mini|Chirurgen und Anästhesisten in Dresden (1956) mini|Ausbildung am Anästhesiesimulator Die Anästhesiologie, teilweise auch Anaesthesiologie geschrieben, ist als Wissenschaft von der AnästhesieHans Anton Adams, Eberhard Kochs, Claude Krier: Heutige Anästhesieverfahren – Versuch einer Systematik. In: AINS – Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie. 36. Jahrgang, Nr. 5, Mai 2001, S. 262–267, hier: S. 262. ein medizinisches Fachgebiet. Es umfasst die Anästhesie (Zustand eines medizinisch kontrollierten vorübergehenden Gefühls- oder Bewusstseinsverlusts) im engeren Sinne (Vollnarkose, Regional- und Lokalanästhesie) einschließlich der Aufrechterhaltung der lebenswichtigen Funktionen während operativer und diagnostischer Eingriffe sowie die Intensivmedizin, die Notfallmedizin und die Schmerztherapie.Sinngemäße Definition der deutschen Bundesärztekammer in der Als „fünfte Säule“ ist inzwischen die Palliativmedizin hinzugekommen. Aufgrund ihrer zahlreichen Schnittstellen mit anderen Fachgebieten ist die Anästhesiologie durch eine hohe Interdisziplinarität gekennzeichnet.
Anästhesiologie umfasst gemäß einer Definition des American Board of Anesthesiology aus den 1980er Jahren unter anderem: die Herbeiführung von Schmerzfreiheit während chirurgischer, geburtshilflicher, therapeutischer und diagnostischer Operationen und die Betreuung der davon betroffenen Patienten, das Monitoring und die Aufrechterhaltung der Homöostase in der perioperativen Phase sowie beim kritisch kranken, verletzten oder anderweitig ernsthaft kranken Patienten, die Diagnose und Behandlung schmerzhafter Syndrome, die Ausbildung in der Herz-Lungen-Wiederbelebung und deren Implementierung in der Klinik, die Beurteilung der Atemfunktion und die Anwendung von Beatmungstherapie in all ihren Formen, die fachliche Aufsicht über und die Ausbildung von bei der Anästhesie, Beatmung und Behandlung kritisch Kranker mitwirkendem Personal, die Erforschung von Grundlagen und die klinische Forschung zur Gewinnung von Erkenntnissen und Verbesserungsmöglichkeiten des Patientenwohls in Bezug auf physiologische Funktionen und Reaktionen auf Medikamente sowie die administrative Mitwirkung in Krankenhäusern, medizinischen Ausbildungsstätten und ambulanten Einrichtungen insoweit diese notwendig zur Implementierung dieser Aufgaben sind.
Wortherkunft und Bezeichnungen Anästhesiologie ist eine Zusammensetzung der altgriechischen Wörter und und bedeutet somit wörtlich die Lehre von der Gefühllosigkeit. Gemeint ist damit Schmerzfreiheit, ein Anliegen, aus dem sich das Fachgebiet von Anfang an ableitete und das noch heute seinen eigentlichen Kern darstellt. Indes spiegelt der historisch begründete Begriff Anästhesiologie bei Weitem nicht das aktuelle Gesamtspektrum des Fachgebietes wider.
Inzwischen ist die Verwendung des Begriffes Anästhesiologie – abgesehen von der Verwendung in offiziellen Bezeichnungen wie Klinik für Anästhesiologie – selbst im gehobenen allgemeinen Sprachgebrauch weitgehend unüblich und durch das kürzere Anästhesie ersetzt worden. Letzteres bezeichnet somit nicht nur ein (angestrebtes) Ergebnis der Bemühungen des Anästhesisten, sondern auch das Fachgebiet selbst.
Die offizielle Facharztbezeichnung ist Facharzt für Anästhesiologie (in Österreich: Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin), im täglichen Gebrauch ist meist die (von „Anästhesie“ abgeleitete und die Tätigkeit beschreibende) Kurzform Anästhesist üblich; umgangssprachlich wird häufig auch der für Laien besser verständliche frühere Begriff Narkosearzt für den die Anästhesie oder ein „Stand-by“ (die ausschließliche Überwachung der Vitalfunktionen, während der sich häufig auch der Einsatz von Anästhestika ergibt und damit im Rahmen dieser anästhesiologischen BetreuungVgl. auch ein Übergang zur Analgesie, Sedierung oder AnalgosedierungHans Anton Adams, Eberhard Kochs, Claude Krier: Heutige Anästhesieverfahren – Versuch einer Systematik. In: AINS – Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie. Jahrgang 36, Heft 5, Mai 2001, S. 262–267, hier: S. 265 und 267.) durchführenden Arzt benutzt. Der umfassendere Begriff Anästhesiologe als Berufsbezeichnung ist hingegen weitgehend aus dem deutschen Sprachgebrauch verschwunden. Ein Anästhesist arbeitet mit examiniertem medizinischem Assistenzpersonal zusammen, das ihm gegenüber fachlich weisungsgebunden ist (Krankenpflegepersonen, Medizinische Fachangestellte); der Anteil speziell ausgebildeter Fachpflegekräfte für Anästhesie und Intensivpflege bzw. Anästhesietechnischer Assistenten steigt dabei in den letzten Jahren an.
Tätigkeitsgebiete Wie bereits oben erwähnt, umfasst das Fachgebiet der Anästhesiologie neben den Kerngebieten Anästhesie und Intensivmedizin im Wesentlichen die Notfallmedizin, die akute und chronische Schmerztherapie sowie die Palliativmedizin: Anästhesie mit Vorbereitung und Durchführung von Allgemein- und Regionalanästhesieverfahren sowie die unmittelbare postoperative Überwachung im Aufwachraum, was als sogenanntes perioperatives Management zusammengefasst wird. Während chirurgischer Eingriffe geht es in der modernen Anästhesie nicht nur um die „Ausschaltung“ von Schmerzen und Stress, sondern auch um eine lückenlose Überwachung aller Körperfunktionen. Atmung, Kreislauf, teilweise auch Anästhesietiefe und Grad der Muskelerschlaffung werden kontinuierlich überwacht und entsprechend den Erfordernissen der Operationsphase von Anästhesisten gesteuert. IntensivmedizinVgl. Peter Lawin †, H. W. Opderbecke: Die Entwicklung der Intensivmedizin im Rahmen der Anästhesiologie in der Bundesrepublik Deutschland. In: Jürgen Schüttler (Hrsg.): 50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Tradition und Innovation. Unter Mitwirkung von Michael Goerig, Heike Petermann, Jochen Schulte am Esch und Wolfgang Schwarz. Springer-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-540-00057-7, S. 233–259. auf Intensivtherapiestationen dient zur Intensivüberwachung und -behandlung von Patienten, deren Vital- oder Organfunktionen in lebensbedrohlicher Weise gestört oder gefährdet sind und durch intensive therapeutische Verfahren unterstützt oder aufrechterhalten werden müssen. In der Intensivmedizin werden schwerstkranke Patienten im Rahmen lebensbedrohlicher Infektionen, nach Unfällen, großen chirurgischen Eingriffen und bei Versagen lebenswichtiger Organe aus anderen Ursachen von Spezialisten des Fachgebietes der Anästhesie und Intensivmedizin medizinisch behandelt. Notfallmedizin zum Erkennen drohender oder eingetretener Notfallsituationen, Behandlung von Notfällen sowie Wiederherstellung und Aufrechterhaltung akut bedrohter Vitalfunktionen. Das breite Spektrum der zu versorgenden Notfälle verlangt umfassende Kenntnisse der Inneren Medizin, der Neurologie, traumatologischen Erstversorgung, aber auch Kompetenz in der Absolvierung von Kinder- oder geburtshilflichen Einsätzen. Schmerztherapie von chronischen und akuten Schmerzen (z. B. postoperativ). Akute Schmerzen, zum Beispiel nach Verletzung oder Operation haben eine Schutz- und Alarmfunktion für den menschlichen Organismus. Chronische Schmerzen haben diese Schutzfunktion jedoch verloren und können mit schwerwiegenden Funktionsstörungen des Körpers einhergehen. Sowohl