Die Geschichte von Takkāriya ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (481: Takkāriya-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 419–430, 531–532. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.
Handlung Als einst König Brahmadatta in Benares regierte, diente ihm ein blasshäutiger Hauspriester, dessen Gattin es mit einem anderen blasshäutigen Brahmanen trieb. Um diesen loszuwerden, erzählte der Hauspriester dem König, dass das Südtor seiner Stadt erneuert werden müsse, wofür es des Opfers eines blasshäutigen Brahmanen bedürfe, woraufhin der König ihm die Erlaubnis gab einen geeigneten Brahmanen zu töten. Seiner Frau gegenüber, die er strafen wollte, konnte er jedoch nicht die Zunge zügeln. Also warnte sie ihren Liebhaber, den sie losschickte, um auch alle anderen blasshäutigen Brahmanen zu warnen und mit ihnen die Stadt zu verlassen. So war es der Hauspriester selbst, der geopfert werden sollte.
Der Bodhisattva war damals der Schüler jenes Hauspriesters und hörte auf den Namen Takkāriya. Er erzählte seinem betrübten Lehrer von einem Zechbruder namens Tundila, der einmal seine gesamte Habe und sogar die Kleidung beim Spielen verloren hatte. Dieser suchte daraufhin seine Schwester Kāli auf, die eine Hetäre war, doch die hatte genug von ihrem Bruder und ließ ihn kurzerhand hinauswerfen. Ein Sohn eines Großkaufmanns, ein Besucher der Kāli, befragte Tundila über seinen Zustand, hatte Mitleid mit ihm und gab ihm seine Kleidung, wusste er doch, dass in dem Hurenhaus Besucherkleidung zur Verfügung gestellt wurde. Kāli aber nahm ihrem Kunden nach dem Besuch jene Kleidung wieder ab, sodass er nackt nach Hause gehen musste.
Um seinem Lehrer ein zweites Beispiel für die Wahrheit zu zeigen, erzählte Takkāriya von einem Sperling, der zwei kämpfende Ziegenböcke von ihrem Tun abzubringen versuchte. Der Sperling redete und flehte dabei. Als dies aber nichts nutzte, flog er zwischen die Böcke und meinte, dass sie ihn halt töten sollen, wenn sie denn müssen. Die Böcke aber kümmerten sich nicht um ihn und so geschah, was geschehen musste.
Als drittes Beispiel nannte er einen Rinderhirten, der auf eine Fächerpalme geklettert war, um Nüsse herabzuwerfen. Es begab sich dann, dass eine schwarze Schlange den Stamm erklomm und vier Freunde des Nüssewerfers ein Tuch entfalteten, damit er dort hinein springen konnte. Sein Aufprall aber war so heftig, dass die vier Männer mit ihren Oberkörpern in die Mitte des Tuches gezerrt wurden, wo sie dermaßen heftig mit den Köpfen zusammenstießen, dass sie starben.
Die vierte Geschichte handelte von Dieben, die eine Ziege gestohlen und diese im Wald versteckt hatten. Sie wollten das Tier verzehren, jedoch hatten sie ein Messer vergessen, sodass sie es nicht schlachten konnten und so ließen sie es frei. Die Ziege spielte daraufhin voller Lebensmut im Bambuslaub umher und geriet mit ihren Füßen an die Schneide des Messers eines Bambusarbeiters, der es dort für spätere Arbeiten versteckt hatte. Durch den hellen Klang darauf aufmerksam gemacht, fanden die Diebe das Messer und brachten die Ziege doch noch um.
Als letztes erzählte Takkāriya dem Hauspriester von einem gefangenen Feenpaar, das vor dem König nicht singen wollte. Zu knappe Worte hätten den Sinn des Gesanges eventuell nicht richtig zum Ausdruck gebracht. Zu viele Worte aber hätten die Unwahrheit gebracht, also schwiegen sie lieber, woraufhin der über diese Weisheit entzückte König sie wieder freiließ. Der Bodhisattva meinte daraufhin zum Hauspriester, dass die Feen zu rechten Zeit recht gesprochen hätten, er sich aber durch seine unrechten Worte selbst in großes Unglück gestürzt hätte. Dieser sah dies ein und so opferte der Bodhisattva heimlich einen toten Widder und schickte den Hauspriester davon.
Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 481 (Takkāriya-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte von Takkāriya. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Der Hauspriester, der zur Unzeit redete.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 95–104.
Eine Variante der ersten Geschichte mit dem Großkaufmannssohn findet sich im Panchatantra (I, 18. Erzählung: Der Affe und das Sperlingsweibchen). In dieser sitzt ein Affe, der vor Nässe und Kälte zittert, am Fuß eines Baums und ein Sperlingsweibchen ruft ihm etwas nettes zu, woraufhin der Affe ihr Nest zerstört. Im Vers 438 des Panchatantra heißt es dazu, dass ein Verständiger demjenigen Rede steht, der ihn voll Vertrauen fragt. Derjenige, der aber ungefragt redet, im wilden Wald heult. Die zweite Geschichte ist eine Variante des Jātakas 324: Die Geschichte von dem Mann mit dem Fellgewand. Eine Variante der Geschichte mit den Dieben findet sich bei dem Paroemiographen Zenobios (Paroemiographi graeci in Corpus paroemiographorum graecorum, T. I, ed. E. L. Leutsch und F. G. Schneidewin).
Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 419–430, 531–532. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 95–104.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka