Das Wirtschaftsgebäude An der Dolzke 11a ist ein denkmalgeschützter Blockbohlenbau im Dorf Lehde (), einem Ortsteil der Stadt Lübbenau/Spreewald im Landkreis Oberspreewald-Lausitz in Brandenburg. Das Gebäude steht als Einzeldenkmal in der Denkmalliste des Landes Brandenburg und gehört zugleich zum Denkmalbereich des als Gesamtdenkmal geschützten Dorfes Lehde. Es wird heute unter dem Namen Scheune als Ferienhaus vermietet und ist Teil des Ensembles Ferien am Fließ.
Lage Das Grundstück An der Dolzke 11a befindet sich östlich des Siedlungskerns von Lehde, am östlichen Ufer des Lehder Grabens. Lehde ist durch einen Siedlungskern in Rundlingsform und strahlenförmig davon ausgehende Wasserläufe und Fließe gekennzeichnet. Als einziger Landweg führt die Dorfstraße in nordwestlicher Richtung nach Lübbenau.
Beschreibung mini|Die Scheune, Außenansicht nach der Sanierung 2012 Das Wirtschaftsgebäude ist ein langgestreckter, eingeschossiger Blockbohlenbau in annähernd nordsüdlicher Ausrichtung. An den Hausecken sind die sich kreuzenden, nach außen vorstoßenden Balken durch Verkämmungen verbunden. Die hofseitige Längsfront weist mehrere ein- bzw. zweiflügelige Holztüren auf, die in die einzelnen Innenräume führen. Weitere Öffnungen befinden sich an den Giebelseiten und der rückwärtigen Längsfront. Die Giebel sind verbrettert. Das Haus besitzt ein Satteldach; an der Hofseite hat sich eine Reetdeckung erhalten. Am nördlichen Giebel befinden sich gekreuzte Stirnbretter, sogenannte „gekreuzte Schlangenköpfe“.
Das Innere ist durch Holztrennwände in mehrere Abschnitte unterteilt, die mit den Außenwänden verkämmt sind. Die Räume dienten als Stall bzw. Scheune und weisen Ziegel- bzw. Holzbohlenböden auf. Das Dachwerk ist ein Sparrendach mit Mittelstützen und verblatteten Balken.
Der mittlere Hauptteil wurde im 18. Jahrhundert errichtet; bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte der Anbau des nördlichen Gebäudeteils. Ein dendrochronologisches Gutachten von Dr. B. Heußner (2013) datierte die Schwellenhölzer auf den Winter 1804/05 und die Deckenbalken aus Erle auf den Winter 1806/07.
Geschichte Der Ort Lehde wurde 1315 erstmals urkundlich genannt und gehörte zur Herrschaft Lübbenau. Das Grundstück An der Dolzke 11a ist laut der Denkmaldatenbank des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bebaut.
Das Wirtschaftsgebäude dokumentiert die Arbeits- und Lebensverhältnisse der Dorfbewohner, die bis ins 19. Jahrhundert vor allem als Gemüsebauern und Fischer ihren Lebensunterhalt verdienten. Es ist zugleich Zeugnis der Aufsiedelung des Spreewalds im 18. und 19. Jahrhundert, als in Lehde durch Kolonisten zusätzliche Flächen gewonnen wurden. Die Einwohnerzahl des Dorfes stieg von wenig mehr als einem Dutzend zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf rund 300 Bewohner am Beginn des 20. Jahrhunderts.
Sanierung mini|Die Scheune vor der Sanierung 2011 Ab 2011 wurden das Wirtschaftsgebäude und das zugehörige Wohnhaus umfassend saniert. Die Arbeiten erfolgten unter Begleitung der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Oberspreewald-Lausitz; geplant vom Planungsbüro Jochintke (Calau), ausgeführt von der Zimmerei Maschen (Ragow, Lübbenau). Die Gebäude wurden vollständig zurückgebaut und neu gegründet. Die Fertigstellung erfolgte 2012. 2014 folgte die Sanierung eines weiteren Gebäudes auf dem Grundstück, 2020 die Ergänzung durch ein Nebengebäude.
Das Wirtschaftsgebäude wird heute unter dem Namen Scheune als Ferienhaus vermietet und ist Teil des Gebäudeensembles Ferien am Fließ auf dem Grundstück An der Dolzke 11a.
