Angela Gomes (; * 16. Juli 1952) ist eine bangladeschische Sozialarbeiterin, Frauenrechtlerin und katholische Laienaktivistin. Sie ist Gründerin und geschäftsführende Leiterin der Nichtregierungsorganisation Banchte Shekha („Lernen zu überleben“), die sich für die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Stärkung von Frauen und Kindern einsetzt. Im Jahr 1999 erhielt sie den Ramon-Magsaysay-Preis.

Leben Gomes wurde 1952 als siebtes von neun Kindern in eine katholische Familie geboren und wuchs in ländlichen Verhältnissen nahe Dhaka auf. Als 13-Jährige entzog sie sich mit Hilfe eines örtlichen Priesters einer geplanten Kinderheirat, besuchte anschließend eine katholische Schule in Kushtia und wurde später Lehrerin an der Sacred Heart School in Jashore. Nach einem Bachelorabschluss in Wirtschaft, Geschichte und Geografie schlug sie einen Weg in die soziale Arbeit ein. Bei Besuchen in Slums und Dörfern um Jashore begegnete sie Frauen, die häusliche Gewalt und soziale Entrechtung erlebten. Gegen ihre Arbeit für Frauenrechte gab es in konservativen Dorfmilieus Drohungen, Beschimpfungen und Gewalt, doch sie gewann auch Unterstützung, indem sie sich mit religiösen Schriften auseinandersetzte und mit lokalen Behörden verhandelte. Nach einer 1998 diagnostizierten Krebserkrankung arbeitete Gomes nach jahrelanger Behandlung weiter für Banchte Shekha.

Wirken Aus Gomes’ Dorf- und Slumarbeit entstand 1976 Banchte Shekha; 1981 wurde die Organisation registriert. Die Organisation mobilisierte arme Frauen in Dorfgruppen, vermittelte Kenntnisse über soziale und rechtliche Ansprüche und bot Unterstützung bei Gewalt, Scheidung, Verlassenwerden und Verwitwung. Zu den Programmen gehören Rechtsberatung, Governance, Führungstrainings, Ernährungssicherung, Bildung, Gesundheitsdienste, Wasser- und Sanitärversorgung sowie einkommensschaffende Maßnahmen. Für die wirtschaftliche Stärkung organisierte Banchte Shekha etwa Schulungen in Landwirtschaft, Viehhaltung, Fischerei und Handwerk. Seit 1987 ließ Gomes Rechtsangestellte im muslimischen Recht und in einschlägigen Verfahren ausbilden, sodass in vielen Dörfern Fälle von häuslicher Gewalt, Mitgiftmissbrauch, Unterhalt und anderen Geschlechterkonflikten durch von Banchte Shekha einberufene Schlichtungsgremien verhandelt wurden. Im Jahr 2018 war Banchte Shekha in 18 Distrikten tätig und erreiche mittelbar und unmittelbar etwa eine Million Menschen, vor allem Frauen. Gomes’ Arbeit in Jashore und weiteren südlichen Distrikten dient der Hilfe für misshandelte Frauen, die Gerechtigkeit, Ehre und Würde erlangen wollen. 2021 wurde Gomes mit Banchte Shekha wegen der Unterstützung gleicher Erbrechte für hinduistische Frauen von Bangladesch Jatiya Hindu Mahajote angegriffen; nach einer Anzeige gegen sie und Shaheen Anam forderte ein Bündnis von 67 Menschenrechts-, Frauen- und Entwicklungsorganisationen die Rücknahme des Falls. Neben dem Ramon-Magsaysay-Preis erhielt Gomes den Begum Rokeya Padak, den Preis für die beste Sozialarbeit des Nationalen Sozialrats von Bangladesch und eine Ehrendoktorwürde der KIIT University. Sie gehört zu den Frauen, die im Rahmen der Kampagne 1000 Women for the Nobel Peace Prize 2005 für den Friedensnobelpreis nominiert wurden.Angela Gomes. In: 1000peacewomen.org. Abgerufen am 1. Juni 2026.

Einzelnachweise

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