mini|Directorium Inquisitorum Nicholas Eymerich (katalanisch: Nicolau Aymerich/Eimeric; manchmal Emeric, Eimeric, Aimery, Eymericus) (* um 1316 in Girona; † 4. Januar 1399 ebendort) war ein in Katalonien tätiger Theologe und Generalinquisitor der Krone von Aragon in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Er ist hauptsächlich bekannt für sein einflussreiches Werk Directorium Inquisitorum.

Leben Ausbildung und frühe Tätigkeit als Generalinquisitor Nicholas Eymerich wurde um 1316 in Girona geboren.Auch wenn meistens das Geburtsjahr 1320 angegeben wird, kann er nicht vor 1317 geboren worden sein. Durch die Vorgabe des Kanonrechts musste er beim Amtsantritt als Inquisitor mindestens 40 Jahre alt gewesen sein. Sein Amtsantritt war 1357. Außerdem wurde berichtet, dass er 1397 über 80 Jahre alt war. Siehe: Claudia Heimann, Nicolaus Eymerich (vor 1320-1399): praedicator veridicus, inquisitor intrepidus, doctor egregius, Aschendorff, 2001, S. 11. Er trat am 4. August 1334 dem lokalen Dominikanerkloster bei. Dort wurde er vom Mönch Dalmau Moner in Theologie unterrichtet. Später studierte Eymerich in Toulouse und dann in Paris, wo er 1352 den Doktorgrad erreichte. Danach kehrte er in das Kloster in Girona zurück, wo er die Stelle seines Lehrers Dalmau übernahm und selbst Theologie unterrichtete.

1357 wurde Eymerich Nachfolger des Generalinquisitors der Krone von Aragon Nicola Roselli, der zum Kardinal aufgestiegen war. Ein Jahr später erhielt Eymerich den Ehrentitel Kaplan des Papst als Anerkennung seiner Hingabe zur Arbeit als Inquisitor. Durch seine Strenge und Eifer bei der Arbeit als Inquisitor, auch gegen andere Geistliche, machte er sich schnell bei einigen Klerikern, dem Königshof, der Kurie und sogar dem Papst unbeliebt. Seine inquisitorischen Untersuchungen wurden deshalb häufig vom Hof blockiert. Als Eymerich den Franziskaner Nicholas von Kantabrien verhörte, wurde er von König Peter IV. von Aragon bei einer Versammlung in Perpignan 1360 des Amtes enthoben.Kirsch, Johann Peter. "Nicolas Eymeric." The Catholic Encyclopedia Vol. 5. New York: Robert Appleton Company, 1909. 27 Februar 2016

Eymerich wurde 1362 zum Generalvikar der Dominikaner von Aragon gewählt. Doch die Wahl wurde vom Priester Bernardo Ermengaudi angefochten. Ermengaudi stritt bereits seit längerer Zeit mit Eymerich. Außerdem unterstützte König Peter IV. Ermengaudi politisch. Letztlich hatte Papst Urban V. zu entscheiden, der die Wahl Eymerichs annullierte und sich statt Ermengaudi für einen dritten neutralen Kandidaten Jacopo Dominici.

In der Folgezeit blockierte Peter IV. Eymerichs Wiedereinsetzung als Inquisitor von Aragon. Insbesondere nach 1366 verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Peter IV. und Eymerich durch Eymerichs Angriffe auf die Schriften von Ramon Llull und seine Anhänger, die sogenannten Lullisten. Der König verbot Eymerich das Predigen in Barcelona. Eymerich aber missachtete das königliche Verbot und unterstützte im Geheimen die Revolte der Diözese von Tarragona gegen den König. Dieser Konflikt endete um 1376 als der lokale Gouverneur das Dominikanerkloster in dem Eymerich sich aufhielt mit 200 Reitern umzingelte. Eymerich gelang daraufhin die Flucht zum päpstlichen Hof von Papst Gregor XI. nach Avignon.

Arbeit als Inquisitor mini|Sammlung von 13 Schriften vom Eymerich, Manuskript aus dem 14.–15. Jahrhundert. Paris, Bibliothèque Nationale de France.

