Irma Rothstein (* 19. März 1896 in Rostow am Don; † 11. Mai 1971 in New York City) war eine im Russischen Kaiserreich geborene US-amerikanische Bildhauerin und Keramikerin.
Werdegang Irma Rothstein wurde als Tochter des Kaufmanns und kaiserlichen Rates Emil Rothstein (1863–1919) und dessen Ehefrau Josephine Rothstein, geb. Horowitz, in Rostow am Don geboren. Sie hatte einen älteren Bruder, Erwin (1895–1944). Ihre Mutter starb zwischen 1896 und 1900, als Irma Rothstein noch ein Kleinkind war. Ihr Vater war ab Juli 1900 in zweiter Ehe mit der Wiener Kaufmannstochter Irma Segalla (1871–1922) verheiratet. Aus dieser Ehe stammten ihre zwei Halbschwestern Fanny (1901–1908) und Eugenie, genannt Jenny (1904–1958). Irma Rothstein wuchs in einer jüdischen großbürgerlichen, liebevollen Familie auf, die bis 1914 in Rostow am Don und in Wien lebte und jährlich zum Sommeraufenthalt nach Bad Ischl reiste.
Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges lebte die Familie dauerhaft in Wien. Irma Rothstein studierte zunächst an der Kunstschule für Frauen und Mädchen Plastik bei Richard Kauffungen und von 1920 bis 1922 an der Staatlichen Kunstgewerbeschule Wien. Dort belegte sie Kurse für Allgemeines Aktzeichnen bei Erich Mallina und besuchte die Fachklasse für Bildhauerei bei Anton Hanak, in den Schuljahren 1920/1921 und 1921/1922 noch als Hospitantin, in ihrem dritten Schuljahr als ordentliche Schülerin. Sie blieb ihm als Privatschülerin bis zu seinem Tod verbunden, auch wenn sie seine erotischen Avancen nicht erwiderte. Ein Jahr lang lernte sie zudem in der Werkstatt des Holzbildhauers Jakob Adelhart in Hallein. Danach war sie in Wien als Bildhauerin tätig. Sie fertigte auch kunstgewerbliche Arbeiten für die Porzellanmanufaktur Augarten. Ihr Atelier hatte sie von 1930 bis 1936 im Gebäude Nr. 7 der Breitenseer Kavalleriekaserne in der Montleartstraße 1 im 14. Wiener Bezirk und von 1937 bis zu ihrer Emigration in der Barawitzkagasse 15 im 19. Wiener Bezirk.
Im Oktober 1938 floh Irma Rothstein vor der Judenverfolgung nach dem Anschluss Österreichs und emigrierte über Rotterdam in die Vereinigten Staaten. In New York fand sie rasch Anschluss an die amerikanische Kunstszene und stellte ab 1939 regelmäßig aus. Im Februar 1944 erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft. Ihr Bruder Erwin wurde in Deutschland durch die Gestapo verhaftet und 1944 ermordet. Irma Rothstein arbeitete in ihrem Atelier als Bildhauerin und unterrichtete daneben bis zum Sommer 1945 am Halloran Hospital, Unit of Arts and Skills Corps, American Red Cross. Von 1945 bis 1952 lehrte sie am City College New York und gab danach Privatunterricht. 1954 erhielt sie den Amelia-Peabody-Preis der National Association of Women Artists. Sie hatte im Mai 1971 in ihrem Haus in der 17 East 31st Street einen Herzinfarkt und starb im Bellevue Hospital Center in New York City.
Künstlerische Arbeit Irma Rothstein schuf groß- und kleinformatige Skulpturen aus Bronze, Draht, Stein, Holz und Ton. Zu ihren Werken gehörten Einzelfiguren, (Frauen)Gruppen, Köpfe sowie eine große Anzahl von Büsten bekannter Autoren, Musiker und weiterer Artisten. Ab Ende der 1940er Jahre vollzog sie eine stilistische Wandlung „von einem dekorativen Stil zugunsten einfacher Formen und Rhythmen, welche Innenleben und Empfindungen eines Menschen wie Glauben, Hunger, Heimweh auszudrücken vermögen“.
Irma Rothstein engagierte sich in landesweiten Kunstvereinigungen. Sie war unter anderem Mitglied der Wiener Frauenkunst, der Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ), der National Sculpture Society, des Jewish Women Forum, im American Craftsmen Council und bei der Sculpture Architectural League.
Werke von Irma Rothstein befinden sich in US-amerikanischen und europäischen Museumssammlungen, unter anderem im Newark Museum of Art, im Syracuse Museum, im George Walter Vincent Smith Art Museum in Springfield und im New Britain Museum of American Art. Teile ihres Nachlasses befinden sich in den Smithsonian’s Archives of American Art, im Langenzersdorf Museum in Niederösterreich und im Kunsthandel Roland Widder in Wien.
Ausstellungen (Auswahl) 1925: Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes. Paris 1927: Wiener Kunstschau 1930: Wiener Frauenkunst. Ausstellung des Verbandes bildender Künstlerinnen, Wien 1931: Die schaffende Österreicherin in Bild und Werk. Ausstellung anlässlich des internationalen Frauenkongresses in Wien 1939/1940: 1939 New York World’s Fair, New York 1940: Jahresausstellung der Associated American Artists Galleries, New York 1954: Solomon R. Guggenheim Museum, New York 1965: National Academy Museum and School, New York 1971: Jahresausstellung der National Academy Museum and School, New York 2016/2017: Die bessere Hälfte. Jüdische Künstlerinnen bis 1938. Jüdisches Museum Wien 2024: Bella Figura. Langenzersdorf Museum
Literatur
Weblinks Website zu Irma Rothstein
Einzelnachweise Rothstein, Irma. In: Österreichische Galerie Belvedere. Abgerufen am 1. Mai 2026
Irma Rothstein. In: Leo Baeck Institut. The Edythe Griffinger Portal. Abgerufen am 1. Mai 2026
Wilfried Bursch: Irma Rothstein: Bildhauerin in Wien und New York: Zusammenfassung. Kunsthandel Widder, Wien, S. 3. In: kunsthandelwidder.com. Abgerufen am 1. Mai 2026
Wilfried Bursch: Irma Rothstein: Bildhauerin in Wien und New York: Biografische Angaben. Kunsthandel Widder, Wien, S. 7–10. In: kunsthandelwidder.com. Abgerufen am 1. Mai 2026
Wilfried Bursch: Irma Rothstein: Bildhauerin in Wien und New York: Biografische Angaben. Kunsthandel Widder, Wien, S. 11. In: kunsthandelwidder.com. Abgerufen am 1. Mai 2026
Wilfried Bursch: Irma Rothstein: Bildhauerin in Wien und New York: Irma Rothstein. Schülerin des Monumentalbildhauers Anton Hanak. Kunsthandel Widder, Wien, S. 13–23. In: kunsthandelwidder.com. Abgerufen am 1. Mai 2026
Wilfried Bursch: Irma Rothstein: Bildhauerin in Wien und New York: Irma Rothstein. Œuvre und Rezeption. Kunsthandel Widder, Wien, S. 24–30. In: kunsthandelwidder.com. Abgerufen am 1. Mai 2026
Wilfried Bursch: Irma Rothstein: Bildhauerin in Wien und New York: Kunst – Frauenkunst – Kunstgewerbe? Kunsthandel Widder, Wien, S. 31–32. In: kunsthandelwidder.com. Abgerufen am 1. Mai 2026
Wilfried Bursch: Irma Rothstein: Bildhauerin in Wien und New York: Ausstellungen, Auszeichnungen, Mitgliedschaften. Kunsthandel Widder, Wien, S. 38–40. In: kunsthandelwidder.com. Abgerufen am 1. Mai 2026
Werke von: Irma Rothstein. In: New Britain Museum of American Art. Abgerufen am 1. Mai 2026
„Bella Figura“: Den Künstlern ging es nicht nur um Schönheit. In: Niederösterreichische Nachrichten vom 15. September 2024. Abgerufen am 1. Mai 2026
Irma Rothstein, a sculptur here. In: The New York Times vom 13. Mai 1971. Abgerufen am 1. Mai 2026
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