Waldemar Alfons Edgar Kindervater (* 23. Oktober 1908 in Salza; † 16. April 1976 in Einbeck) war ein deutscher SS-Oberscharführer und Blockführer im KZ Sachsenhausen.
Leben Waldemar Kindervater war Sohn eines Wäschereibesitzers. Nach dem Besuch der Mittelschule bis zum Einjährigen trat Kindervater im Jahre 1923 bei einer Autowerkstatt in die Lehre. Im Jahre 1927 legte er seine Gesellenprüfung ab und arbeitete mehrere Jahre im elterlichen Betrieb.
Im Jahre 1933 wurde er Mitglied der allgemeinen SS. Infolge des Auftragsrückganges im väterlichen Betrieb nahm Kindervater im Jahre 1935 eine Arbeitsstelle bei der Flugwache des Militärflugplatzes Nordhausen an.LG Köln, 28. Mai 1965 in: Justiz und NS-Verbrechen: Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945-1966, Bd. XXI, bearbeitet von C. F. Rüter. Amsterdam : University Press, 2013, Nr. 591, S. 93. (im Internet) Er blieb dort etwa zwei Jahre und meldete sich 1937 freiwillig zu einem SS-Totenkopfverband. Danach wurde er als Kraftfahrer bei der SS-Junkerschule Bad Tölz eingesetzt. Zum 1. Mai 1937 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 7.049.843).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/20150236
Im Jahre 1938 kam Kindervater zur Kommandantur KZ Buchenwald.Stephanie Bohra: Tatort Sachsenhausen: Strafverfolgung von KZ-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin, 2019, S. 599. Dort wurde er mit der Leitung der Wäscherei des Konzentrationslagers betraut.David A. Hackett (Hrsg.): Der Buchenwald-Report: Bericht über das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. München 2002, ISBN 3-406-47598-1, S. 217. Im Jahre 1940 kam es zu Gegensätzlichkeiten zwischen Kindervater und dem Lagerkommandanten Karl Otto Koch, der mit seiner Arbeit nicht zufrieden war und beanstandete, dass er – Kindervater – mehrfach nicht pünktlich zum Dienst erschien. Im September 1940 wurde Kindervater auf eigenen Wunsch in das KZ Sachsenhausen versetzt.Günter Morsch (Hrsg.): Die Konzentrationslager-SS 1936–1945: Arbeitsteilige Täterschaft im KZ Sachsenhausen. Berlin 2018, ISBN 978-3-86331-403-3, S. 410. Er wurde Leiter der Lagerwäscherei und wurde auch als Blockführer eingesetzt. Im Herbst 1941 nahm er an der Ermordung von mindestens 10.000 sowjetischen Kriegsgefangenen teil.Stephanie Bohra: Tatort Sachsenhausen: Strafverfolgung von KZ-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin, 2019, S. 410. Er selbst hat auf Kriegsgefangene geschossen und war an dem Transport der sowjetischen Kriegsgefangenen zur Genickschussbaracke beteiligt.
Im Herbst 1942 wurde er nach Berlin-Lichterfelde zur Kraftfahr-Ausbildung in das Ersatzbataillon versetzt, wo er an der Aufstellung einer Panzereinheit beteiligt war.LG Köln, 28. Mai 1965 in: Justiz und NS-Verbrechen: Sammlung deutscher Strafurteile wegen nationalsozialistischer Tötungsverbrechen 1945-1966, Bd. XXI, bearbeitet von C. F. Rüter. Amsterdam : University Press, 2013, Nr. 591, S. 94. (im Internet) Von dort kam er nach Frankreich und wurde in der neuaufgestellten 10. SS-Panzerdivision Schirrmeister und Panzerkommandant. Ab Mitte 1943 wurde seine Einheit an der Ostfront eingesetzt. Im Februar 1944 wurde er bei Tarnopil verletzt. Nach seiner Wiederherstellung wurde er zunächst einer Panzerjägereinheit in Böhmen zugeteilt. Ende 1944 wurde er zu einem etwa achtwöchigen Werkmeister-Lehrgang nach Wien abkommandiert. Dort will er als Folge einer Blutvergiftung erkrankt sein, was seine Einlieferung in ein Lazarett und schließlich seine Entlassung aus diesem nach Nordhausen zur ambulanten Behandlung zur Folge gehabt haben soll.
Am 19. April 1945 geriet Kindervater in Thale in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er am 1. Oktober 1948 entlassen wurde. Er begab sich nach Einbeck, wo er als Kraftfahrer bei der Firma Spormann arbeitete.
Kindervater war Angeklagter im ersten Kölner Sachsenhausen-Prozess. Seit dem 20. April 1964 befand er sich in Untersuchungshaft. Kindervater wurde vom Landgericht Köln am 28. Mai 1965 aus Mangel an Beweisen freigesprochen.Stephanie Bohra: Tatort Sachsenhausen: Strafverfolgung von KZ-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin, 2019, S. 451f.
Literatur Stephanie Bohra: Tatort Sachsenhausen: Strafverfolgung von KZ-Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland. Metropol Verlag, Berlin 2019, ISBN 978-3863314606
Einzelnachweise
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