mini|Mausoleum Riedemann, 2026
Das Mausoleum Riedemann ist ein als Kulturdenkmal geschütztes Grabmal auf dem Hauptfriedhof Ohlsdorf in Hamburg. Die Architekten Martin Haller und Herrmann Geißler errichteten es in den Jahren 1905/06.
Familiärer Hintergrund Der Auftraggeber für das Mausoleum war der in Meppen geborene Wilhelm Anton Riedemann. Nach einem gescheiterten Versuch seiner Eltern, in den Vereinigten Staaten ansässig zu werden, kehrte die Familie verarmt nach Deutschland zurück. Riedemann machte zunächst eine kaufmännische Lehre zum Papier- und Farbenvertreter. Ein kleiner Kramladen und eine Agentur für Inkasso- und Speditionsgeschäfte waren 1863 der Grundstein für seinen späteren Einstieg in den Handel mit Petroleum. Ab 1867 bereederte er eigene Schiffe und 1885 ließ er mit der Glückauf das erste seegehende Öltankschiff moderner Bauart der Welt bauen. 1890 gründete er zusammen mit John D. Rockefeller und den Bremer Kaufleuten Franz und Carl Schütte die Deutsch-Amerikanische Petroleum Gesellschaft, die 1950 in ESSO umbenannt wurde.logbuch-bremerhaven.de: „Wilhelm Anton Riedemann: Von einem der auszog, Esso zu gründen“, vom 16. Juni 2022, abgerufen am 3. Mai 2026 1917 zog Riedemann nach Savosa im Bezirk Lugano in der Schweiz um, wo er 1920 verstarb und beigesetzt wurde. Die in Sorengo von Rino Tami und Carlo Tami 1938 errichtete Grabanlage () ist ebenfalls als Kulturdenkmal ausgewiesen.savosa.ch: "Piano regolatore del Comune di Savosa" PDF Seite 28, abgerufen am 3. Mai 2026Beschreibung der Grabanlage in der Schweiz, abgerufen am 3. Mai 2026
Geschichte des Mausoleums mini|Inschrift am Sarkophag von Sophie Riedemann Der Entwurf für das Mausoleum wurde von Martin Haller für den Kaufmann Carl Heinrich „Charles“ von Schröder erstellt. Haller war einer der Architekten des Hamburger Rathauses. Schröder gefiel der Entwurf nicht. Er ließ stattdessen sein Mausoleum 1906 nach einem Entwurf von Edmund Gevert errichten. Der Entwurf von Haller wurde an die Familie Riedemann weitergegeben.Barbara Leisner / Helmut Schoenfeld: Der Ohlsdorf-Führer Spaziergänge über den größten Friedhof Europas. Hans Christians Verlag, Hamburg 1993 S. 80
1905 ließ Riedemann das Mausoleum für seine vierzehn Jahre zuvor mit sechzehn Jahren verstorbene Tochter Sophie (31. Oktober 1874 – 28. Mai 1891) errichten. Am 20. April 1909 erfolgte ihre Umbettung zusammen mit drei weiteren, früher verstorbenen Geschwistern vom Friedhof in Geestemünde nach Ohlsdorf. Später wurde das Mausoleum Ruhestätte weiterer Familienangehöriger wie des Bruders des Erbauers, Heinrich Nikolaus Riedemann. Insgesamt wurden sieben Personen in der Krypta unter dem Mausoleum bestattet. Die Gesamtkapazität der Gruftanlage ist in den Quellen mit 35 bis 39 Personen angegeben.sueddeutsche.de: „Ein Mausoleum ohne Tote auf dem Ohlsdorfer Friedhof“, vom 11. Juli 2022, abgerufen am 24. Mai 2026Barbara Leisner, Heiko K. L. Schulze, Ellen Thormann: Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf Geschichte und Grabmäler Hans Christians Verlag, Hamburg 1990 S. 67
1950 wurden alle im Mausoleum bestatteten Personen dann in das Familienmausoleum in Sorengo umgebettet. Weder Wilhelm Anton Riedemann noch seine Frau Sophie wurden jemals im Hamburger Mausoleum bestattet.welt.de: „Wenn die Toten das Mausoleum verlassen“, vom 11. Juli 2022, abgerufen am 24. Mai 2026 Seit dem 5. April 2013 steht das Mausoleum unter der Nummer 43997 in der Hamburger Denkmalliste.Denkmalliste vom 05. April 2013, Auszug für den Bezirk Hamburg-Nord, Stand: 18.11.2025 (Seite 458), abgerufen am 26. Mai 2026