Denkmalschutz Das Wirtschaftsgebäude wurde am 13. September 2011 durch den Landkreis Oberspreewald-Lausitz als Einzeldenkmal in die Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragen (Aktenzeichen 40.8.1.). Die denkmalfachliche Beurteilung erstellte Dr. Matthias Metzler, Dezernat Inventarisation des BLDAM, am 12. September 2011.
Das BLDAM begründet die Eintragung mit geschichtlicher und volkskundlicher Bedeutung als typisches Beispiel eines in traditioneller Holzbauweise errichteten Stall- und Scheunengebäudes, „von dem in dieser Größe und Ursprünglichkeit in Lehde nur noch wenige vergleichbare Bauten erhalten sind“, sowie mit städtebaulicher Bedeutung als markanter Blickpunkt am östlichen Rand des Lehder Siedlungskerns.
Die gesamte Bebauung des Grundstücks ist zudem Teil des als Denkmal mit Gebietscharakter geschützten Dorfes Lehde.
Rezeption Das Gebäudeensemble gehört seit dem frühen 20. Jahrhundert zu den meistdargestellten Motiven in Lehde.
Bildende Kunst mini|links|Peder Mørk Mønsted: Going to Market, 1911 mini|Bruno Moras: Blick in den Spreewald Der dänische Landschaftsmaler Peder Mørk Mønsted (1859–1941), der zwischen 1909 und 1921 mehrfach im Spreewald malte und nachweislich in Lehde arbeitete – signierte Werke tragen den Zusatz „Lehde 1913“ –, stellte das Anwesen auf dem Gemälde Going to Market (1911) dar, vermutlich vom sogenannten Malerblick in Lehde aus.
Auch der Berliner Maler Bruno Moras (1883–1939), Sohn des Spreewaldmalers Walter Moras, hielt das Grundstück in seinem Werk Blick in den Spreewald fest.Wikimedia Commons: Bruno Moras – Blick in den Spreewald
Ein weiteres, undatiertes Gemälde eines unbekannten Malers zeigt das Ensemble aus einer abweichenden Perspektive.
Postkarten miniatur|Postkarte von Hermann Striemann, Cottbus, gelaufen 1934 Ab spätestens den 1930er Jahren erschien das Ensemble auf Postkarten zahlreicher Verlage. Die ältesten belegten Exemplare stammen von Hermann Striemann (Kunstverlagsanstalt Cottbus, Nr. 321, gelaufen 1934, Bildunterschrift: Spreewaldbilder – Alte Gehöfte in Lehde) und dem Spreewald-Kunstverlag Otto Schökel (Cottbus, Nr. 12, gelaufen 1934). Weitere Verlage waren Arthur Redecker (Berlin-Tempelhof), Verlag Jank (Burg/Spreewald), Willy Klautzsch (Magdeburg), Bild und Heimat Reichenbach i. V. (u. a. 1957, 1959, 1968, 1977, 1983), Planet Verlag (Berlin, 1978), Graphokopie H. Sander KG (West-Berlin) sowie De Beeke (Schwanewede). Insgesamt sind 13 Postkarten von mindestens 10 verschiedenen Verlagen belegt – von der Weimarer Republik bis in die 1980er Jahre, von DDR-Staatsverlagen und westdeutschen Verlagen gleichermaßen.
Puzzle miniatur|Ravensburger-Puzzle Im Spreewald, Art.-Nr. 6255680, erschienen 1982 Das Motiv erschien 1982 als Ravensburger-Puzzle unter dem Titel Im Spreewald (Art.-Nr. 6255680).Ravensburger Verlag GmbH: Auskunft des Unternehmensarchivs zu Art.-Nr. 6255680, E-Mail vom 28. April 2026.
Einzelnachweise
Quellen Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM), Abt. Denkmalpflege, Dezernat Inventarisation: Beurteilung des Denkmals – Wirtschaftsgebäude An der Dolzke 11, Lehde. Bearbeiter: Dr. Matthias Metzler. Wünsdorf, 12. September 2011. Landkreis Oberspreewald-Lausitz, Untere Denkmalschutzbehörde: Mitteilung über die Eintragung eines Denkmals in die Denkmalliste des Landes Brandenburg, Az. 40.8.1. Senftenberg, 13. September 2011. Dr. B. Heußner: Dendrochronologisches Gutachten – BV Schöbel, 03222 Lübbenau OT Lehde. Petershagen, 30. März 2013.
Weblinks
Ferien am Fließ – Geschichte des Grundstücks (aktuelle Nutzung und historische Dokumentation)
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