mini|Huston Cummings Smith Huston Cummings Smith (* 31. Mai 1919 in Changshu nahe von Suzhou, China; † 30. Dezember 2016 in Berkeley, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Religionswissenschaftler. Sein bekanntestes Werk ist The World’s Religions (zuerst erschienen als The Religions of Man). Smiths frühe Arbeiten befassten sich mit Mystik und Wahrnehmung.Frederic and Mary Ann Brussat: Remembering Spiritual Masters Project. Huston Smith. Spirituality & Practice, auf spiritualyandpractce.com spiritualityandpractice.com Smith gilt als Vertreter des interreligiösen Dialogs, er vertrat die Auffassung, dass die „großen Religionen“ gemeinsame spirituelle Wahrheiten ausdrücken.
Leben und Wirken Smith wurde als Sohn methodistischer Missionare, Wesley Moreland Smith (1883–1968) und Alice Longden Smith (1884–1977), in Suzhou geboren und verbrachte dort seine Kindheit und Jugend. Neben dem Englischen war das Chinesische (Mandarin im Suzhou-Dialekt) die zweite Sprache seiner Kinder- und Jugendzeit.Heng Sure: Knowing Huston Smith. The Interfaith Observer, auf theinterfaithobserver.org theinterfaithobserver.org Im Alter von siebzehn Jahren ging er in die Vereinigten Staaten, wo er an der Central Methodist University einen Bachelor-Abschluss erwarb und zum methodistischen Geistlichen ordiniert wurde. Anschließend studierte er an der Divinity School der University of Chicago, wo er 1945 im Fach Religionswissenschaft mit Schwerpunkt Religionsphilosophie promoviert wurde.Mary Rourke: Huston Smith, pioneering teacher of world religions, dies at 97. Los Angeles Times, Jan. 5, 2017, auf latimes.com latimes.com
Als junger Mann wandte sich Smith, beeinflusst von den Schriften Aldous Huxleys und Gerald Heards, vom traditionellen methodistischen Christentum ab und der Mystik zu. Im Jahre 1947, noch vor seinem Umzug von Denver nach St. Louis, suchte Smith ein Treffen mit Gerald Heard. Heard lud ihn in sein „Trabuco College“ (später das Ramakrishna-Kloster der Vedanta-Gesellschaft von Südkalifornien) im Trabuco Canyon in Südkalifornien ein. Heard arrangierte auch ein Treffen zwischen Smith und Aldous Huxley. In der Dokumentation Huxley on Huxley aus dem Jahr 2010 erzählte Smith von dieser Begegnung mit Huxley in dessen Haus in der Wüste. Man riet Smith, sich nach seiner Ankunft in St. Louis an Swami Satprakashananda von der Vedanta-Gesellschaft von St. Louis zu wenden. So begannen Smiths Erfahrungen mit Meditation und seine Verbindung zu den Vedanta-Gesellschaften des Ramakrishna-Ordens.Dana Sawyer: Huston Smith: Wisdom Keeper. Fons Vitae, 2014, ISBN 978-1-891785-29-0, S. 51.Huston Smith: About the Author: HarperCollins Publishers", www.harpercollins.com., auf web.archive.org web.archive.org
Nach ersten Lehrtätigkeiten an der University of Denver, von 1945 bis 1947 und der Washington University in St. Louis, von 1947 bis 1958, wurde Smith 1958 Professor für Philosophie am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Dort lehrte er bis zum Jahren 1973. Anschließend wechselte er an die Syracuse University,Huston Smith Papers. An inventory of his papers at the Syracuse University Archives, auf library.syracuse.edu library.syracuse.edu an der er bis zu seiner Emeritierung 1983 tätig war. Nach seiner Pensionierung lebte Smith in Berkeley, Kalifornien, und wirkte dort weiterhin als Gastprofessor für Religionswissenschaft an der University of California, Berkeley. Smith veröffentlichte eine Vielzahl von Werken über Religion und Philosophie. Seine Arbeit The World’s Religions wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und erreichte eine Gesamtauflage von mehreren Millionen Exemplaren.
Neben seiner akademischen Arbeit beschäftigte sich Smith intensiv mit religiöser Praxis. Er studierte unter anderem Vedanta, Zen-Buddhismus und Sufismus über längere Zeiträume und verband wissenschaftliche Analyse mit persönlicher religiöser Erfahrung. In den 1960er Jahren beteiligte er sich zeitweise an Forschungen zu psychedelischen Substanzen im Umfeld von Timothy Leary und Richard Alpert. Diese Erfahrungen reflektierte er später kritisch in seinem Buch Cleansing the Doors of Perception. Während einer Reise nach Indien untersuchte er außerdem tibetisch-buddhistische Obertongesänge und dokumentierte diese in der Aufnahme Music of Tibet (1967).