Baubeschreibung mini| mini|Grundriss des Innenraums Das Mausoleum ist mit einer Gesamtfläche von 222 m² nach dem Mausoleum von Schröder das zweitgrößte Mausoleum auf dem Friedhof Ohlsdorf. Es ist auf der Übersichtskarte des Friedhofs im Planquadrat AD11 zu finden.Plan Parkfriedhof Ohlsdorf, abgerufen am 26. Mai 2026 Das neoromanische Gebäude ist als Zentralbau mit kreuzförmigem Grundriss angelegt. Die Eingangsseite und der nördliche und der südliche Flügel haben jeweils einen Spitzgiebel mit aufsitzendem Kreuz. Der östliche Flügel wurde als Apsis mit Fünfachtelschluss ausgeführt. In seinen Winkeln zu den Querflügeln sind kleine Treppentürmchen gebaut. Umlaufend sind die Giebel mit Lisenen verziert. Das Eingangsportal und die großen Fenster in den Seitenflügeln wurden mit Rundbögen ausgeführt. Die Fenster werden von Maßwerk geschmückt und nutzen dabei romanische Rundbögen. Der Mittelturm über dem Mausoleum ist als Oktagon mit einem Pyramidendach ausgeführt. Gekrönt wird es mit einem Kreuz in Form eines Lazaruskreuzes. Die Wände des Turms enthalten jeweils drei rechteckige Fenster. Das Hauptportal ist als Stufenportal ausgeführt. Auf beiden Seiten gibt es jeweils zwei gewirtelte Säulen mit Würfelkapitellen. Der Rundbogen besteht aus Archivolten mit einem Tauband. Das Tympanon trägt ein farbiges Mosaik mit Maria, rote Rosen und darunter die Inschrift „Familie Riedemann“. Die unter dem Mausoleum befindliche Krypta ist durch eine Treppe im Innenraum zugänglich. Durch die Lage am Hang ist von der Rückseite im Osten auch eine Möglichkeit vorgesehen, bei Bestattungen direkt in die Krypta zu gelangen. Dieser Zugang und die Fenster zur Krypta sind momentan zugemauert.
Innenraum und Fenster mini|Innenraum Beim Eintritt in den Innenraum sieht man vor sich die durch eine Stufe räumlich abgegrenzte Apsis. Darauf befindet sich der Altarblock mit einer Marmorgruppe mit den drei Frauen und einem Engel am leeren Grab Christi. Dahinter ist ein Rundbogen mit der Inschrift „Den – ihr – sucht – der – ist – auferstanden – er – ist – nicht – hier.“ Die Apsis, der Hauptraum und die Seitenflügel sind mit Kreuzrippengewölben ausgestattet. Sie sind farbig bemalt. Das Apsisgewölbe ist vollständig blau ausgemalt und mit der Darstellung von Sternen bedeckt. Die großen Bleiglasfenster zeigen Szenen aus dem Leben von Jesus und haben alle einen Bezug zur Auferstehung. Das Fenster im Norden zeigt die Szene mit dem Jüngling von Naïn, nachdem dieser von den Toten erweckt worden war. Das Fenster im Nordosten stellt die Begegnung von Jesus mit Maria Magdalena nach seiner Auferstehung dar. Im Südostfenster wird die Begegnung von Jesus mit den beiden Jüngern in Emmaus nach seiner Auferstehung thematisiert. Das ursprüngliche Fenster im Süden ist nicht erhalten. Thema war die 12-jährige Tochter des Jaïrus, die von Jesus von den Toten auferweckt wurde.
Das Kryptengeschoss greift die Form des darüberliegenden Hauptgeschosses auf. In den drei rechteckigen Nebenräumen befinden sich jeweils 12 Gruftkammern. Zusammen mit den Kammern im nördlichen Türmchen gibt es 39 Kammern. Die Decke der Krypta ist bemalt.unter-hamburg.de: Führung durch das „Riedemann-Mausoleum“ auf dem Ohlsdorfer Friedhof., abgerufen am 25. Mai 2026
mini|Portal von Klaus Bösselmann
Außenbereich Ursprünglich erreichte man das Mausoleum über eine 1907 errichtete, geschwungene, zweiarmige Freitreppe von Westen.hamburg-bildarchiv.de: Foto der Treppe von 1907, abgerufen am 25. Mai 2026hamburg-bildarchiv.de: Foto der Treppe von 1909, abgerufen am 25. Mai 2026 Der Entwurf stammt von Wilhelm Cordes. Die Treppe wurde 1959 entfernt und eingelagert. Heute dient dieser Bereich als anonymes Urnenfeld. Innerhalb von 15 Jahren wurden dort 15.000 Urnen beigesetzt.hamburg-stadtführung.de: Friedhofspark Ohlsdorf, abgerufen am 25. Mai 2026 Teil dieses Bereichs ist ein 1980 von Klaus Bösselmann geschaffenes Portal mit der Bezeichnung „Werden, Sein, Vergehen“.fredriks.de: Anonymer Urnenhain und Mausoleum Riedemann, abgerufen am 25. Mai 2026sh-kunst.de: "Klaus Bösselmann: Werden, Sein, Vergehen, abgerufen am 25. Mai 2026
Literatur Barbara Leisner, Heiko K. L. Schulze, Ellen Thormann: Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf. Geschichte und Grabmäler. Band 2 (Hamburg-Inventar / Themenreihe) Hans Christians Verlag, Hamburg 1990, Seite 67
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Kulturdenkmal in Hamburg-Ohlsdorf Riedemann Kategorie:Bauwerk des Historismus in Hamburg Kategorie:Bauwerk aus Stein Kategorie:Erbaut 1905