mini|200px|Kazimierz Olszewski (rechts) im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten der Niederlande Joop den Uyl (1. Juli 1974). Kazimierz Olszewski (* 9. August 1917 in Trzesniów, Österreich, heute: Polen; † 29. August 2014 in Warschau) war ein Diplomat und Politiker der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR), der unter anderem von 1959 bis 1962 erstmals Ständiger Vertreter der Volksrepublik Polen beim Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) in Moskau, zwischen 1971 und 1972 Außenhandelsminister sowie von 1972 bis 1977 Stellvertretender Ministerpräsident der Volksrepublik Polen war. Er fungierte des Weiteren zwischen 1973 und 1974 als Schifffahrtsminister, 1974 als Minister für Außenhandel und Seewirtschaft sowie zwischen 1975 und 1977 abermals von 1977 bis 1982 als Ständiger Vertreter der Volksrepublik Polen beim. Im Anschluss war er zwischen 1978 und 1982 noch Botschafter in der Sowjetunion.
Leben mini|200px|Grabstätte von Kazimierz Olszewski auf dem Powązki-Militärfriedhof in Warschau. Kazimierz Olszewski, Sohn von Stanisław Olszewski und dessen Ehefrau Aniela, absolvierte ein Maschinenbaustudium an der Technischen Universität Lemberg und leistete während des Zweiten Weltkriegs von 1941 bis 1943 Wehrdienst in der Roten Armee sowie zwischen 1943 und 1947 in der Polnischen Volksarmee (Ludowe Wojsko Polskie). 1945 trat er der Polnischen Arbeiterpartei PPR (Polska Partia Robotnicza) als Mitglied bei und arbeitete von 1947 bis 1952 in der Kunstfaserindustrie, wobei er am 15. Dezember 1948 Mitglied der neu gegründeten Mitglied der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei PZPR (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza) wurde. 1952 wurde er Leiter der Militärischen Abteilung im Ministerium für Chemische Industrie (Ministerstwo Przemysłu Chemicznego), ehe er zwischen Januar 1953 und Januar 1959 Staatssekretär (Podsekretarz Stanu) in diesem Ministerium und damit Vertreter der damaligen Minister Bolesław Rumiński beziehungsweise ab dem 27. Februar 1957 Antoni Radliński war.
Olszewski war zwischen 1959 und 1970 Erster Stellvertretender Vorsitzender des Komitees für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit dem Ausland und in dieser Position von 1959 bis 1962 erstmals Ständiger Vertreter der Regierung der Polnischen Volksrepublik beim Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) in Moskau sowie zwischen 1962 und 1970 Erster Stellvertretender Vorsitzender des Exekutivausschusses des RGW. Als Nachfolger von Janusz Burakiewicz übernahm er am 13. Februar 1971 in der ersten Regierung von Ministerpräsident Piotr Jaroszewicz (1954 bis 1956) und den Posten als Außenhandelsminister (Minister handlu zagranicznego) und bekleidete diesen bis zum 29. März 1972.„Begegnungen auf der Frühjahrsmesse Gespräch mit Minister Olszewski“, in: Neues Deutaschland vom 13. März 1972 In Personalunion war er von 1971 bis 1972 auch noch stellvertretender Ständiger Vertreter beim RGW. Auf dem VI. Parteitag (6. –11. Dezember 1971) wurde er des Weiteren Mitglied des Zentralkomitees (ZK) der PZPR und gehörte diesem Parteigremium fast zehn Jahre lang bis zum IX. (außerordentlichen) Parteitag (14. –20. Juli 1981) an. In der zweiten und zu Beginn der dritten Regierung Jaroszewicz bekleidete er zwischen dem 29. März 1972 und dem 17. Dezember 1977 das Amt eines stellvertretenden Ministerpräsidenten der Volksrepublik Polen (Wiceprezes Rady Ministrów). In dieser Funktion führte er zahlreiche Gespräche mit Vertretern der Deutschen Demokratischen Republik, aber auch der Bundesrepublik Deutschland.