Smith war regelmäßig als Vortragender im Esalen-Institut.A Teacher for the Global Village: An Appreciation of Huston Smith. January 1, 2017 by Esalen Team, auf esalen.org esalen.org
Smith war, seit 1943, mit Eleanor („Kendra“) Wieman (* 1923),Consciousness after Death Kendra Smith, Theosophical Society, Winter 2019, auf theosophical.org theosophical.orgHuston Smith: Eine Wahrheit – viele Wege! In: Roland R. Ropers: Mystiker unserer Zeit im Porträt. topos premium, Kevelaer 2017, ISBN 978-3-8367-0032-0, S. 236, auf oblatesofshantivanam.yolasite.com oblatesofshantivanam.yolasite.com einer Psychotherapeutin, verheiratet. Ihre ersten intensiven Meditationserfahrungen machte Kendra Wieman 1957 zusammen mit ihrem Ehemann in Burma und Japan. Sie ist die Tochter des Theologen Henry Nelson Wieman und seiner ersten Ehefrau Anna M. Orr. Das Paar hatte drei Töchter.
Engagement und religiöse Haltung
Smith setzte sich für die Anerkennung religiöser Praktiken indigener Völker Nordamerikas ein. Im Zusammenhang mit der rechtlichen Auseinandersetzung um die Verwendung von Peyote unterstützte er Initiativen, die schließlich zur gesetzlichen Absicherung dieser Praxis in den USA beitrugen.J. Falcon: Anthropology of Psychedelics. In: Anthropology of Consciousness. 36 (2), 2025. doi:10.1111/anoc.70002.
Smith verstand sich als praktizierender Christ, verband seinen Glauben jedoch mit Einflüssen aus der vedantischen Philosophie und anderen religiösen Traditionen. Er war zudem von der sogenannten Traditionalistischen Schule beeinflusst.
Smith engagierte sich während seines gesamten Lebens in den Kirchengemeinden seiner jeweiligen Wohnorte. In seinen letzten Lebensjahren in Berkeley, Kalifornien, nahm er an Veranstaltungen der „Pacific Coast Theological Society“ an der Graduate Theological Union teil. Darüber hinaus besuchte er regelmäßig Gottesdienste verschiedener örtlicher Kirchengemeinden, darunter der „Trinity United Methodist Church“, der „First Congregational Church“ und der „Epworth United Methodist Church“. Anlässlich der Veröffentlichung seines Buches Tales of Wonder im Jahr 2009 veranstaltete er gemeinsam mit Mitgliedern der Epworth United Methodist Church Gesprächsrunden, in denen er Fragen zu seinem Leben und seinem Werk beantwortete.Barbara Falconer: Huston Smith Dies at 97: A Mentor to Me (…) and Millions. January 5, 2017 Newhall, auf barbarafalconernewhall.com barbarafalconernewhall.com
Auszeichnungen Smith wurde im Januar 2010 als einer der ersten Empfänger, mit dem „Interfaith-Interspiritual Sage Award“, des „Order of Universal Interfaith“ und des „Universal Order of Sannyasa“ ausgezeichnet. Er erhielt die Auszeichnung am 23. Februar 2010 in seinem Haus.Award for Interfaith Education and Service. Huston Smith Award for Interfaith Education and Service, auf ouni.org ouni.org
Die „Pacific Coast Theological Society“ würdigte 2012 in einer Sondersitzung „das Lebenswerk von Professor Emeritus Huston Smith im Hinblick auf das Verhältnis von Theologie, Mythologie und Wissenschaft“. Im Jahr 2015 verlieh die Gesellschaft Smith ihren „Codron Prize for The World's Religions“ (deutsch: ‚Codron-Preis für Weltreligionen‘).
