Der Löwe und der Hase ist ein Märchen der Matumbi aus Südtansania.Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 54–57, 348.

Handlung Ein Löwe und ein Hase begeben sich auf den Weg zu den Schwiegereltern des Löwen, wofür der Hase sieben Brote als Proviant bäckt. An einem Fluss angekommen meint der Löwe, dass darin ein böser Geist wohne, dem der Hase, wenn er ihn rufen höre, die sieben Brote zuwerfen solle. Später schleicht er sich heimlich ins Wasser und ruft, um die Brote für sich allein zu bekommen. Der Hase hat das Spiel des Löwen jedoch durchschaut und wirft stattdessen Steine ins Wasser, sodass der getroffene Löwe weinen muss. Nachdem sie ihre Reise fortgesetzt hatten, finden sie Beeren, woraufhin der Löwe dem Hasen rät nur die weißen zu pflücken. Er selbst pflückt für sich die reifen schwarzen, doch als er später sieht, dass auch der Hase die schwarzen Früchte gepflückt hatte, vergeht ihm aus Ärger der Appetit und so isst der Hase alles alleine auf.

Sie gehen weiter und entdecken eine an jenem Ort wachsende Arznei, worüber der Löwe meint, dass wenn ihm später der Leib schmerzen sollte, der Hase ihm diese bringen solle. Dieser merkt, dass der Löwe eine Absicht hegt, gräbt heimlich einige Wurzelknollen des Gewächses aus und versteckt sie unter seinem Gewand. Bei den Schwiegereltern angelangt werden sie zum Essen gebeten, das der Löwe jedoch alleine verspeisen will. Also gibt er vor Leibschmerzen zu haben und will den Hasen wegschicken. Der jedoch hat die Arznei schon parat, sodass dem Löwen abermals der Appetit vergeht. In der Nacht, schleicht sich der Löwe aus Hunger in den Ziegenstall und frisst eine Ziege und um den Verdacht auf den Hasen zu lenken, bindet er diesem ein Stück Fleisch an die Hüfte. Der Hase, der bekanntlich mit offenen Augen schläft, merkt dies jedoch, wartet, bis der Löwe eingeschlafen ist und bindet ihm dann das Stück Fleisch unter die Kleider.

Als der Besitzer der Ziege ihren Tod feststellen muss, wirft er seinen Gästen vor, sie gegessen zu haben. Der Hase meint daraufhin, dass er und der Löwe über einen Fluss springen wollen, wobei sie ihre Kleider aufnehmen müssen und der Ziegenbesitzer so sehen könne, wer etwas vom Ziegenfleisch besitze. Als der Löwe dann springt, wird bei ihm das Stück Fleisch entdeckt, woraufhin ihn die Leute ergreifen und töten.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Bernhard Krumms Grundriß einer Grammatik des Kimatumbi (MSOS XV, 3, Berlin 1912, 3 f.) und trägt in Carl Meinhofs Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen (München 1991) den Titel Der Löwe und der Hase. Für den Hasen als kluges Tier vergleicht Herrmann Jungraithmayr auch Edward Steeres Swahili tales, as told by natives of Zanzibar (London 1870, 7 f., 367 ff.) und die Märchen Der Hase und der Mensch, Der böse Hase, Die Hyäne und der Schakal sowie Der Hase aus Meinhofs Sammlung. Nach Stith Thompsons Motif-Index of Folk Literature (6 Bände, Kopenhagen 1955–1958) bekam das Märchen das Motiv K. 171: Betrügerische Beurteilung zugeordnet. Zusätzlich ist AaTh 15: Gevatter stehen vorhanden.

Literatur Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 54–57, 348.

Einzelnachweise

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