Die Geschichte vom Eselssohn ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (386: Kharaputta-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 371–378, 527–529. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.

Handlung Als einst König Senaka in Benares regierte, war der Bodhisattva als die Gottheit Sakka wiedergeboren worden. König Senaka hatte damals einen Nāga-König vor Kindern gerettet, die Erdklumpen nach diesem geworfen hatten, woraufhin die beiden Freundschaft schlossen. Aus Dank gab der Gerettete dem König ein Nāga-Mädchen, dessen Lust unersättlich war, und eines Tages, als sie sich in einem Lotosteich vergnügten, sah dieses eine Wasserschlange, für die es ihre menschliche Gestalt aufgab, um sich ihr hinzugeben. Da schlug der König es, also beschwerte es sich bei dem Nāga-König, der daraufhin beschloss, den Menschen-König umzubringen. Die mit dem Mord beauftragte Leibgarde des Nāga-Königs vernahm im Schlafgemach des Menschen-Königs allerdings dessen eigene Sicht der Dinge, handelte nicht vorschnell und erstattete Bericht. Da suchte der Nāga-König den Menschen-König auf, entschuldigte sich für sein vorschnelles Handeln und gab ihm als Entschädigung den Zauberspruch der Sprache der Tiere, den er aber Niemanden verraten durfte, sonst würde ihm ein furchtbarer Feuertod zuteil.

Eines Tages, beim Mahl im großen Saal, als vom Kuchen einige Krümel und vom Honig und Zuckersaft ein paar Tropfen auf den Boden fielen, vernahm der König eine Ameise, die seinen Kumpanen aufgeregt zuschrie, dass ein Honigfass geplatzt und ein Kuchen im Saal verstreut sei sowie eine Tonne voller Zuckersaft diesen überschwemme, woraufhin er lachen musste und sich die Königin fragte, warum er dies tat. Später belauschte er zwei Mücken beim angehenden Liebesspiel und auch darüber musste der König vor der Königin lachen, genauso, wie über die Reaktion der Ameisen, als drei Reiskörnchen zu Boden fielen. Die neugierige Königin befragte später, im Schlafgemach, ihren Mann dazu und bedrängte ihn auch während des Liebesspiels, sodass er ihr von seiner Fähigkeit berichtete. Der Königin verlangte es sofort danach, den Zauberspruch zu kennen, und selbst, als der König ihr mitteilte, dass er dafür sterben müsse, bestand sie auf ihren Wunsch. Also begab sich der bekümmerte, von seinem Weibe abhängige König noch einmal auf seinen Wagen in den Park.

Der Gott Sakka nahm dies alles wahr und beschloss, das Leben des Königs zu retten. Er verwandelte zu diesem Zweck das Asura-Mädchen Suja in eine Ziege und sich selbst in einen Ziegenbock und tat vor dem Sindhu-Ross des Königs so, als wöllte er die Ziege begatten. Das Ross empörte sich daraufhin über die fehlende Diskretion, woraufhin der Ziegenbock es einen Eselssohn nannte, da es dem Menschen diene und nicht frei lebe; jedoch sei es nicht so töricht, wie der König Senaka, der seine Macht wegen eines Weibes aufgebe. Der König verstand die Worte des Bodhisattvas und folgte dessen Rat, indem er seine Frau so lange verprügelte, bis diese den Zauberspruch nicht mehr hören wollte. Anschließend jagte er sie, die ihn sterben lassen wollte, fort.

Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 386 (Kharaputta-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte vom Eselssohn. Auch im Christentum findet sich das Motiv der Fähigkeit die Sprache der Tiere zu verstehen und zu sprechen, wofür nach Mehlig Franz von Assisi das bekannteste Beispiel sei. Varianten aus Indien stehen im Harivamśa (1275), dem Anhang zum Mahābhārata, im Rāmāyana (2. Buch, 35. Kapitel) und in einer tamulischen Version der Vetālapancavimśati (Miscellaneous Translations from Oriental Languages, Vol I, London 1831, Titel: Vedala Cadai, 9. Erzählung, S. 55 ff.) geschrieben. Ebenfalls enthalten ist es in Georg Rosens Tuti-Nameh – Das Papageienbuch, dessen türkische Version sich im Westen verbreitete. Die Sprache der Tiere wurde mit den Märchen von König Salomon auch im Alten Testament thematisiert (Eisenmenger: Entdecktes Judentum, II. 441). Auch im Koran findet sich der Stoff (XXVII, 16–19), wo Salomon über Ameisen lachen muss. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Vom König, der die Tiersprache verstand.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 198–203.

Zu vergleichen ist Der Jäger und die Schlange.

Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 371–378, 527–529. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 198–203.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka