alt=Das Gebäude der Casa Baldi von außen im Frühling|mini|Die Casa Baldi (Mai 2026)

Die Casa Baldi ist eine Künstlerresidenz in Olevano Romano, die seit 1960 der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo angehört und aus dem Kulturetat des Staatsministers für Kultur und Medien finanziert wird. Das Gebäude entstand im 17. Jahrhundert als Jagdkasino des Kardinals Scipione Borghese. Nachdem es im 19. Jahrhundert in den Besitz der Familie Baldi übergegangen war, wurde es zu einem zentralen Schaffens- und Aufenthaltsort für Landschaftsmaler.

Geschichte Olevano Romano als Künstlerkolonie Bereits im 17. Jahrhundert lassen sich in den Werken des italienischen Künstlers Gaspard Dughet Motive aus der Umgebung Olevanos nachweisen. Die Region entwickelte sich aber erst zum Ende des 18. Jahrhunderts, als Maler und Malerinnen sich zunehmenden von der idealisierten klassischen Landschaft abwandten und unberührte Landschaften und den ländlichen Alltag studierten, zu einem bedeutenden Ziel für Landschaftsmaler. Ausschlaggebend war die exponierte Lage am Rand der Sabiner Berge sowie die im Vergleich zu Rom als ursprünglich empfundene Natur. alt=Blick auf die Stadt Olevano Romano und die umliegende Landschaft im Frühling|mini|Der Blick von der Terrasse der Casa Baldi auf die Stadt Olevano Romano und umliegende Landschaft (Mai 2026) Joseph Anton Koch trug maßgeblich zur Popularisierung der Stadt bei, nachdem er sie 1803 aufsuchte und dort Skizzen und Studien anfertigte. Kochs Darstellung der olevanischen Landschaft, sowie die von anderen nordeuropäischen Malern wie Hendrik Voogd und Johann Christian Reinhart wurden im berühmten Caffè Greco, einem der zentralen internationalen Künstlertreffs in Rom, ausgestellt. Auch Reiseberichte wie die des Schriftstellers Carl Gottlob Küttner, die Olevano als besonders geeignetes Studiengebiet für Künstler beschrieben, waren einflussreich. Europäische und gerade deutsche Künstler, Gelehrte und Mäzene folgten den Spuren dieser Künstler nach Olevano. 1806 hielt sich mit Washington Allston auch der erste US-amerikanische Künstler im Ort auf. Eine Zusammenstellung der Namen und Werke der Künstler in Olevano von Coriolano Belloni zeigt, dass über 600 Künstler aus Deutschland, Frankreich, Dänemark, Norwegen, Schweden, Polen, Russland, Belgien, Großbritannien und Nordamerika, dort arbeiteten. Die vergleichsweise kleine, in sich geschlossene Landschaft galt dabei als ideales Studienfeld für die Freilichtmalerei.

Ursprünge der Casa Baldi Das Gebäude entstand laut Angela Windholz wahrscheinlich als Jagdkasino des Kardinals Scipione Borghese im 17. Jahrhundert. Es gelangte später in den Besitz der Familie Baldi, wohlhabende Landwirte und Viehzüchter, die dem lokalen Landadel angehörten und im Dienst der Borghese standen. Sie verfügten über mehrere Häuser in und um Olevano Romano und nutzten die Casa Baldi daher auch als Herberge für Gäste.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Casa Baldi neu belebt, als der Kunsthistoriker Carl Friedrich von Rumohr im Sommer 1817 in dem damals seit Jahrzehnten weitgehend verlassenen Haus unterkam und gemeinsam mit dem Maler Franz Theobald Horny dort für drei Wochen arbeitete. In den folgenden Jahren entwickelte sich das Haus schnell zu einem zentralen und lebendigen Treffpunkt für reisende Landschaftsmaler. Die Attraktivität des Ortes hing nicht nur mit dem malereifreundlichen Licht und den günstigen Lebenserhaltungskosten, sondern auch mit gesundheitlichen und klimatischen Gründen zusammen: Viele Künstler suchten bewusst die abgelegene Berglage auf, um der Stadt zu entkommen und sich in der als heilsam geltenden Luft zu erholen.

Die Casa Baldi während und nach den Kriegen In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verlor die Casa Baldi zunehmend ihre Bedeutung als Künstlerherberge. Das Gasthaus wurde dann im Jahr 1938 endgültig geschlossen und zur Versteigerung freigegeben. Am 25. April 1939 wurde das Anwesen durch die Reichskulturkammer im Sinne der nationalsozialistischen Kulturpropaganda in Italien angekauft. Dieser kulturpolitische Anspruch verlor jedoch ab 1944 seine Bedeutung als deutsche Soldaten das Haus als Quartier nutzten und es in Olevano zu Razzien gegen Juden und dem Tiefpunkt der deutschen Präsenz in der Stadt kam.

