miniatur|Palazzo Albertoni Spinola in Rom: Fassade Der Palazzo Albertoni Spinola ist ein Palast aus dem 17. Jahrhundert in Rom in der italienischen Region Latium. Er liegt im Viertel Campitelli an der Piazza Campitelli, 2, an der Piazza Capizucchi und am Vicolo Capizucchi.

Geschichte miniatur|Die Fassade des Palazzo Albertoni (um 1620) Mit den Bauarbeiten beauftragte anfangs der Markgraf Baldassare Paluzzi Albertoni den Architekten Giacomo della Porta (1532–1602), die dann von Girolamo Rainaldi (1570–1655) abgeschlossen wurden. Das Grundstück lag zwischen dem Palazzo De Rossi (später Palazzo Cavalletti) und dem Palazzo Capizucchi. Das Werk war die Frucht der Arbeit der beiden großen Renaissancearchitekten, die lange und bei verschiedenen Gelegenheiten und zahlreichen Aufträgen der Päpste zusammenarbeiteten.

1603 erhielt der Cavaliere Baldassare Paluzzi Albertoni die Erlaubnis zur Errichtung der neuen Fassade, die die Fläche des bereits existierenden Anwesens in Richtung auf den Platz erweiterte, indem sie die neue Wand an der Ecke des angrenzenden Palazzo Capizucchi ausrichtete. 1616 bat er um eine weitere Erlaubnis, um über dem Hintereingang zu seinem Palast einen Bogen errichten zu können, der sich über die Gasse erstreckte und den Übergang zu seinen „Nachbarhäusern“ ermöglichte (Es handelte sich dabei um einen bogenförmigen Übergang, der im hinteren Teil des Palastes außerhalb desselben auf Höhe des ersten Obergeschosses gebaut wurde). Somit gehörten die beiden Gebäude von Anfang an zu einem einzigen Anwesen, das dann von Familie zu Familie weitergegeben wurde. Auf der Piazza Campitelli wird an die Anwesenheit der Familie Albertoni erinnert; das Wappen der Familie, der vorbeiziehende Löwe, ist in dem Palast sowohl über dem Eingangsportal, als auch in den Architraven und langen Nischen der Treppen, sowie im Fries unterhalb der Traufe der Hauptfassade vorhanden; in letzterem sind neben den vorbeiziehenden Löwen auch Rehe abgebildet.

miniatur|Piazza Campitelli (um 1660) Die Erben der Familie Paluzzi Albertoni übernahmen nach dem Willen von Emilio Altieri (1590–1676), der 1670 zum Papst gewählt worden war und den Namen „Clemens X.“ angenommen hatte, am 21. Oktober 1671 den Familiennamen und das Wappen der Altieris, sowie deren Prinzentitel. So floss der gesamte Reichtum der Altieris in die Güter der Nachfahren der Familie Paluzzi Albertoni unter dem Namen „Altieri“ ein. Tatsächlich hatte der Palast an der Piazza Campitelli als Residenz weniger Prestige als der von den Altieris errichtete Palast an der Piazza del Gesù, in dem, neben der Villa Altieri, die Kunstwerke der Familie untergebracht waren.

Der Palast an der Piazza Campitelli, der mehr als ein Jahrhundert lang in den Händen der neuen Altieri-Erben bleiben sollte, wurde um ein viertes Stockwerk aufgestockt und um 1808 von den Prinzen Paluzzi Altieri an den berühmten spanischen General Manuel de Godoy y Alvares de Faria Rios Sanchez Zarzosa, Prinz von La Paz und Bassano, (1767–1851) verkauft. Bald gelangte der Palast in den Besitz des Kardinals Bartolomeo Pacca (1756–1844), der sich dort spätestens ab 1819 gelegentlich aufhielt. Nach dem Tod Paccas verblieb der Palast an der Piazza Campitelli etwa 50 Jahre lang bei dessen Enkeln, die ihn teilweise an ihre Bekannten vermieteten, darunter an die Kardinäle Giacomo Piccolomini und Giacomo Antonelli.

Im Jahre 1886 verkauften die Erben Pacca den Palast an die Gräfin Carolina Portalupi (1852–1891), die ihn restaurieren ließ und ihn später ihren direkten Nachfahren, den Markgrafen Spinola aus Genua, hinterließ. Maria Antonietta Spinola heiratete später den bekannten Politiker Mario Cingolani (1883–1971), wogegen Bonifacio Spinola eine seiner Cousinen zweiten Grades, die Gräfin Marina Baldeschi (1885–1983) ehelichte.

