mini|hochkant|Cécil Ludwig Röski (2024) Cécil Ludwig Röski (auch Cécil Joyce Röski, Cecilia Joyce Röski bzw. Cecilia Röski; geboren 1994 in Struvenhütten, Schleswig-Holstein) ist ein nichtbinärer deutscher Schriftsteller und Drehbuchautor.
Röski studierte am Literaturinstitut in Leipzig und veröffentlichte in verschiedenen Literaturzeitschriften, darunter Edit, Bella triste und Metamorphosen. Zusammen mit Charlotte Krafft schrieb Röski das Drehbuch zu der im Juli 2023 auf Arte erstausgestrahlten 6-teiligen historischen Miniserie Haus Kummerveldt, für das Röski zusammen mit Regisseur Mark Lorei, Produzentin Lotte Ruf und der Hauptdarstellerin Milena Straube 2024 den Spezialpreis des Grimme-Preises erhielt.
Zuletzt arbeitete Röski an dem Romanprojekt Trizeps Royal, dem Spielfilm In der Not frisst der Teufel die Wurst auch ohne Fliegen und der Serie Being Held.
Poussi
Die Idee zu dem Roman Poussi geht auf ein Seminar von Olga Grjasnowa am Literaturinstitut Leipzig zurück, bei dem Röski über eine Recherche zur Biographie des Großvaters berichtete, der in den 1980er Jahren Teil eines Ludenkartells im Hamburger Rotlichtviertel St. Pauli war und über andere in der Sexarbeit tätig gewesene Familienangehörige. Das aus dieser Idee entstandene Projekt stellte er im Rahmen der Jugend-Literatur-Werkstatt Graz vor und wurde dafür mit 2020 den Retzhof-Preis für junge Literatur ausgezeichnet. 2022 erhielt Röski dafür ein Arbeitsstipendium des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt.
Protagonistin ist die Sexarbeiterin Ibli, die im „Palast“, einem heruntergekommenen Bordell in der fiktiven Großstadt Grindelsta ihrer Tätigkeit nachgeht. Der „Palast“ hat einmal ihrem Vater Lackschuh gehört. Jetzt hat Ibli ein Zimmer dort, in dem sie auf die Freier wartet, die sie „Pois“ nennt. Der „Palast“ erscheint dabei als eine in sich abgeschlossene Welt, bewohnt von den Sexarbeiterinnen in ihren Zimmern, auf den Gängen die vorüber treibenden Pois. Unterbrochen wird die Erzählung Iblis immer wieder mit der Geschichte der letzten Monate Lackschuhs 10 Jahre zuvor, der zu diesem Zeitpunkt alles verloren hat, im Café Keese vor einem Spielautomaten sitzt und sich in dessen Welt mit den dort herumschwimmenden Delfinen verliert wie in einem Traum. Nach einem von Ibli verursachten Eklat verlässt Zola, Iblis Freundin, den „Palast“. Ibli fühlt sich schuldig und vermisst ihre Freundin, die nun auf sie böse ist. Sie lässt sich einem Poi aus dem „Palast“ entführen, landet dann aber auf der Straße, wo sie am Ende ihre Freundin Zola wiederfindet, der es schlecht geht.
In einer Rezension im Deutschlandfunk meinte Katrin Schumacher, dass der Schlüssel zum Erfolg des Buches im originellen Umgang mit der Sprache liege. Röski habe darauf verzichtet, die Sprache des Milieus naturalistisch nachbilden zu wollen, sondern eine Kunstsprache erfunden, die „gerade in ihrer Artifizialität Zugang verschaffe zu der fremden Welt und Subjektivität der Sexarbeiterinnen.“ Der Roman setze sich dabei deutlich sowohl von der „Rotlichtromantik“ männlicher Autoren wie Michel Houellebecq oder Henry Miller ab, als auch vom feministisch inspirierten Realismus französischer Autorinnen wie Virginie Despentes (Baise-moi) oder Leïla Slimani. Parallelen sieht sie zu Blutbuch von Kim de l’Horizon.
Auszeichnungen 2020 Retzhof-Preis für junge Literatur für das Romanprojekt Poussi 2021 Joseph-Maria-Lutz-Stipendium der Stadt Pfaffenhofen 2022 Arbeitsstipendium des Fritz-Hüser-Instituts für Literatur und Kultur der Arbeitswelt 2022 Filmstipendium der Roger-Willemsen-Stiftung 2024 Grimme-Preis Spezial für ihre Beteiligung (Drehbuch) an der Miniserie Haus Kummerveldt 2024 Meißener Literaturfestpreis für Poussi 2025 Aufenthaltsstipendium des Literarischen Colloquiums Berlin
Bibliografie Poussi. Roman. Hoffmann und Campe, Hamburg 2023, ISBN 978-3-455-01550-8 (E-Book: ISBN 978-3-455-01551-5).
Weblinks
Cécil Ludwig Röski, Autorenseite bei Leykam Cécil Ludwig Röski, biografische Daten bei der Agentur Lucky Punch (PDF) Cécil Joyce Röski, Autorenseite bei Hoffmann und Campe
Einzelnachweise Cécil Joyce Röski, Autorenseite bei Hoffmann und Campe, abgerufen am 16. April 2026. Fritz-Hüser-Institut unterstützt vier Stipendiaten, abgerufen am 16. April 2026. Joseph-Maria-Lutz-Stipendiatin 2021: Cecilia Joyce-Röski, Mitteilung des Kulturamts der Stadt Pfaffenhofen, abgerufen am 16. April 2026. Retzhof-Preis, abgerufen am 16. April 2026. Zu Gast im LCB: Oktober 2025: Cécil Joyce Röski. Mitteilung des Literarischen Colloquium Berlin, abgerufen am 20. April 2026. Aufenthaltsstipendien für junge deutschsprachige Autor·innen des Literarischen Colloquium Berlin, abgerufen am 20. April 2026. „Ich habe mich gefragt: Inwieweit ist Sexarbeit Sorgearbeit?“, Interview zu Poussi von Daniel Schieferdecker vom 17. März 2023 auf Szene Hamburg, abgerufen am 20. April 2026. Cecilia Joyce Röski: „Poussi“, Interview von Katrin Schumacher vom 7. Juli 2023 im Deutschlandfunk (5:15 min Audio; Download 5,1 MB), abgerufen am 20. April 2026. Roger Willemsen Stiftung – Stipendien, abgerufen am 3. Mai 2026.
Kategorie:Autor Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1994 Kategorie:Nichtbinäre Person