Ein Beispiel von Eymerich als Generalinquisitor ist sein Urteil gegen den Juden Astruc Dapiera von 1370. Dapiera war ein Einheimischer Barcelonas, welcher der Hexerei beschuldigt wurde. Er wurde zur Öffentlichen Bußtuung in einer Kathedrale mit anschließender lebenslanger Haft verurteilt. Eymerich war der erste Inquisitor, der das Verbot der Kirche zur mehrfachen Folter umging, indem er mit einer sehr laschen Interpretation des Rechts verschiedene Deliktsanschuldigungen als verschiedene Prozesse zählte.

Erstes Exil und Rückkehr Während seines Aufenthalts in Avignon vollendete Eymerich sein bekanntestes Werk, das Directorium Inquisitorum. Im Jahr 1377 begleitete er Papst Gregor XI. nach Rom, wo er sich bis zum Tod des Papstes 1378 aufhielt. Beim Streit um die Nachfolge Papst Gregors XI. schloss sich Eymerich der Fraktion des Gegenpapsts Clemens VII. an und kehrte noch 1378 nach Avignon zurück. Dort stritt er mit Vincent Ferrer, den er beschuldigte Sympathisant Papst Urban VI. zu sein.

Eymerich reiste 1381 wieder nach Aragon, wo Bernardo Ermengaudi seine Stelle als Generalinquisitor übernommen hatte. Eymerich erkannte Ermengaudi nicht als Generalinquisitor an und teilte 1383 in der Rolle des Generalinquisitors allen Einwohnern Barcelonas ein Verbot der Schriften Ramon Llulls mit. Wütend befahl Peter IV., dass Eymerich ertränkt werden sollte. Der König änderte jedoch nachträglich auf Bitten seiner Frau und Königin Eleonore von Sizilien das Urteil zu lebenslangem Exil. Johann I. (der Sohn Peters IV.) bot Eymerich jedoch Schutz, sodass dieser sein Exil nicht antrat und in Aragon bleiben konnte.

König Peter IV. starb im Jahr 1386 und Johann I. wurde sein Nachfolger. Als Sympathisant Eymerichs setzte Johann I. diesen wieder in das Amt des Generalinquisitors ein. Johann I. befürwortete zuerst die Verfolgung der Lullisten durch Eymerichs Inquisition, doch nur bis Eymerich die gesamte Stadt Valencia 1388 der Häresie beschuldigte und deswegen einen Prozess gegen sie führte. Der König intervenierte und befreite den Kanzler der Universität, der zuvor von der Inquisition inhaftiert wurde. Eymerich wurde durch den König nun erneut ins Exil gezwungen.Vargas, Michael A., Taming a Brood of Vipers: Conflict and Change in Fourteenth-Century Dominican Convents, BRILL, 2011

Zweites Exil und Rückkehr Nach dem Konflikt in Valencia floh Eymerich in das Asyl einer Kirche, aber zog sich zwei Jahre später wieder nach Avignon zurück. Dort widmete er sich vollkommen der Verteidigung und Legitimation des Gegenpapstes Clemens VII. und nach dessen Tod 1394 des Nachfolgers Benedikt XIII. Nach dem Tod Johann I. von Aragon 1396 kehrte Eymerich erneut zu seinem Geburtsort Girona nach Aragon zurück. Im dortigen Dominikanerkloster lebte er bis zu seinem Tod am 4. Januar 1399. Sein Epitaph beschreibt ihn als: praedicator veridicus, inquisitor intrepidus, doctor egregius (Übersetzt: „einen Prediger der Wahrheit, unerschrockenen Inquisitor und exzellenten Gelehrten“).

Werk Das Directorium Inquisitorum Eymerichs bekanntestes und einflussreichstes Werk war das Directorium Inquisitorum, das er bereits 1376 fertigstellte. Das Buch ist eine umfassende Kompilation von magischen Texten, die er als Inquisitor konfisziert und Angeklagten abgenommen hatte. Der Inhalt des Buches baute außerdem auf die Inquisitionspraxis bei der Verfolgung der Albigenser auf. Es definierte Hexerei und beschrieb Mittel Hexen und Hexer ausfindig zu machen. Das Directorium Inquisitorum wurde zum Standardwerk der Spanischen Inquisition und blieb bis in das 17. Jahrhundert hinein das bedeutendste Buch der Hexenverfolgung.

