Jacquemart de Hesdin (* im 14. Jahrhundert, † im 15. Jahrhundert) war ein französischer Buchmaler.

Leben Jacquemart de Hesdin war ein französischer Buchmaler, der Ende des 14. Jahrhunderts für den Herzog von Berry arbeitete. Robert de Lasteyrie stellte 1896 viele wichtige Aspekte seiner Persönlichkeit und seiner Werke fest. Hesdin gilt als einer der bedeutendsten Maler und Miniaturisten dieser Zeit und wird als wichtiger Vorläufer des Realismus in der Malerei angesehen. Es gibt jedoch Unsicherheiten über seine Werke, da nur wenige Originale bekannt sind.

Seine Karriere begann 1384, als er im Dienst des Herzogs nachweisbar ist. Zu dieser Zeit lebte er in Bourges und wurde möglicherweise um 1380 Nachfolger des Buchmalers Jean Le Noir. Im Jahr 1398 geriet er in einen Streit in Poitiers und wurde nur durch die Fürsprache des Herzogs vor Strafe bewahrt. 1399 lebte er erneut in Bourges. Er muss bis in die frühen Jahre des 15. Jahrhunderts gelebt haben, denn in den für ihn beglaubigten grandes heures gibt es eine Eintragung, die besagt, dass das Buch 1409 vollendet wurde. Um 1440 ließ sich ein „Jacquemart de Hesdin“ in Valencia nieder, der möglicherweise sein Sohn war und als Hofmaler von König Alfons VI. von Aragón bekannt wurde.

Zwei berühmte Miniaturenbücher für den Herzog von Berry sind durch die Bibliotheksinventare belegt: die trés belles heures und die grandes heures. Die trés belles heures wurden 1401 inventarisiert, und die grandes heures 1413, wobei sie bereits 1409 vollendet wurden. Zudem können ihm die petites heures und der psautier teilweise sicher zugeschrieben werden. In der trés belles heures schuf Hesdin zwei große Grisaillen der Madonna, während der Rest dieses Buches vom Meister des Marschalls Boucicaut stammt. Bei den grandes heures und petites heures sind vor allem die Kalender und die meisten Miniaturen von ihm. Allerdings gibt es in den späten Bänden deutliche Hinweise auf die Mitarbeit von Gehilfen, was in vielen spätmittelalterlichen Handschriften der Fall ist.

Hesdin wird als eines der größten dekorativen Talente in der französischen Buchmalerei betrachtet, insbesondere für die Gestaltung einzelner Seiten in seinen Gebetbüchern. Seine Werke zeigen eine bemerkenswerte Kraft und Eleganz und sind bekannt für ihren filigranen Schmuck, in dem oft Menschen und Tiere dargestellt sind. Auch wenn seine Ornamente die Figuren beeinflussen, ist er ein häufiger Realist, der es schaffte, gotische Architektur und realistische Details zu kombinieren.

In den letzten Jahrzehnten gab es mehrere Versuche, Hesdins Werk durch stilistische Zuschreibungen zu erweitern, die jedoch nicht erfolgreich waren, da man oft außerhalb der Handschriften suchte. Ein Beispiel für seine weniger prunkvollen Arbeiten ist die um 1390 ausgemalte Bibel des Herzogs von Berry, die in Rom aufbewahrt wird. Seine Herkunft wird durch die Verbindungen zwischen seinen Arbeiten und denen von Jean Pucelle deutlich, dessen Tradition Hesdin fortführt. Das Belleville-Breviar von Pucelle diente als Vorbild für die Kalender in Hesdins grandes heures und petites heures.

In den großen Grisaillen der Gebetbücher sind die Einflüsse der sienesischen Malerei erkennbar. Zudem bestehen unverklärte Zusammenhänge mit einem älteren Meister, dem „Meister des Parement de Narbonne“. Der Einfluss dieses Meisters zeigt sich auch in einem berühmten Gebetbuch des Herzogs von Berry, dessen Teile heute noch unveröffentlicht sind, sodass die Beziehung zwischen den beiden Malern weiterhin unklar bleibt. Beide Maler stellten den Herzog von Berry dar, jedoch wird der Meister des Parement als überlegen angesehen.

Werke (Auswahl)

Literatur

Weblinks

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