Nach dem Ende des Krieges wurde die Casa Baldi, wie andere deutsche Einrichtungen in Italien, von den Alliierten als Feindeseigentum beschlagnahmt. Während den Nachkriegsverhandlungen ist die Zukunft der Casa Baldi zunächst ungewiss, da Kunstakademien und Künstlerhäuser bei den Rückgabeverhandlungen gegenüber wissenschaftlichen Instituten keine Priorität hatten. Erst im Sommer 1953 wurde von den Alliierten beschlossen, das auch das Eigentum der Deutschen Akademien in Italien an Westdeutschland restituiert werden sollte. Im Jahr 1956 wurden entsprechende Rückgabebeschlüsse unterzeichnet. In den folgenden Jahren wurden Restaurierungsarbeiten eingeleitet, da das Haus durch Krieg und Verwitterung stark beeinträchtigt war. Nach den umfassenden Arbeiten wurde die Casa Baldi am 30. Juni 1960 als Künstlerresidenz der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo wiedereröffnet. Das Haus erhält somit seine historische Funktion als Aufenthaltsort für Künstlerinnen und Künstler.

Stipendium alt=Der Künstler Matheus Rocha Pitta beim Arbeiten am Schreibtisch im Atelier der Casa Baldi|mini|Der Künstler Matheus Rocha Pitta im Friedrich-Atelier der Casa Baldi Die Casa Baldi ergänzt seit 1960 das Residenzprogramms der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo. Jährlich werden acht Stipendien durch eine Fachjury vergeben. Die Casa-Baldi-Stipendien stehen im Rang dem Rompreis gleich, unterscheiden sich jedoch durch die besondere Lage des Ortes und die kürzere Aufenthaltsdauer von drei Monaten.

Gefördert werden herausragend qualifizierte Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Literatur und Musik. Das Stipendium ist für Künstler und Künstlerinnen vorgesehen, die bereits eine überregionale, idealerweise internationale Sichtbarkeit erfahren haben. Die Bewerbungsphase beginnt jeweils Anfang November und endet am 15. Januar des darauffolgenden Jahres.

Das Stipendium ist durch die Abgeschiedenheit und die besondere Geschichte des Ortes sowie dem engen Austausch mit der lokalen Bevölkerung geprägt. Dabei werden lokale Veranstaltungen der Stipendiatinnen und Stipendiaten wie Lesungen, Konzerte, Ausstellungen sowie Performances maßgeblich von der Stadt unterstützt und in lokalen Räumen wie dem Palazzo Colonna Marcucci oder der ehemaligen Ölmühle Bonuglia ausgerichtet. Zugleich sind die Stipendiatinnen und Stipendiaten in die Aktivitäten der Deutsche Akademie Rom Villa Massimo eingebunden.

Träger und Förderer Träger der Casa Baldi ist die Deutsche Akademie Rom Villa Massimo. Diese Einrichtung und Stipendien werden aus dem Kulturetat des Staatsministers für Kultur und Medien finanziert. Der Staatsminister für Kultur und Medien und die Kulturstiftung der Länder kooperieren seit vielen Jahren bei der jährlichen Vergabe der Auslandsstipendien. Im Rahmen dieser Kooperation führt die Kulturstiftung der Länder das Bewerbungs- und Auswahlverfahren durch.

Stipendiaten Siehe: Liste der Stipendiaten der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi

Literatur Joachim Blüher (Hrsg.): Olevano: Casa Baldi/Villa Serpentara. Deutsche Akademie Rom Villa Massimo, Rom 2017. Julia Draganović (Hrsg.): Olevano Romano: Vermessung eines Mythos. Deutsche Akademie Rom – Villa Massimo, Rom 2022.

Weblinks

Archiv der Abschlusspräsentationen der Stipendiaten und Stipendiatinnen auf der Webseite der Villa Massimo Geschichte der Casa Baldi auf der Webseite der Villa Massimo Casa Baldi Stipendiat Ulrich Brinkmann in der Bauwelt über die Casa Baldi (2022) Webseite der Kommune Olevano Romano über die Casa Baldi

Einzelnachweise

Massimo Kategorie:Künstlerische Organisation (Rom) Kategorie:Bildung und Forschung in Rom Kategorie:Deutsch-italienische Beziehungen Kategorie:Kulturinstitut Kategorie:Kulturelle Organisation (Rom) Kategorie:Municipio II