeschützten Komplex einfügen. Im Jahr 1999 übernahmen die Alexianerbrüder die Trägerschaft des Krankenhauses. Seit 2001 besteht mit der psychiatrischen Universitätsklinik der Charité und dem St. Hedwig-Krankenhaus eine enge Kooperation. Die ehemalige Kinderklinik wurde in den 2010er Jahren umfassend saniert sowie technisch erneuert.
1998, hat der Orden der Alexianerbrüder das St. Hedwig-Krankenhaus übernommen, zusammen mit seiner jüngeren „Schwester“, dem Krankenhaus Hedwigshöhe in Berlin-Treptow. Der Alexianer-Verbund verfolgt das Ziel, die Zukunft der Häuser langfristig zu sichern.
Architektur mini|hochkant| Schmiedeeiserner Zaun vor dem Vorderhaus in der Großen Hamburger Straße
Der südöstliche Vorgartenbereich in der Großen Hamburger Straße ist mit einem restaurierten Original-schmiedeeisernen Geländer eingefasst.
Haupthaus mini|links|Haupthaus mit Vorhalle und Marienkapelle mini|hochkant|Haupthaus Mittelbereich
Der Kernbau, zur Unterscheidung später „Haupthaus/Hauptgebäude“ genannt, war ein dreigeschossiger Winkelbau mit verblendeter Klinkerfassade. Die an der nordöstlichen Ecke angebaute Marienkapelle entstand zur gleichen Zeit. Das Haupthaus ist im strengen neogotischen Stil gehalten.
Zur Ostseite hin schließt eine dreiachsige Vorhalle mit drei spitzbögigen Baldachinen und zinnenartigen niveaugleichen Aufsätzen mit je einem metallenen Kreuz das Gebäude ab. Auf den Baldachinen stehen die Skulpturen der hl. Hedwig und des hl. Karl Borromäus, angefertigt vom Bildhauer Johannes Janda.
Die Krankenhauskapelle ist der Jungfrau Maria gewidmet.
Auf der Südostseite sind mehrere Säulen in die Fassade integriert, zwischen denen nachträglich Fenster eingelassen wurden, mit bunt verglasten Streifen eingefasst. Weitere Ergänzungsbauten in den Jahren 1926–1927 erfolgten nach Entwürfen von Wilhelm Fahlbusch. Er hatte den Kernbau um eine vierte Etage erweitert, in der große Rechteckfenster in angepasster Reihung eingelassen wurden. Auf vielen Fluren sind renovierte abwechslungsreiche Fußbodenmosaike mit Rankenornamenten zu sehen. Alle Treppen tragen schmiedeeiserne Treppengeländer. In den Gängen und an den Treppenhäusern befinden sich freistehende Stützsäulen. An einer Säule im Eingangsbereich fällt eine Halbskulptur der Heiligen Agatha auf, auf einem Modell-Bauwerk stehend, das wahrscheinlich das geplante Krankenhausgebäude aus den 1850er Jahren zeigt. Darunter ist in Versalien die kurze Geschichte der Agatha in Form eines Gebetes zu lesen.
Vorderhauskomplex Die direkt an der Straße platzierten weiteren Ergänzungsbauten aus den Jahren 1881–1905 sind viergeschossig und ebenfalls mit Klinkern verblendet. Die Fassaden in historisierenden Formen sind inzwischen großflächig mit wildem Wein bewachsen.
Der älteste Teil dieser Erweiterungsarbeiten ist der südliche Trakt des Vorderhauses (Nummern 10/11), vom Architekten Walter Kyllmann geplant. Hier ist die erste doppelflügelige Eingangstür erwähnenswert, die mit gut erhaltenen Schnitzereien versehen ist. Die Tür ist seit den Umbauarbeiten der 1990er Jahre dauerhaft geöffnet, davor befindet sich eine Ganzglastür zum Witterungsschutz.
Das Josefshaus (mittlerer Trakt, Nummern 7–9) entstand nach Plänen von Carl Moritz. Die Fenster der beiden Obergeschosse sind mittels Spitzbogenblenden zusammengefasst.
Der nördlichste Trakt des Krankenhauskomplexes (Nummern 5/6), Elisabethhaus genannt und von Max Hasak entworfen, weist mit dem Schriftzug „St. Hedwig-Hospital“ auf den ersten Zweck dieses Gebäudeteiles hin: es diente als Hospital für altersschwache Menschen. Ein Querflügel erstreckt sich zum Hofbereich hin. Die straßenseitige Fassade zeigt eingestellte Fenstersäulen und Kleeblattverdachungen aus Sandstein.
Haus Karl Borromäus Unter der Leitung der Architekten KSP Engel & Zimmermann entsteht zwischen 2004 und 2007 unter Einbeziehung eines denkmalgeschützten Wohnhauses der Neubau Haus Borromäus für die psychiatrischen Abteilungen in der Krausnickstraße 17–20. Ein gläserner Brückenbau schafft eine Verbindung zum Hauptgebäude.
Haus Vinzenz von Paul mini|Haus Vinzenz von Paul, von Nordosten gesehen
Das Haus Vinzenz von Paul, errichtet vom Architektenbüro GBK, ist ein viergeschossiger Neubau mit rotbrauner Klinkerfassade, der im Jahr 2012 eröffnet werden konnte. Er erinnert mit seiner Namensgebung an Vinzenz von Paul, ein Patron der Armen. Das Gebäude beherbergt ein Bettenhaus, die Stationen für Innere Medizin und Gerontopsychiatrie sowie das Nierenzentrum und eine Tiefgarage für Besucher und Angestellte des Krankenhauses. An seiner Giebelseite ist eine Kletterwand installiert.
Ein gläserner Fußgängerübergang verbindet dieses Gebäude mit dem Südflügel des Haupthauses. Das Flachdach des Neubaus ist mit Moosen und Flechten begrünt.
Kesselhaus und weitere Gebäude mini|Ehemaliges Kesselhaus
Im eingeschossigen Kesselhaus ist von den ursprünglichen technischen Anlagen nichts mehr erhalten. Dafür befindet sich eine Cafeteria darin.
Das Haus Martha (benannt nach Martha von Bethanien) am nördlichen Rand des Geländes ist ein weiß verputzter Neubau vom Anfang des 21. Jahrhunderts, das von drei Dienstleistern genutzt wird.
Östlich nebenstehend befindet sich das Haus Maria (benannt nach der Jungfrau Maria und bereits bei den ersten Erweiterungsbauten Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden), in dem die Alexianer Akademie für Gesundheits- und Krankenpflege Berlin (Krankenpflegeschule) untergebracht ist.
Ein verputztes Haus in der Großen Hamburger Straße, nördlich des Elisabethhauses, gehört ebenfalls zur Klinik und besitzt unter anderem einen Lieferanteneingang. Der hofseitige Erdgeschossbereich ist als Petrushaus ausgewiesen und dient gelegentlich als Andachtsraum.