Johanna Maxl (geboren 1987 in Dachau) ist eine deutsche Schriftstellerin.
Leben Sie studierte ab 2012 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, wo sie mit einem Master abschloss, und war Meisterschülerin von Alba D’Urbano in der Fachklasse für Intermedia an der Hochschule für Grafik und Buchkunst ebenda. Sie präsentiert ihre Texte vor allem intermedial in Gestalt von Performances oder Installationen. Zusammen mit dem Künstler Jakub Šimčik leitet sie die interdisziplinäre Plattform Initiative Wort & Bild. Maxl veröffentlichte Texte in den Zeitschriften Exot, Edit, der schwedischen Literaturzeitschrift Ord&BildOrd&Bild 2010, Nr. 4. und war 2009 Mitherausgeberin von Tippgemeinschaft, der Jahresanthologie der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts.
Unser großes Album elektrischer Tage 2018 erschien ihr Debütroman Unser großes Album elektrischer Tage bei Matthes & Seitz. Maxl nahm ein besonderes Interesse an der Buchgestaltung und wünschte sich, das Buch möge „wie ein Fashion-Accessoire, wie eine glitzerend-plüschige Clutch“ erscheinen, ein Wunsch, dem die beauftragte Designfirma gerne nachkam. Am 8. März 2018 hatte eine Adaption des Romans – noch vor dessen Erscheinen am 31. August – durch die Gruppe James & Priscilla Premiere im freien Thater Cammerspiele Leipzig. 2019 erhielt Maxl für Unser großes Album elektrischer Tage den damals erstmals verliehenen, mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis der Stadt Fulda. 2020 erschien eine serbische Übersetzung.
Oberflächlich geht es in dem Roman um die durchgängig abwesende Protagonistin Johanna beziehungsweise um die Suche nach ihr beziehungsweise die Gründe für Johannas Verschwinden. Betrieben wird die Suche von einer nicht näher bestimmten Gruppe verlassener Kinder Johannas, aus deren Wir-Perspektive die Texte formuliert sind.
Die Reaktion der Kritik auf den Roman war gemischt von verhalten zustimmend, eher ratlos bis entschieden ablehnend. So schreibt Juli Katz in Die Zeit:
Juliane Liebert vergleicht in der Süddeutschen Zeitung die Protagonistin Johanna mit der Amélie aus Jean-Pierre Jeunets Film von 2001, begleitet von einem Chor von Wir-Zwergen („eine Schar LSD-verstrahlter Kinder aus dem Märchenwald“). Liebert gesteht Maxls Sprache zu, dass sie „durchaus Rhythmus, Bildkraft und Witz hat.“ Aber:
Hannah Lühmann zeigt sich in Die Welt dagegen angetan:
Die Autorenseite von Matthes & Seitz sagt, Unser großes Album elektrischer Tage sei ein Romane über „fluide Identitäten im 21. Jahrhundert“. Diesen Aspekt hebt auch Raphael Smarzoch in seinem Beitrag im Deutschlandfunk hervor: „Das Spiel mit Geschlechtern, mit fluiden Identitäten, wird immer wieder in Johanna Maxls Bewusstseinsstrom thematisiert. Nicht nur im erzählenden Wir, das stets geschlechtsneutral in Erscheinung tritt, sondern beispielsweise auch durch die queere Punk-Band Bikini Kill, die Johanna gerne hört oder in der Begegnung der suchenden Kinder mit Orlando“, worin er einen Bezug zu der männlich-weiblichen Hauptfigur von Virginia Woolfs Orlando annimmt. Allerdings: „Welche Funktion diese Verweise haben und wie sie mit der Geschichte in Verbindung treten, erschließt sich allerdings nicht. Sie sind einfach da. Es wirkt, als lese man eine Privatmythologie, in der Fiktives und Biographisches miteinander verschmelzen.“ Abschließend urteilt er:
Auszeichnungen 2019 Literaturpreis der Stadt Fulda für Unser großes Album elektrischer Tage
Bibliografie als Herausgeberin mit Anke Bastrop und Wolfgang Lotz: Tippgemeinschaft 2009. Jahresanthologie der Studierenden des Deutschen Literaturinstituts Leipzig. Connewitzer Verlagsbuchhandlung, 2009, ISBN 978-3-937799-39-1. Unser großes Album elektrischer Tage. Matthes & Seitz, Berlin 2018, ISBN 978-3-95757-625-5 (E-Book: ISBN 978-3-95757-668-2). Serbische Übersetzung: Johana Maksl: Naš veliki album električnih dana. Übersetzt von Tijana Tropin. Geopoetika izdavaštvo, Belgrad 2020, ISBN 978-86-6145-340-3.
Weblinks
Johanna Maxl, Autorenseite des Verlags Matthes & Seitz.
Einzelnachweise Johanna Maxl erhält ersten Literaturpreis der Stadt Fulda, Beitrag auf Börsenblatt.net vom 25. Januar 2019, abgerufen am 4. Mai 2026. Juli Katz: Ein Wir sucht sie. Rezension von Unser großes Album elektrischer Tage in Die Zeit vom 3. Januar 2019, abgerufen am 4. Mai 2026. , abgerufen am 4. Mai 2026. Unser großes Album elektrischer Tage, Bühnenadaption von James & Priscilla, abgerufen am 4. Mai 2026. Johanna Maxl: Unser großes Album elektrischer Tage, Projektseite von Studio Pandan, abgerufen am 4. Mai 2026. Initiative Wort & Bild, abgerufen am 4. Mai 2026. Johanna Maxl, Hausdurchsuchung Leipzig, abgerufen am 4. Mai 2026. Juliane Liebert: Die Améliehaftigkeit der Sprache. Artikel in Süddeutsche Zeitung, 16. November 2018, S. 12. Ein mysteriöses Verschwinden, Beitrag von Raphael Smarzoch im Deutschlandfunk vom 28. Februar 2019, abgerufen am 4. Mai 2026. In den Slums des 21. Jahrhunderts, Artikel von Hannah Lühmann in Die Welt online vom 7. November 2018, abgerufen am 4. Mai 2026. Johanna Maxl, Autorenseite des Verlags Matthes & Seitz, abgerufen am 4. Mai 2026.
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