akute als auch chronische Schmerzen müssen adäquat behandelt werden. In beiden Fällen können eine medikamentöse Therapie, Physiotherapie und psychologische Verfahren (z. B. Entspannungstechniken, Schmerzbewältigungsstrategien bis hin zur Psychotherapie) sowie periphere und zentrale Nervenblockaden helfen. Ebenso können komplementärmedizinische Methoden sinnvoll sein und angewendet werden. Durch die zunehmende Alterung der Gesellschaft gewinnt die palliativmedizinische Linderung von Leiden neben der kurativen Medizin immer größere Bedeutung und ergänzt die klassische Schmerztherapie. Bearbeitung des wissenschaftlichen Umfeldes des Fachgebietes
Facharzt-Weiterbildung Weiterbildung in Deutschland Anästhesisten sind in Deutschland Fachärzte (Gebietsarzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, die genaue Bezeichnung variiert zwischen den Bundesländern). Der erste Facharzt in Deutschland für Anästhesie der BRD war Werner Sauerwein vom Bürgerhospital Saarbrücken. Er erhielt seine Facharzt-Anerkennung am 27. Mai 1953.Schüttler, 50 Jahre Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin, S. 87 Parallel zur bzw. im Anschluss an die Facharztweiterbildung können verschiedene Zusatz-Weiterbildungen erworben werden (z. B. die Zusatzbezeichnungen Spezielle Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie). Informationen zu Facharzt- und Zusatzweiterbildungen sowie eine Übersicht zu Weiterbildungsstätten bieten der Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA)Berufsverband Deutscher Anästhesisten e. V. Abgerufen am 19. Februar 2015. und die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI).Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. Abgerufen am 19. Februar 2015.Informationsseite des BDA zur Nachwuchskampagne "Mein Pulsschlag". Abgerufen am 19. Februar 2015.
Weiterbildung in Österreich Die Ausbildung dauert sechs Jahre, wobei es notwendig ist, innerhalb dieses Zeitraums sechs Monate Innere Medizin, sechs Monate Chirurgie sowie ein Jahr Intensivmedizin zu absolvieren. Sie muss mit der praktischen und theoretischen Facharztprüfung abgeschlossen werden. Der Berufstitel lautet Facharzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Die ÖGARI bietet Informationen für junge Anästhesisten an, die vor ihrer Facharztprüfung stehen.
Weiterbildung in der Schweiz In der Schweiz dauert die Weiterbildung zum Anästhesisten fünf Jahre, gegliedert in vier bis viereinhalb Jahre fachspezifische sowie sechs bis zwölf Monate nicht-fachspezifische Weiterbildung (Intensivmedizin). Zudem ist der Besuch eines zweitägigen Kurses in Notfallmedizin erforderlich. Die Weiterbildung wird mit einer Prüfung, die einen mündlichen sowie einen schriftlichen Teil (schriftliche Prüfung der European Society of Anaesthesiology) umfasst, abgeschlossen.Schweizerisches Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung SIWF: . Abgerufen am 7. Mai 2015. Zur Teilnahme an der Prüfung ist ein schweizerisches oder anerkanntes ausländisches Arztdiplom Voraussetzung. Mit erfolgreichem Abschluss von Weiterbildung und Prüfung wird der Titel Facharzt für Anästhesiologie verliehen.
Weiterbildung in den USA Die Weiterbildung besteht aus insgesamt vier Jahren, von denen ein Jahr in einem anderen Fachgebiet abgeleistet werden muss. Nach der Weiterbildung ist man board eligible und kann sich nach bestandener schriftlicher und mündlicher Prüfung board certified nach der American Board of Anesthesiology (ABA) oder der American Osteopathic Board of Anesthesiology (AOBA) nennen. Seit 1999 sind die Zertifikate nur noch zehn Jahre gültig. Danach kann in einem Jahr Fellowship eine subspecialty certification in pain medicine, pediatric anesthesiology, cardiovascular anesthesiology und critical care medicine erworben werden.
Weiterbildung in anderen Ländern In England wird die Weiterbildung überwacht vom Royal College of Anaesthetists. Die Weiterbildung dauert mindestens sieben Jahre. In Australien und Neuseeland wird die Weiterbildung vom Australian and New Zealand College of Anaesthetists überwacht.