miniatur|Palazzo dell’Aeronautica in Rom: Hauptfassade Der Palazzo dell’Aeronautica ist ein Palast aus den 1930er-Jahren in Rom in der italienischen Region Latium. Er liegt im Viale Pretoriano, 18, und beherbergt den Sitz des Stato Maggiore dell’Aeronautica Militare. Bis 1947 war dort das Luftwaffenministerium untergebracht.
Geschichte Italo Balbo, Maresciallo dell’Aria und Luftwaffenminister, beauftragte den jungen Architekten Roberto Marino mit dem Projekt eines Sitzes für das Luftwaffenministerium; das Gebäude wurde 1929–1931 errichtet. Die Arbeiten wurden in zwei Jahren abgeschlossen und dieser Palast war der erste in Italien, der vollständig aus Stahlbeton gebaut wurde; er hat 40 Meter hohe, tragende Säulen und ist ein in acht Baukörper gegliederter Komplex mit Fundamenten in 21 Metern Tiefe, einer 1,5 Meter dicken Betonplatte und 10.500 m² Fläche. Das Gebäude wurde am 28. Oktober 1931 offiziell als Sitz der Regia Aeronautica eingeweiht, womit man diese Zeremonie mit dem neunten Jahrestag des Marsches auf Rom und damit mit dem Beginn der faschistischen Ära verband. Die Organisation der Innenräume als „kontinuierliche Räume“, die verwendeten technologischen Lösungen und Systeme waren für die damalige Zeit oft futuristisch, Batterien von Paternosteraufzügen, die pneumatisch bewegt wurden, entsprachen modernsten Kriterien der Modernität und Funktionalität. Der Palast ist Sitz des Generalstabs der Aeronautica Militare.
Beschreibung miniatur|links|Italo Balbo Marschall Balbo, der beim zweiten Atlantikflug in New York und Chicago gelandet war, war begeistert vom US-amerikanischen Modell der „Open Space“-Büros und wollte, dass diese auch in dem neuen Ministerium so geschaffen würden. Es sollte der Mythos der Effizienz, der Modernität, der Geschwindigkeit gefeiert werden, der gut zu der jungen Teilstreitkraft passte. Dies führte zu einer Änderung des Gebäudes im Laufe des Baus; von dem anfänglich vom Projekt vorgesehenen Bauwerk musste man sich zu einem Bauwerk aus Stahlbeton hin entwickeln, das weitläufige Arbeitsbereiche ohne Trennwände erlaubte. Der Architekt Roberto Marino musste fast Tag für Tag seine Arbeit umplanen, um den Ansprüchen Balbos zu entsprechen. Das Resultat war ein Gebäude von klarer, schlichter und eleganter Formensprache und musste daher „eine Maschine zum Arbeiten“ sein. Balbo schrieb durchgehende Arbeitszeiten vor (damals eine absolute Neuerung) und zu diesem Zweck wurde die Aeromensa geschaffen, die bis zu 1500 Personen aufnehmen konnte; sie war mit Theken ausgestattet, an denen man dank einiger Warmhaltebehälter für die Speisen, die man im Voraus bestellen konnte, im Stehen essen konnte. Bevor man zur Arbeit zurückkehrte, nachdem man einen Kaffee an der Aerobar genossen hatte, musste man sich die Hände waschen und die Zähne putzen. Die Wände der Mensa waren mit Malereien von Marcello Dudovich verziert, die fast vollständig verloren gegangen sind (Dudovich war ein großartiger Werbegrafiker, der Werke für La Rinascente, Fiat und Campari schuf). Als sehr modern für ihre Zeit wurden die vier Paternosteraufzüge mit offenen Kabinen angesehen, die heute noch funktionieren, aber aus Sicherheitsgründen nicht mehr benutzt werden, und das Rohrpostsystem, dessen Verbindungen ein Netz von 34 km Länge bildeten.