Die Restaurierung des Palastes war unaufschiebbar, da der Komplex sich in schlechtem Erhaltungszustand befand, weil er jahrelang nicht mehr genutzt worden war; die Arbeiten betrafen vor allen Dingen Teile des Innenhofes, die Treppen und die Innenräume. Mauern, Bögen und Gewölbe wurden renoviert, die Dachstühle und Bodenbeläge verstärkt und erneuert, die Gesimse, Dächer und Terrassen repariert, die Stufen die Bodenbeläge der Absätze der Haupttreppe komplett renoviert, viele Decken renoviert, insbesondere die verzierten, ebenso wie die Bildwirkereien an den Wänden der Innenräume, die Türen und die Fenster. Auch sind Eingriffe an der Wasserverteilung und an der Ausstattung der Bäder dokumentiert. Aus dieser Zeit stammen darüber hinaus der neue Balkon an der Südostseite, der mit Glas gedeckt wurde, und die Aufstockung des dritten Obergeschosses zum Palazzo Cavalletti hin. Die Arbeiten waren umfangreich, ließen aber die Struktur des Palastes unverändert.

In den Jahren 2006 und 2007 wurden weitere, bedeutende Restaurierungsarbeiten an den Fassaden und im Inneren des Palastes durchgeführt, die das Gebäude erneut zu seinem wohlverdienten Glanz zurückgeführt haben.

Beschreibung miniatur|Die Verbindung zwischen den beiden Baukörpern des Palastes, von der Piazza Capizucchi aus gesehen miniatur|Grundriss des Baus: Man sieht den großen Palast, den kleinen, hinteren Palast und den hängenden Garten, miteinander durch die Überführung verbunden Della Porta arbeitete am Bau des Gebäudes, wobei er sich in den letzten Jahren des 16. Jahrhunderts bis zu seinem Tod 1602 um die tragenden Strukturen und die inneren Trennwände kümmerte; später erbte Rainaldi, der ab 1592 mit dem Meister zusammenarbeitete, die Aufgabe, die Fassade des Palastes mit dem neuen Konzept des Platzes ein Einklang zu bringen und zu erneuern. So entstand die millimetergenaue Perspektive, die wir vom Tor des kleinen Palastes durch die Rechtwinkligkeit der Eingangsgalerie mit der Fassade des Palastes erhalten, die spätestens 1593 einem bereits existierenden Gebäude überlagert wurde, wie in einer zeitgenössischen Kartographie dargestellt.

Die Vereinigung der beiden Baukörper wurde durch die Lage der Fenster- und Türöffnungen auf der Rückseite des großen Palastes ermöglicht, die in einer Linie mit denen des hinteren, kleinen Palastes lagen und bei den Arbeiten an der Fassade, die 1603 eingeleitet wurden, nicht verändert wurden. Tatsächlich lässt sich dies aus den Baugenehmigungen, die die Eigentümer 1603 und 1616 erhalten hatten, erstere zur Erneuerung der oben genannten Fassade des Palastes zur Piazza Campitelli, letztere zur Errichtung des Übergangs, der die beiden Anwesen verbindet; diese sahen keine weiteren Abriss- oder Erneuerungsarbeiten an den Bauten vor. Auch der hängende Garten war auf einer Linie mit den Türen des Übergangs, sowohl zum Treppenabsatz des ersten Obergeschosses des großen Palastes als auch zum ersten Obergeschoss des kleinen Palastes. Die Fassade und die äußeren Verzierungen des großen Palastes stammen von Rainaldi mit exquisit manieristischer Erfindungsgabe, während das unmittelbare Erbe von Della Porta im Entwurf der allgemeinen Form des kompakten, traditionellen Gebäudes besteht, der zur Rechtwinkligkeit der inneren Eingangsgalerie führt. Der folgende Bau des Übergangs erfüllt die integrativen Absichten, die sich aus der erstaunlichen Perspektive des kleinen Palastes ergeben, wobei im Laufe der Zeit ein architektonisches Meisterwerk entstand, das nur in Zusammenarbeit der beiden Genies so perfekt in der Umsetzung zum Ausdruck kommen konnte.

Effekte der Architektur miniatur|Eingangsgalerie und Perspektive vom Tor der Kirche Santa Maria in Campitelli aus miniatur|Der „geheime“ hängende Garten Die daraus resultierende perspektivische Sicht erzeugt eine Art scheinbar unerklärlichen optischen Effekt. Tatsächlich beginnt sich der gegenüber dem Palast liegende Eingang zur Kirche Santa Maria in Campitelli von links nach rechts zu verschieben, wenn man sich vom Haupteingang des Palastes entfernt, und fällt mit diesem erst perfekt zusammen, wenn man die Schwelle des Tores des kleinen Palastes erreicht. Man muss dabei unterstreichen, dass zur Zeit der Projektierung des Palastes die Fassade der heutigen Kirche noch nicht errichtet war, und, dass an dieser Stelle sich das Geburtshaus der Seligen Ludovica Albertoni befand, der wirklichen spirituellen Autorität ihrer Familie. Die Paluzzi Albertonis wollten somit vermutlich die Sicht von Tor zu Tor bekommen, um eine bleibende Erinnerung an die Selige zu erhalten. Außerdem ist ein Teil der Umfassungsmauer des Hauses der Seligen mit einem alten Fresko im Inneren er Kapelle der Familie Albertoni in der Kirche Santa Maria in Campitelli sichtbar.