„Der neue Ministerrat“, in: Neues Deutschland vom 30. März 1972„Ausstellung Volkspolens zum 30. Jahrestag in Berlin. Hermann Axen und Werner Jarowinsky herzlich begrüßte Gäste. Kazimierz Olszewski würdigt gute Beziehungen zur DDR“, in: Neues Deutschland vom 17. Mai 1974„Weitere Intensivierung der Kooperation mit VR Polen. Treffen Horst Sindermanns mit Kazimierz Olszewski im Ministerrat“, in: Neues Deutschland vom 17. April 1975„KOMMUNIQUE über die XIV. Tagung des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses DDR/VRP“, in: Neues Deutschland vom 18. April 1975„Stabile Grundlage für eine noch engere Zusammenarbeit. Horst Sindermann empfing Kazimierz Olszewski zu Gespräch“, in: Neues Deutschland vom 19. Februar 1976„Wirtschaftsausschuß DDR-VR Polen beriet. Kommunique der XV. Tagung / Weitere Abkommen unterzeichnet“, in: Neues Deutschland vom 10. April 1976„Impulse für engere Zusammenarbeit. Tage der Wirtschaft und Technik der Volksrepublik Polen in der DDR feierlich eröffnet“, in: Neues Deutschland vom 17. April 1976„Gespräch des BRD-Kanzlers mit Kazimierz Olszewski“, in: Neues Deutschland vom 4. Juni 1976„Dynamische Entwicklung der Zusammenarbeit DDR—Polen. Gemeinsamer Wirtschaftsausschuß beendete seine XVI. Tagung“, in: Neues Deutschland vom 15. Dezember 1976„Bruderländer vertiefen ihre allseitige Zusammenarbeit. Herzliche Begegnung Wilii Stophs mit Kazimierz Olszewski“, in: Neues Deutschland vom 17. Dezember 1976„Wirtschaftsausschuß der DDR und Polens tagt in Berlin“, in: Neues Deutschland vom 13. Dezember 1977„Wirtschaftsbeziehungen DDR—VR Polen beraten. Freundschaftliches Gespräch Willi Stophs mit Kazimierz Olszewski“, in: Neues Deutschland vom 15. Dezember 1977
Er war zuätzlich vom 22. November 1973 bis zum 10. April 1974 Schifffahrtsminister (Minister żeglugi) beziehungsweise zwischen dem 10. April und seiner Ablösung durch Jerzy Olszewski am 21. November 1974 Minister für Außenhandel und Seewirtschaft (Minister handlu zagranicznego i gospodarki morskiej),„Der Sejm in Polen tagte. Beratung über das Landwirtschaftsprogramm und andere Fragen“, in: Neues Deutschland vom 22. November 1974 ehe er von 1975 bis 1977 abermals als Ständiger Vertreter der Regierung der Polnischen Volksrepublik beim RGW fungierte und dabei an Sitzungen des RGW-Exekutivkomitees teilnahm.„XXX. Tagung des RGW beginnt heute in Berlin“, in: Neues Deutschland vom 7. Juli 1976„Tagung des Exekutivkomitees des RGW in Moskau eröffnet“, in: Neues Deutschland vom 13. Oktober 1976„Exekutivkomitee des RGW tagt in Kubas Hauptstadt. Fidel Castro sprach auf der Eröffnungssitzung zu den Delegationen“, in: Neues Deutschland vom 20. Januar 1977„Schreiben des RGW an den Ministerrat der EWG“, in: Neues Deutschland vom 9. Februar 1977„Bedeutsame Beratungen von Gremien des RGW in Moskau. Exekutivkomitee tagt / Planungskomitee schloß seine Arbeit ab“, in: Neues Deutschland vom 13. April 1977„RGW-Vorschläge zu Kontakten mit der EWG überreicht“, in: Neues Deutschland vom 19. April 1977
Zugleich wurde Kazimierz Olszewski, der sich auch als langjähriges Mitglied im Obersten Rat des Verbandes der Kämpfer für Freiheit und Demokratie ZBoWiD (Związek Bojowników o Wolność i Demokrację) engagierte, am 25. März 1976 für die PZPR Mitglied des Parlaments Sejm und gehörte diesem bis zum 18. Februar 1980 an, wobei er in dieser siebten Legislaturperiode den Wahlbezirk „Nr. 66 Wałbrzych“ vertrat. Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung wurde er als Nachfolger von Zenon Nowak schließlich am 22. Dezember 1977 außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Volksrepublik Polen in der Sowjetunion und verblieb auf diesem diplomatischen Spitzenposten in Moskau bis zum 12. Mai 1982, woraufhin Stanisław Kociołek ihn dort ablöste.
Für seine Verdienste in der Volksrepublik Polen wurde Olszewski mehrfach ausgezeichnet und erhielt unter anderem den Orden Erbauer Volkspolens (1974), den Orden des Banners der Arbeit Erster Klasse und das Tapferkeitskreuz. Nach seinem Tode wurde er auf dem Powązki-Militärfriedhof in Warschau beigesetzt.
Literatur T. Mołdawa: Ludzie władzy 1944–1991. Władze państwowe i polityczne Polski według stanu na dzień 28 II 1991 („Machthabende Personen 1944–1991. Staatliche und politische Autoritäten in Polen am 28. Februar 1991“), Warschau 1991
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