Für sein lebenslanges Engagement, die Weltreligionen einander anzunähern, um Verständnis, soziale Gerechtigkeit und Frieden zu fördern, erhielt Smith 2021 den „Courage of Conscience Award“ von „Peace Abbey“ in Sherborn, Massachusetts.Recipients of the Courage of Conscience Award. The Courage of Conscience Award has been presented to deserving individuals and organizations worldwide for their various peace and humanitarian activism work. On this page, we take pride in giving recognition to these awardees for their noble advocacies. The following are the honorees of the award from 1988 to 2021, auf courageofconscienceaward.org courageofconscienceaward.org
Publikationen (Auswahl)
The Purposes of Higher Education. 1955, reprint ed. 1971, Harper & Row, ISBN 0-8371-4698-4. The World's Religions|The World's Religions: Our Great Wisdom Traditions. 1958, rev. ed. 1991, HarperOne, ISBN 0-06-250811-3. Great Religions of the World, zusammen mit Robert McAfee Brown, Amiya Chakravarty, Wing-tsit Chan, W. D. Davies, Hans J. Hillerbrand, Edward J. Jurji, Joseph M. Kitagawa, Oliver Statler, Herbert Weiner, John P. Whalen, and Elie Wiesel, 1971, National Geographic Society. Forgotten Truth: The Common Vision of the World's Religions. 1976, reprint ed. 1992, HarperOne, ISBN 0-06-250787-7. Beyond the Postmodern Mind, 1982, reprint ed. 1989, Quest Books, ISBN 0-8356-0647-3. The Illustrated World's Religions: A Guide to Our Wisdom Traditions. HarperOne, 1995, ISBN 0-06-067440-7. Cleansing the Doors of Perception: The Religious Significance of Entheogenic Plants and Chemicals. Tarcher/Putnam, 2000, ISBN 1-58542-034-4, Why Religion Matters: The Fate of the Human Spirit in an Age of Disbelief. HarperOne, 2001, ISBN 0-06-067099-1. Islam: A Concise Introduction. HarperOne, 2001, ISBN 0-06-166018-3. The Way Things Are: Conversations with Huston Smith on the Spiritual Life. University of California Press, 2003, ISBN 0-520-23816-8. Buddhism: A Concise Introduction, zusammen mit Philip Novak, HarperOne, 2004, ISBN 0-06-073067-6. The Soul of Christianity: Restoring the Great Tradition. HarperOne, 2005, ISBN 0-06-079478-X. A Seat at the Table: Huston Smith in Conversation with Native Americans on Religious Freedom. University of California Press, 2006, ISBN 0-520-24439-7. Tales of Wonder: Adventures Chasing the Divine. HarperOne, 2009, ISBN 978-0-06-115426-3. And Live Rejoicing: Chapters from a Charmed Life—Personal Encounters with Spiritual Mavericks, Remarkable Seekers, and the World's Great Religious Leaders. 2012
Die sieben großen Religionen der Welt: Eine Wahrheit, viele Wege. Goldmann, München 2004, ISBN 3-442-21682-6. Eine Wahrheit, viele Wege. Hermann Bauer, Freiburg 1994, ISBN 3-7626-0465-7.
Literatur Ken Wilber: Naturwissenschaft und Religion: Die Versöhnung von Wissen und Weisheit. Krüger, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-8105-2334-8, S. 21; 57 Jonathan Kopel, Carmine Gorga, Paul Thomas, Roger K. Strickland, Donald C. Wunsch: Neurotheology in interfaith dialogue. Proc (Bayl Univ Med Cent). 33(2), 23. Dec 2019, S. 295–297. doi:10.1080/08998280.2019.1698881
Weblinks
Remembering Prof. Huston Smith (1919–2016). HJ-International, (hji.edu) Rev. Heng Sure: The Man of Religions: Huston Smith in Conversation with Heng Sure. Practice Spring 2006, Vol. 22 #2, auf inquiringmind.com (inquiringmind.com) Medien Huston Smith-What is God like? (youtube.com) Die „Große Kette“ in verschiedenen Weisheitstraditionen, aus Great Chain of Being („Große Kette des Seins“) nach Huston Smith, Layout Brad Raynolds, zitiert aus Ken Wilber: IntegraleSpiritualität. Spirituelle Intelligenz rettet die Welt. Kösel, München 2021, ISBN 978-3-466-34691-2, S. 95, auf integralworld.net integralworld.net
Einzelnachweise
Kategorie:Methodistischer Geistlicher (20. Jahrhundert) Kategorie:Religionswissenschaftler (20. Jahrhundert) Kategorie:Person (interreligiöser Dialog) Kategorie:Absolvent der University of Chicago Kategorie:Hochschullehrer (University of Denver) Kategorie:Hochschullehrer (Massachusetts Institute of Technology) Kategorie:Hochschullehrer (Syracuse University) Kategorie:Hochschullehrer (Washington University in St. Louis) Kategorie:Hochschullehrer (University of California, Berkeley) Kategorie:Autor Kategorie:Person (Republik China) Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1919 Kategorie:Gestorben 2016 Kategorie:Mann