Ein weiterer produzierter Effekt besteht aus dem Verlust der „Orientierung“ im Inneren der beiden Baukörper: Tatsächlich kann man beim Besuch der Innenräume nicht vollständig erkennen, ob man sich im großen Palast oder aber im kleineren befindet. Eine letzte optische Besonderheit erschließt sich, wenn man den „geheimen“ hängenden Garten betrachtet, der vom Eingang zum Übergang im ersten Obergeschoss des großen Palastes aus zu sehen ist: Er ist „verdeckt“, weil er eine rückwärtige Erweiterung des ersten Obergeschosses des kleinen Palastes ist und somit weit vom Platz entfernt.

Weitere Werke im Palast miniatur|Kopf des Isis-Priesters, als Publius Scipio Africanus Im Palast gibt es immer noch eine kleine Serie von sechs gemalten Köpfen – einer im Eingangsbereich über dem Innenhof und die anderen fünf entlang der Treppen –, die Teil der Antikensammlung der Albertoni Paluzzis, Sammlern antiker Kunstwerke, sind. Die Sammlung Paluzzi Albertoni verschmolz seit dem 17. Jahrhundert mit der der Altieris, die ebenfalls bemerkenswert ist und den Familienpalast und weitere Anwesen der Altieris, darunter der der Villen in Esquilin und Porta Salaria bereichtert. Im Palazzo Albertoni Spinola befinden sich folgende Büsten: Zwei antike Marmorköpfe, davon einer einer jungen Frau und einer von Antinoos, in mehreren Teilen, ein weiterer antiker Marmorkopf (der eines Isis-Priesters), der in der Renaissance als Darstellung von Publius Cornelius Scipio Africanus umgearbeitet wurde, zwei Marmorrekonstruktionen aus der Renaissance, einer von Gaius Iulius Caesar und ein weiterer vermutlich von Hesiod oder Zenon Eleat, sowie ein Gipsabdruck des Kopfes von Caesar (vermutlich von den Paccas und nicht von den Paluzzis), der von einer Statue abgenommen wurde, die im Senatorenpalast auf dem Kapitol aufbewahrt wird.

Einzelnachweise Cristiano Marchegiani: Dizionario Biografico degli Italiani in Enciclopedia Treccani, Band 86. 2016 (Rom 2016) Giovanni Baglione: Le vite de’ pittori, scultori et architetti dal Pontificato di Gregorio XIII fìno a tutto quello di Urbano VIII. Rom, (Forni 1649). Gregorio Roisecco: Roma antica e moderna. (Rom 1750) Primo Acciaresi: Roma antica, medioevale, moderna e dintorni. Libreria Salesiana (Rom 1922) Lugi Vittorio Bertarell: Roma e dintorni. Milano, Touring Club Italiano, Kapitel: «Palazzo Spinola» (Mailand 1934) Ulrich Thieme, Felix Becker: Thieme-Becker. Engelmann, Kapitel: «Porta, Giacomo della» (Leipzig 1907) Jetwart Arslan: Forme architettoniche civili di Giacomo della Porta, Bollettino d’Arte del Ministero della Pubblica Istruzione. Ministero della Pubblica Istruzione, S. 510–511. Figur 4 (Rom 1926–1927) Sandro Benedetti, Giuseppe Zander: L’arte di Roma nel secolo XVI. Cappelli, Bologna 1990. S. 436–437. Tafel CXXXVI. Kartographie von Antonio Tempesta (1593) Joseph Connors,: Alliance and Enmity in Roman Baroque Urbanism. Band 3. Bibliotheca Hertziana, S. 245–260 (Rom 1989) Giovanni Battista Falda: Nuovi disegni dell’architettura, e piante de’ Palazzi di Roma de’ più celebri architetti. Band II. Archivio di Stato di Roma (Rom 1655–1670) Howard Hibbard: Di alcune licenze rilasciate dai mastri di strade per opere di edificazione a Roma. 1586–’89, 1602–’34 in Bollettino d’Arte, S. 100, 104 Nr. 29, 109 Nr. 83 Figuren 37, 43. (Rom 1967)