miniatur|Eine Savoia-Marchetti S.55 im Flug Für die Repräsentationsräume wurden dekorative Lösungen gesucht, die diskret, aber gleichzeitig elegant und bezeichnend waren, wie die Griffe, die an ein stilisiertes Flügelprofil erinnerten, die Form des Offiziersbefehlsstabes, der sich am Geländer der Ehrentreppe fand, und die Lampen, die dem Sternmotor der Savoia-Marchetti S.55 glichen, aufgehängt an Ketten gleich den Ankerketten der Wasserflugzeuge. Über die Eingangsstufen und durch die Monumentalarkaden der Fassade gelangt man in das Lapidario dei Tre Archi (dt.: Lapidarium der drei Bögen), in dem an die etwa 8200 Gefallenen Luftwaffenangehörigen erinnert wird; ihre Namen wurden in die Travertintafeln graviert, die die Wände des Innenhofes bedecken. Darunter befinden sich auch die Namen zweier Frauen und von Bruno Mussolini. Das Lapidario dei Tre Archi gilt als Denkmal der Gefallenen der Aeronautica Militare, das in diesem Kontext das Andenken anlässlich der wichtigsten Jahrestage der Streitkräfte ehrt. Am 28. März 2003 wurde zur Erinnerung an den 80. Jahrestag der Gründung der Aeronautica Militare symbolisch eine Votivlampe im Zentrum der Kolonnade entzündet. Dann gelangt man zur Ehrentreppe, die mit wertvollen, italienischen Marmorplatten verkleidet ist, wo man auf dem ersten Absatz das Gemälde Celeste metallico aeroplano (dt.: metallisch-blaues Flugzeug) von Giacomo Balla bewundern kann, ein Geschenk der Familie des Künstlers. Im zweiten Stockwerk ist der Eingang zur Sala dei Eroi (dt.: Heldensaal) von den Büsten von Francesco Baracca und Alessandro Guidoni flankiert. Dort wurden die Porträts aufbewahrt, die den großen Namen der italienischen Fliegerei gewidmet sind. Entlang der Ehrengalerie befinden sich verschiedene Repräsentationsräume des Palastes und nur in diesen Räumen findet man Fenster, die mit raffinierten Farbglasscheiben im Art-Déco-Stil als Schutz vor dem Sonnenlicht bestückt sind, da die Verwendung von Fensterläden oder Vorhängen im Rest des Gebäudes verboten war. Im Saal der Madonna von Loreto, der Schutzheiligen der Flieger, gibt es ein Bild der Heiligen, geschaffen von Carlo Maratta: Das Gemälde hat die Besonderheit, dass es an einer der Längsseiten mit Scharnieren an der Wand befestigt ist, sodass es zur Wand gedreht werden kann und die Jungfrau nicht die Diskussionen über kriegerische Operationen sehen muss. Unter den interessanteren Räumen sticht das Büros des Untersekretärs hervor, in dem Balbo arbeitete. Seine Dekoration ist dem ersten Formations-Langstreckenflug nach Brasilien gewidmet.
miniatur|Wappen der Regia Aeronautica miniatur|Palazzo dell’Aeronautica, Sitz des Stato maggiore dell’Aeronautica Militare Wenige Schritte vom Palazzo dell’Aeronautica entfernt steht ein Gebäude, in dem heute die Zentralbibliothek der Aeronautica Militare untergebracht ist; es wurde 1934 zur Ausbildung der Generalstabsoffiziere der Regia Aeronautica als Scuola di Guerra Aerea (dt.: Luftkriegsschule) errichtet, die später, noch vor dem Zweiten Weltkrieg nach Florenz in das heutige Istituto di Scienze Militari Aeronautiche verlegt wurde. Die Zentralbibliothek mit dem historischen Archiv der Aeronautica Militare besteht aus der ersten Abteilung des historischen Büros der Aeronautica Militare, das seinerseits in das Generalbüro für die Kommunikation der Aeronautica Militare integriert ist, das dem Personalleiter der Aeronautica Militare unterstellt ist. Die Bibliothek hat etwa 40.000 Bände. Der zentrale Kern des heutigen Bibliotheksbestandes stammt von der Gründung des militärhistorischen Büros im Jahre 1926, drei Jahre nach der Gründung der Regia Aeronautica am 28. März 1923. Die Bibliothek ist auf historisch-fliegerische und technisch-militärische Veröffentlichungen spezialisiert; sie hat über 20.000 fremdsprachige Bände, aber auch Bücher allgemeiner, historischer und künstlerischer Literatur, sowie eine bedeutende enzyklopädische Sammlung. Die Sammlungen wurden durch bedeutende, private Stiftungen bereichert, darunter die des Generals Mario Ajmone Cat, sowie durch Schenkungen sehr vieler Autoren von Büchern, die nach dem Studium im Lesesaal der Bibliothek oder durch Korrespondenz von Quellen des historischen Archivs der Aeronautica Militare entstanden sind. Zu den Zielsetzungen der Bibliothek gehören die Förderung und Wertschätzung der Luftfahrtkultur, der Geschichte der Luftfahrt und der italienischen Fliegerei durch Ankauf, Erhalt, Restaurierung und Verbreitung des eigenen Buchgutes, durch kulturelle und historisch-aeronautische Fortbildung der Angehörigen der Streitkräfte und die Ausrichtung und Koordination der Militärbibliotheken der Verbände der italienischen Luftwaffe. Die Bibliothek bietet kostenlose Beratung an, die der Öffentlichkeit zugänglich ist, die Ausleihe von Büchern ausschließlich an Angehörige der Luftwaffe und gehört zum Servizio Bibliotecario Nazionale, nimmt aber nicht am Fernleihverkehr teil. An die Bibliothek angeschlossen ist auch die örtliche Zeitungs- und Zeitschriftenbibliothek mit bedeutenden historisch-militärischen Sammlungen, die auch die Sammlungen von Bulletins und Amtsblättern enthalten.
Einzelnachweise
Quellen Gabriele Allegra, Emilia Orlando: Architettura Razionalista Militare. Lo studio delle opere romane. Stato Maggiore dell’Esercito, Rom 2022.
Weblinks
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