Weitere Werke Neben dem Directorium Inquisitorum, dem einzigen voll von Eymerich geschriebenen Buch, verfasste er viele Traktate und Schriften zu theologischen und philosophischen Themen. Der Großteil von Eymerichs schriftlicher Arbeit war gegen die Schriften und Lehre von Ramon Llull gerichtet. Aufbauend auf Eymerichs Schriften erließ Papst Gregor XI. einen päpstlichen Erlass gegen einige von Llulls Schriften und Postulate. Eymerichs Traktat Tractatus contra doctrinam Raymundi Lulli gegen Llull ist Papst Clemens VII. gewidmet und versucht 135 Häresien und 38 Fehler in der Theologie Llulls aufzuzeigen. Ein weiteres Beispiel für Eymerichs Anti-Lullismus ist das Traktat Dialogus contra Lullistas. Des Weiteren schrieb Eymerich viele Werke zur Verteidigung der Gegenpäpste in Avignion, die ihm mehrmals Zuflucht gewährten, beispielsweise das Traktat Tractatus de potestate papali von 1383.

Literarische Rezeption Der italienische Autor Valerio Evangelisti hat eine zehnteilige Science-Fiction Buchserie mit Eymerich als Hauptcharakter. Es gibt außerdem eine französische Comic-Serie über Eymerich basierend auf dem Roman von Evangelisti.

Eymerich ist außerdem einer der Hauptantagonisten im Roman Die Kathedrale des Meeres von Ildefonso Falcones.

Literatur Claudia Heimann: Nicholaus Eymerich (vor 1320–1399) - praedictor veridicus, inquisitor intrepidus, doctor egregius. Leben und Werk eines Inquisitors (Spanische Forschungen, Band 37), Aschendorff 2001. Claudia Heimann: Nicolaus Eymerich OP. Der Inquisitor und die Juden im Aragon des 14. Jahrhunderts, in: Elias Füllenbach/Gianfranco Miletto (Hrsg.): Dominikaner und Juden, Berlin 2015, S. 135–154. Claudia Heimann: Der Inquisitor Nicholaus Eymerich und (ca. 1316/19–1399) und sein Directorium inquisitorum, in: Wort und Antwort, Band 44, 2003, S. 38–42.

Dieter Emeis: Das Schicksal der Lullisten Peter de Castellvis. Zum Thema Johann I. von Argon und Nikolaus Eymerich, in: Spanische Forschungen, Band 21, 1963, S. 169–174. Derek Hill: Inquisition in the fourteenth century: the mannuals of Bernard Gui and Nicholas Eymerich, Woodbridge 2019. Eymeric, Nicholas (1821) - Manual de Inquisidores, para uso de las Inquisiciones de España y Portugal - Übersetzt von Französisch auf Spanisch von J. Marchena (kurze Version) - Imprenta de Feliz Avinon. Heinrich Finke: Nicolau Eimeric publicist in the beginning of western schism, in: Gesammelte Aufsätze zur Kulturgeschichte Spaniens, Band 1, Münster, 1928: Drei Spanische Publizisten aus den Anfängen des grossen Schismas. Andrés Ivars: Los jurados de Valencia y el inquisidor Fr. Nicolás Eymerich, Madrid, Spain, 1916. Faustino D. Gazulla, mercedarian: Historia de la falsa bula a nombre del obispo de Roma Gregorio XI inventada por el dominico fray Nicolás Eymerich, Palma de Mallorca, Spain, 1909 E Grahit i Papell: El inquisidor fray Nicolás Eymerich, Girona, Catalunya, 1874. Mit einer Liste von Eymerichs Schriften.

Weblinks

Text des Directorium Inquisitorum (1578) auf Latein Handschrift von Eymerichs Texten (um 1400) Encyclopædia Britannica Inquisition Valerio Evangelisti, Eymerich Storico (Historical Eymerich)

Einzelnachweise

Kategorie:Katholischer Theologe (14. Jahrhundert) Kategorie:Inquisitor Kategorie:Dominikanerbruder Kategorie:Geboren im 14. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1399 Kategorie:Mann