mini|Grabstein des Monimus Der Grabstein des Monimus ist eine bei Mainz aufgefundene Grabstele eines Bogenschützen einer römischen Auxiliareinheit, der Cohors I Ituraeorum. Sie wird ins frühe 1. Jahrhundert n. Chr. datiert und befindet sich im Landesmuseum Mainz (Inv. Nr. S 166).
Auffindung Die Grabstele wurde im Kontext der französischen Belagerung von Mainz (1795) entdeckt. Franz Joseph Bodmann notierte, der Fundort sei der sogenannte Hauptstein bei der Mainzer Hartenmühle gewesen.Jacob Becker: Die römischen inschriften und Steinsculpturen des Museums der Stadt Mainz. Victor von Zabern, Mainz 1875, S. 70. (Digitalisat) Dies ist aber nach Einschätzung von Walburg Boppert unwahrscheinlich, da militärische Bestattungen in der Nekropole am Hauptstein im frühen 1. Jahrhundert sonst nicht nachgewiesen sind und für andere Soldaten der gleichen Einheit eine Bestattung auf dem Zahlbacher Friedhof feststeht. Anzunehmen ist daher, dass der Monimus-Grabstein beim Graben eines verdeckten Ganges von der Linsenberg-Schanze nach der Zahlbacher Schanze am Hang hinter Kloster Dalheim in Mainz-Zahlbach ans Licht kam.Walburg Boppert: Militärische Grabdenkmäler aus Mainz und Umgebung, Mainz 1992, S. 114–116, Nr. 19. Die Quellen für diesen Fundort sind handschriftliche Einträge in drei verschiedenen Exemplaren von Joseph Fuchs, Alte Geschichte von Mainz, Band 2, Mainz 1772.Karl Körber: Einige römische Grabdenkmäler, die aus Mainz stammen oder im Altertumsmuseum daselbst aufbewahrt werden, 1916, S. 82.
Beschreibung Die Grabstele des Monimus besteht aus Kalkstein. Sie ist 135 cm hoch, 61 cm breit und 20 cm tief. Bei Auffindung war sie in zwei Fragmente zerbrochen. Das untere Fragment mit den beiden letzten Zeilen der Inschrift ist verloren und wurde modern mit Steinmasse nach Illustrationen des 19. Jahrhunderts ergänzt.
Die Grabstele hat die Form einer Ädikula, deren Pilaster Bildfeld und Inschriftenfeld rahmen. Über den beiden Kapitellen füllt ein Blattornament und ein Blatt eines Halbpalmettenakroters den Zwischenraum zum Giebel, der mit Wellenband und Efeublättern verziert ist.
Unter dem Giebeldreieck, in einer Muschelnische, ist der Verstorbene in Halbfigur und Frontalansicht dargestellt. Sein Kopf ist unbedeckt, das Gesicht bartlos, das kurzgeschnittene Haar leicht gekräuselt. Als Untergewand trägt er eine am Halsausschnitt sichtbare Tunika und darüber, der Witterung in Germanien angepasst, einen weiten Kapuzenmantel. Die linke Hand, deren kleiner Finger mit einem Ring geschmückt ist, hält einen Kompositbogen. Die rechte Hand umfasst ein Bündel Pfeile.
Der untere Teil der Stele trägt folgende lateinische Inschrift:
Monimus / Ierombali f(ilius) / mil(es) c(o)hor(tis) I / Ituraeor(um) / ann(orum) L stip(endiorum) XVI / h(ic) s(itus) est.
„Monimus, der Sohn des Jerombal, Soldat aus der 1. Kohorte der Ituräer, 50 Jahre alt, 16 Dienstjahre, liegt hier begraben.“Deutsche Übersetzung: Willy Schottroff: Die Ituräer, 1982, S. 125.
Interpretation Monimus, Sohn des Jerombal, war ein freier peregrinus aus der römischen Provinz Syria. Sein Name ist entweder griechisch (zu „bleibend, standhaltend, treu“) oder semitisch (mnʿn „huldvoll“). Der Name des Vaters, Jerombal, ist eindeutig semitisch (jrmʾl „hoch erhaben“).Andreas Kakoschke: Die Personennamen in den römischen Provinzen Germania inferior und Germania superior. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2021, Teil 1 S. 472 und Teil 2 S. 132.
Monimus gehörte wahrscheinlich dem Volk der Ituräer an. Ihr Kerngebiet befand sich auf den Höhen des Anti-Libanon und des Hermon. Von dort aus stießen sie in die fruchtbare Bekaa-Ebene vor, die im 1. Jahrhundert v. Chr. zum ituräischen Machtzentrum wurde.Willy Schottroff: Die Ituräer, 1982, S. 132. Syrer und Ituräer waren für ihren geschickten Umgang mit dem Kompositbogen bekannt und wurden als Spezialisten vom römischen Militär rekrutiert.E. A. Myers: The Ituraeans and the Roman Near East: Reassessing the Sources. Cambridge University Press, Cambridge 2010, S. 116 f.
Obwohl Monimus ein für seine Zeit relativ hohes Alter erreichte, reichten seine Dienstjahre für die Erlangung des römischen Bürgerrechts nicht aus. Er hatte seinen Militärdienst nämlich erst 34-jährig begonnen.
Literatur Walburg Boppert: Militärische Grabdenkmäler aus Mainz und Umgebung (= Corpus der Skulpturen der Römischen Welt: Deutschland (Germania Superior), Band 2,5). Römisch-germanisches Zentralmuseum, Mainz 1992, S. 114–116, Nr. 19. Karl Körber: Einige römische Grabdenkmäler, die aus Mainz stammen oder im Altertumsmuseum daselbst aufbewahrt werden. In: Mainzer Zeitschrift, Band 11 (1916), S. 54–95, hier S. 82–83, Kat.Nr. 32. (Digitalisat) Willy Schottroff: Die Ituräer. In: Zeitschrift des Deutschen Palästina-Vereins, Band 98 (1982), S. 125–152.
Weblinks iDAI.objects: Grabstele Epigraphic Database Heidelberg: Epitaph from Mogontiacum – Mainz (Germania superior)
Anmerkungen
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