Märchen von Chuveane ist ein Märchen der Sotho aus Lesotho und Südafrika.Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 86–93, 349.

Handlung Der junge Chuveane hütet die Schafe und Ziegen seines Vaters, doch seinen Eltern fällt auf, dass er nur noch Halb so viel Milch nach Hause bringt, wie zuvor. Also schleicht der Vater seinem Sohn hinterher und sieht, dass er sich um ein Kind kümmert, für das er die Milch gebraucht hatte. Da Chuveane keine Frau hat, weiß der Vater nicht, wie sein Sohn zu dem Kind gekommen ist. Chuveane aber hatte es sich aus Lehm geformt und ihm Odem eingeblasen. Die Kunde von dem Wunderkind kommt bald unter die Leute. Chuveane aber hütet weiter die Herde, doch dem Vater fällt abermals auf, dass die Tiere ihm nur ein Junges mit nach Hause bringen. Wieder schleicht er seinem Sohn nach und entdeckt, dass er die fehlenden Lämmchen in einem hohlen Termitenhügel eingesperrt hat. Er befreit die Tiere und bringt sie ins Dorf, wo die Leute, ob des merkwürdigen Verhaltens Chuveanes Zauberei vermuten und beschließen ihn umzubringen.

Sie versuchen erst mit Gift, dann zweimal mit einer tiefen Grube und schließlich auch mit einem bewaffneten Mann Chuveane zu töten, doch stets merkt er die Gefahr und da beginnen die Leute ihr Sinnen aufzugeben. Nun ist er es, der die Oberhand gewinnt und er beginnt die Leute zu narren. Als er ein totes Zebra findet, setzt er sich darauf, um seine Herde zu hüten, wobei er den Leuten später erzählt, dass er am Streifchen-Hügelein gehütet hätte. Später zerplatzt der aufgedunsene Zebra-Kadaver unter seinem Gewicht und er erzählt, dass er am Bruchhüglein gehütet hätte. Die Leute wollen seine merkwürdigen Hüteorte sehen, also zeigt er ihnen das tote Zebra. Sie schelten ihn daraufhin, ist es doch ein Stück Wild und meinen, dass er es mit Ästen gegen die Raubtiere hätte zudecken sollen, um sie anschließend zu holen.

Nachdem Chuveane Besserung gelobt hat, findet er eines Tages einen kleinen Kolibri in der Größe eines Fingerglieds. Er bedeckt diesen mit Unmengen von Ästen und gibt den Leuten über das gefundene Wild Bescheid, woraufhin sie sich mächtige Körbe nehmen und zum Fundort eilen. Als sie das Geäst entfernt haben, ist ihre Enttäuschung groß und sie bringen Chuveane bei, dass man sich einen solchen Fund um den Hals hänge und so kommt es dann auch, dass er kurze Zeit darauf mit einem Rehböcklein am Hals hängend nach Hause kommt. Sie schelten ihn daraufhin erneut und lassen sich noch so manches Mal von ihm narren, bis sie es aufgeben ihm das Leben beizubringen. Chuveane aber erlangt Berühmtheit und man streitet sich, ob er ein Gott ist oder nicht. Auch wird behauptet, dass diese Taten dem Sohn des Chuveane, Chutswane, zuzuschreiben seien und dieser einmal wiederkehren werde, um den Menschen Glück zu bringen.

Hintergrund Das Märchen stammt aus Carl Hoffmanns Was der afrikanische Großvater seinen Enkeln erzählt (Berlin 1906, 15 ff.) und trägt in Carl Meinhofs Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen (München 1991) den Titel Märchen von Chuveane. Das Sothooriginal findet sich in Hoffmanns Märchen und Erzählungen der Eingeborenen in Nord-Transvaal (ZK VI, Berlin 1915/1916, 238–286). Nach Herrmann Jungraithmayr hat die Gestalt des Helden Züge von Prometheus und Till Eulenspiegel.

Literatur Carl Meinhof (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Afrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 86–93, 349.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Afrikanische Literatur Kategorie:Literatur (Südafrika) Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen