Yvonne Schweizer (* 1982 in Nürtingen) ist eine deutsche Kunsthistorikerin und Hochschullehrerin. Seit 2026 ist sie Professorin für Kunstgeschichte mit Schwerpunkt moderne und zeitgenössische Kunst an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Kunst der Moderne und Gegenwart, in den Museum and Curatorial Studies, der Ausstellungsfotografie, Video- und Filminstallationen, Kunst im öffentlichen Raum und Skulptur, digitalen Bildkulturen sowie Digital Cultural Heritage und Digital Humanities.
Leben Schweizer studierte Kunstgeschichte, Allgemeine Rhetorik und Erziehungswissenschaft. 2009 schloss sie ihr Studium an der Eberhard Karls Universität Tübingen mit einer Magisterarbeit zu William Kentridges Seh-Apparaturen ab. Von 2009 bis 2012 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im BMBF-Projekt wissen&museum an der Universität Tübingen und am Deutschen Literaturarchiv Marbach; zugleich absolvierte sie ein Volontariat und war Co-Kuratorin der Ausstellung 1912. Ein Jahr im Archiv im Literaturmuseum der Moderne Marbach.
Von 2013 bis 2015 war Schweizer, gefördert von der Landesgraduiertenstiftung Baden-Württemberg, als Promotionsstipendiatin am Kunsthistorischen Institut in Florenz – Max-Planck-Institut. Dort schloss sie ihre Dissertation an und wurde 2015 bei Barbara Lange an der Universität Tübingen mit einer Arbeit über Bewegtbilder in Kunstausstellungen um 1970 promoviert. Diese Studie erschien 2018 in Buchform beim Verlag Edition Metzel in München unter dem Titel Flimmern. Bewegtbilder in Kunstausstellungen um 1970.
Von 2015 bis 2021 war sie wissenschaftliche Assistentin am Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern, 2018 übernahm sie dort eine Vertretungsprofessur für World Art History. 2021/22 leitete sie als Principal Investigator das SNF-Projekt User-Oriented Access to the Work. Art Documentaries between Marketing and Mediation; von 2022 bis 2026 koordinierte sie das Schweizerische Nationalfonds Projekt Öffentlichkeiten der Kunst. Die Geschichte der Schweizerischen Plastikausstellung. 2025 habilitierte sich Yvonne Schweizer an der Universität Bern. Im August 2025 wurde ihr der Ruf auf die W3-Professur für Kunstgeschichte (moderne und zeitgenössische Kunst) in Freiburg erteilt. Seit dem 1. April 2026 ist sie als Professorin an ebenjenem Kunstgeschichtlichen Institut der Universität Freiburg aktiv.
Forschung und Wirken Yvonne Schweizers Forschung bewegt sich an der Schnittstelle von Kunstgeschichte der Moderne und Gegenwart, Mediengeschichte, Ausstellungsgeschichte, Curatorial Studies und digitalen Bildkulturen. In ihrer Dissertation untersuchte sie die Aufnahme von Film, Video und Fernsehen in Kunstausstellungen um 1970 und rekonstruierte historische Präsentationspraktiken bewegter Bilder beispielsweise von Werken Nam June Paiks. Ihr Habilitationsprojekt Vom Nutzen der Nutzer. Kunst zwischen digitaler Koproduktion und Plattformkritik (noch unveröffentlicht) befasst sich mit Formen digitaler Kooperation, Plattformökonomien und nutzerbezogenen Zugängen zur Kunst.
Im Rahmen des SNF-Projekts zur Geschichte der Schweizerischen Plastikausstellung war Schweizer an dem Crowdsourcing-Archiv publics-arts.ch beteiligt. Ein weiteres Ergebnis dieses Projekts war die Ausstellung Re/Sculpture. Die Schweizerischen Plastikausstellungen Biel, die von Schweizer kuratiert worden ist und vom 24. August 2024 bis zum 19. Januar 2025 im Neuen Museum Biel präsentiert wurde.
Von 2015 bis 2022 war Schweizer Vorstandsmitglied des Ulmer Vereins – Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften. Seit 2021 ist sie Mitglied der Arbeitsgemeinschaft kuwiki (Kunstwissenschaften+Wikipedia). Seit 2026 ist sie Editorial Board Member der Zeitschrift 21: Inquiries into Art, History, and the Visual.
Ihre Forschungen wurden durch Stipendien und Gastaufenthalte unter anderem von der Terra Foundation for American Art, dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, dem Schweizerischer Nationalfonds, der Landesgraduiertenstiftung Baden-Württemberg und dem Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds gefördert.
Schriften (Auswahl)
Monografien Flimmern. Bewegtbilder in Kunstausstellungen um 1970. Edition Metzel, München 2018, ISBN 978-3-88960-159-9.
Herausgeberschaften mit Peter J. Schneemann und Bernadette Walter: Re/Sculpture. Die Schweizerischen Plastikausstellungen Biel. Les Expositions suisses de sculpture. Verlag für moderne Kunst, Wien 2024. mit dem Vorstand des Ulmer Vereins: Kunstgeschichte kommunizieren (= kritische berichte 51.1, 2023), https://doi.org/10.11588/kb.2023.1. mit Magdalena Nieslony: Format. Politiken der Normierung in den Künsten ab 1960 (= Kunstgeschichten der Gegenwart, Bd. 13). Edition Metzel, München 2020. mit Henrike Haug, Ann-Kathrin Hubrich und Henry Kaap: Kritische Kunstgeschichte und digitaler Wandel (= kritische berichte 48.1, 2020), https://doi.org/10.11588/kb.2020.1. mit Henry Kaap: Retro/Future. Mediale Transformationen zwischen Nostalgie und Utopie (= kritische berichte 47.1, 2019), https://doi.org/10.11588/kb.2019.1. mit Anna Minta: Das Museum als Wirkraum (= kritische berichte 46.2, 2018), https://doi.org/10.11588/kb.2018.2. mit Veronica Peselmann u. a.: Wie entstehen Raumkonzepte? 1600 und 1900 im Blick (= reflex. Tübinger Kunstgeschichte zum Bildwissen 6, 2016), http://hdl.handle.net/10900/69441.
Aufsätze Materialisierung der Plattform. Infrastrukturen des Edutainment bei dis.art, in: Art Education Research. E-Journal der Schweizerischen Fachgesellschaft für Kunstpädagogik 26, 2024, 13 Seiten, https://doi.org/10.5281/zenodo.13904074. Handlungsübertragung. Netzökonomien der Social Web-Kunstdoku, in: Kathrin Rottmann, Annette Urban und Andreas Zeising (Hrsg.): Schaffende Hände. Medialisierungen künstlerischer Arbeit, Heidelberg: arthistoricum.net, 2023, S. 29–45, https://doi.org/10.11588/arthistoricum.1365. Beeples Versionen. Plattformbasierte Arbeiten zwischen Digitalkultur und Werkstatus, in: Lisa Dieckmann u. a. (Hrsg.): 4D. Dimensionen, Disziplinen, Daten, Digitalität, Heidelberg: arthistoricum.net, 2023, 14 Seiten, https://doi.org/10.11588/arthistoricum.1100.c15429. Counter-Archive, in: Terms of Engagement (= Terms. CIHA Journal of Art History, Nr. 1), 2022, S. 27–38, https://doi.org/10.57936/terms.2022.1.92648. Dispositive des Auditiven. Zur filmischen Kritik des retinalen Ausstellungsraums, in: Montage AV. Zeitschrift für Theorie und Geschichte audiovisueller Kommunikation, 30/1, 2021, S. 133–153. Verstärker. Das Museum als Studio um 1970, in: kritische berichte 46.2, 2018, S. 41–50, https://doi.org/10.11588/kb.2018.2.89745. Piratenfernsehen, in: Aesthetics of Resistance. A Pictorial Glossary, Minerva Research Group The Nomos of Images, 2015, https://nomoi.hypotheses.org/330. Das gespiegelte Karussell. Zur Medialität katoptrischer Anamorphosen, in: Marcel Finke und Mark Halawa (Hrsg.): Materialität und Bildlichkeit, Berlin: Kadmos, 2012, S. 212–227.
Weblinks Prof. Dr. Yvonne Schweizer auf der Website des Kunstgeschichtlichen Instituts der Universität Freiburg PD Dr. Yvonne Schweizer auf der Website der Universität Bern Yvonne Schweizer auf der Website des Zentralinstituts für Kunstgeschichte ORCID-Profil von Yvonne Schweizer
Anmerkungen und Einzelnachweise
Kategorie:Kunsthistoriker Kategorie:Hochschullehrer (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1982 Kategorie:Frau