Józef Kulesza (* 21. März 1919 in Warschau; † 30. April 1985 ebenda) war ein Politiker der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PZPR), der unter anderem zwischen 1968 und 1970 Vorsitzender der Planungskommission sowie von 1970 bis 1971 Stellvertretender Ministerpräsident der Volksrepublik Polen war.

Leben Józef Kulesza, Sohn von Teofil und Aniela, war zunächst zwischen 1938 und 1939 Angestellter bei der Mechanischen Werke AG „Lilpop, Rau und Loewenstein“ in Warschau und während der deutschen Besetzung Polens zwischen 1940 und 1945 Arbeiter im städtischen Abfallwirtschaftsbetrieb in Warschau. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges trat er im Juli 1945 der Polnischen Arbeiterpartei PPR (Polska Partia Robotnicza) als Mitglied bei und war zwischen 1945 und 1949 nacheinander als Angestellter, Büroleiter, Abteilungsleiter sowie zuletzt als Direktor beim Zentralamt der Metallindustrie im Ministerium für Industrie und Handel tätig, wobei er am 15. Dezember 1948 Mitglied der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei PZPR (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza) wurde. Er fungierte zwischen 1949 und 1952 als stellvertretender Leiter sowie anschließend als Leiter der Wirtschaftsabteilung beim Zentralrat der Gewerkschaften CRZZ (Centralna Rada Związków Zawodowych). Während dieser Zeit absolvierte er zugleich von 1952 bis 1955 ein Studium am Institut für Sozialwissenschaften des Zentralkomitees (ZK) der PZPR, das er als Wirtschaftswissenschaftler beendete, und war daraufhin zwischen 1955 und 1958 Sekretär beim CRZZ. 1958 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Gewerkschaften und war damit bis 1968 einer der Vertreter des damaligen Vorsitzenden des CRZZ, Ignacy Loga-Sowiński.

Am 20. Februar 1957 wurde Kulesza für die PZPR zudem Mitglied des Parlaments Sejm und gehörte diesem bis zum 21. Dezember 1971 an, wobei er in der zweiten Legislaturperiode (1957 bis 1961) den Wahlbezirk „Nr. 104 Bolesławiec“ sowie in der dritten, vierten und fünften Legislaturperiode (1961 bis 1965, 1965 bis 1969, 1969 bis 1972) den Wahlbezirk „Nr. 74 Jelenia Góra“ vertrat. Während seiner Parlamentszugehörigkeit war er zwischen 1957 und 1961 zunächst stellvertretender Vorsitzender sowie anschließend von 1961 bis 1969 Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaftsplanung, Haushalt und Finanzen. Auf dem III. Parteitag (10. –19. März 1959) wurde er erstmals zum Mitglied des ZK der PZPR gewählt und gehörte diesem Parteigremium zwölf Jahre bis zum VI.  Parteitag (6. –11. Dezember 1971) an. In der vierten Legislaturperiode fungierte er zwischen 1965 und 1969 des Weiteren als stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Klubs der PZPR im Sejm.

Als Nachfolger von Stefan Jędrychowski übernahm Józef Kulesza am 22. Dezember 1968 in der fünften Regierung von Ministerpräsident Józef Cyrankiewicz. den Posten als Vorsitzender der Planungskommission im Ministerrat (Przewodniczący Komisji Planowania przy Radzie Ministrów) und bekleidete diese Funktion bis zu seiner Ablösung durch Stanisław Majewski am 6. März 1970.„Plenartagung des Sejm. Volkswirtschaftsplan und Staatshaushalt 1969 auf der Tagesordnung“, in: Neues Deutschland vom 21. Dezember 1968„Regierung in Polen umgebildet. Sejm bestätigte Volkswirtschaftsplan und Haushalt für 1969“, in: Neues Deutschland vom 23. Dezember 1968„Planungsorgane DDR-Polen berieten“, in: Neues Deutschland vom 8. Juni 1969„Kolchosstatut in UdSSR erörtert. Polens Industrieproduktion wuchs um 8,9 Prozent“, in: Neues Deutschland vom 12. Oktober 1969

Im Anschluss übernahm er in der sechsten Regierung Cyrankiewicz den Posten eines stellvertretenden Ministerpräsidenten der Volksrepublik Polen (Wiceprezes Rady Ministrów) und behielt diese Funktion vom 23. Dezember 1970 bis zum 13. Februar 1971 auch in der ersten Regierung von Ministerpräsident Piotr Jaroszewicz. Später fungierte er von April 1972 bis Mai 1975 als Staatssekretär (Podsekretarz Stanu) im Ministerium für Kommunalwirtschaft und Umweltschutz sowie anschließend zwischen Mai 1975 und Juli 1980 als Staatssekretär im Ministerium für Verwaltung, Kommunalwirtschaft und Umweltschutz und war als solcher Vertreter der damaligen Minister Jerzy Kusiak (29. März 1972 bis 28. Mai 1975), Tadeusz Bejm (28. Mai 1975 bis 27. März 1976) Emil Wojtaszek (27. März bis 2. Dezember 1976) Maria Milczarek (2. Dezember 1976 bis 8. Februar 1979) sowie Józef Kępa (8. Februar 1979 bis 31. Juli 1981).

Für seine Verdienste in der Volksrepublik Polen wurde Kulesza mehrfach ausgezeichnet und erhielt unter anderem den Orden des Banners der Arbeit Zweiter Klasse und Erster Klasse sowie das Verdienstkreuz in Silber und Gold. Nach seinem Tode wurde er auf dem Powązki-Militärfriedhof in Warschau beigesetzt.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Stellvertretender Regierungschef Kategorie:Minister (Polen) Kategorie:Staatssekretär (Polen) Kategorie:Sejm-Abgeordneter (Volksrepublik Polen) Kategorie:Mitglied der Polska Partia Robotnicza Kategorie:PZPR-Funktionär Kategorie:Gewerkschafter (Polen) Kategorie:Politiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Goldenen Verdienstkreuzes der Republik Polen Kategorie:Träger des Silbernen Verdienstkreuzes der Republik Polen Kategorie:Pole Kategorie:Geboren 1919 Kategorie:Gestorben 1985 Kategorie:Mann