mini|Leuchtende Hutoberseite (Draufsicht) mini|Exemplare in Coolum Beach, Queensland, Australien Der Grünleuchtende Helmling (Mycena chlorophos), umgangssprachlich auch „Grüner Pepe“Vgl. z. B. die so beschrifteten Fotos auf alarmy.de bzw. englisch „Green Pepe“Vgl. z. B. green pepe auf iNaturalist. Die Bezeichnung pepe bezeichnet im japanischen dialektalen Sprachgebrauch einen kleinen Pilz oder Waldgeist, vgl. Green Pepe (Mycena chlorophos) auf out-grow.com, wie unter Weblinks. genannt, ist eine biolumineszente Pilzart aus der Familie der Helmlingsverwandten (Mycenaceae). Es handelt sich um einen der bestuntersuchten Leuchtpilze, dessen Genom mittlerweile sequenziert ist.Vgl. Green Pepe (Mycena chlorophos) auf out-grow.com, wie unter Weblinks.

Merkmale Makroskopische Merkmale Der Hut ist 10–27 mm breit, jung kegelig bis glockig, später flach-konvex, oft mit kleinem Buckel oder leicht eingedrückt. Sein Rand ist gerieft bis gefurcht und bei Feuchtigkeit schmierig. Die Grundfarbe des Hutes ist Gelblich- bis Graubraun, zum Rand hin heller bis fast Weißlich. Die Lamellen sind schmal angewachsen bis frei, dicht bis etwas entfernt stehend und weiß ohne auffällig gefärbte Schneiden. Der Stiel (15–25 × 1–2(–3) mm) ist schlank, hohl, biegsam, weißlich bis grauweiß, zur Basis hin bräunlich; diese hat eine kleine, kissenförmige Scheibe. Der Pilz riecht stechend chemisch nach Chlor oder Ammoniak.Desjardin et al., Luminescent Mycena, S. 175.

Mikroskopische Merkmale Die Sporen sind breit-ellipsoid, glatt, hyalin, amyloid und dünnwandig; sie messen 7–9 × 5–6 µm. Die Sporenpulverfarbe ist weiß. Die Basidien (22–30 × 7,5–8,5 µm) sind keulig, viersporig und mit Schnallen versehen. Cheilozystiden (44–100 × 11–22 µm) sind zahlreich vorhanden, spindelig bis bauchig geformt und oft mit zugespitzter oder verlängert ausgezogener Spitze. Pleurozystiden fehlen.

Verbreitung Die Art ist in Japan (1860), Mikronesien (1939), auf der malaiischen Halbinsel (1954), in Papua-Neuguinea (1978), Borneo (1992) sowie bis nach Australien (1979) und Sri Lanka (1986) nachgewiesen; die genannten Jahreszahlen beziehen sich auf die jeweiligen Erstpublikationen. In der Neuen Welt wird die Art seit 1954 aus Brasilien gemeldet und seitdem als pantropisch angesehen.Desjardin et al., Luminescent Mycena, S. 173.

Ökologie und Phänologie Der Grünleuchtende Helmling wächst als Saprobiont gesellig auf Totholz, z. B. abgefallenen Ästen oder Baumstümpfen.Desjardin et al., Luminescent Mycena, S. 176. Auf den japanischen Inseln Hachijō-jima und Ogasawara-guntō wachsen die Fruchtkörper überwiegend auf verrottenden Blattstielen der Zwerg-Dattelpalme. Der Pilz fruktifiziert nur bei ausreichender Feuchtigkeit, z. B. auf Hachijō-jima nur während der Regenzeiten (Juni/Juli und September/Oktober), meist am Tag nach einem schweren Regen, wenn die relative Luftfeuchtigkeit ca. 88 % beträgt.Hisashi Niitsu, Nobuo Hanyuda: Fruit-body production of a luminous mushroom, Mycena chlorophos, in: Mycoscience Bd. 41/6, 15 Dezember 2000, S. 559–564. (DOI:10.1007/BF02460921)

Biolumineszenz Die Biolumineszenz ist bei jungen Fruchtkörpern von Mycena chlorophos am stärksten ausgeprägt und nimmt nach drei Tagen deutlich ab.Hisashi Niitsu, Nobuo Hanyuda, Yukihiro Sugiyama: Cultural properties of a luminous mushroom, Mycena chlorophos, in: Mycoscience Bd. 41/6, 15 Dezember 2000, S. 551–558. (DOI:10.1007/BF02460920) Hut und Stiel leuchten stark gelblich-grün, der Stiel schwach, ebenso in Kulturen das Myzel. Die Biolumineszenz von Pilzen (Foxfire) beruht auf der enzymatischen Oxidation des Leuchtstoffs Luziferin, wobei Licht im grünlichen Spektralbereich entsteht. Als biologische Funktion wird vor allem die Anlockung von Insekten zur Sporenverbreitung diskutiert.Virginia Zahn: Leuchtpilze: Infos, Bilder & Anbau-Anleitung. (online)

Genom Für die Art liegt seit 2020 eine hochqualitative Genomsequenz vor. Das haploide Genom von Mycena chlorophos umfasst etwa 50,9 Megabasen und ist damit deutlich kleiner als das anderer untersuchter Arten der Gattung (z. B. M. sanguinolenta mit etwa 167 Megabasen). Es enthält zudem einen vergleichsweise geringen Anteil repetitiver DNA. Trotz dieser kompakten Genomstruktur weist die Art Mycena chlorophos eine besonders intensive Biolumineszenz auf. Die vergleichende Genomanalyse mehrerer Mycena-Arten ergab auch, dass deren Biolumineszenz auf einem Luciferase-Gencluster beruht, das bereits vor etwa 160 Millionen Jahren in einem gemeinsamen Vorfahren entstand. Die zugehörigen Gene sind besonders in den Fruchtkörpern aktiv. Im Verlauf der Evolution ging das Luciferase-Gencluster jedoch bei den meisten Mycena-Arten wieder verloren, da es vermutlich in genetisch instabilen Genombereichen liegt und daher anfällig für Umlagerungen war.Huei-Mien Ke, Hsin-Han Lee, Chan-Yi Ivy Lin, Isheng Jason Tsai: Mycena genomes resolve the evolution of fungal bioluminescence. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (pnas) Bd. 117 Nr. 49, 23. November 2020, S. 31267–31277. (online).

Verwendung Die Essbarkeit des Grünleuchtenden Helmlings ist ungeklärt; es gibt auch keine gesicherten Angaben zu einer möglichen Toxizität. Die Art wird aufgrund ihrer geringen Größe und fehlender Nutzungstradition nicht als Speisepilz verwendet. Dafür fand der Pilz folkloristische Beachtung; so wurde berichtet, dass leuchtende Fruchtkörper auf den Bonin-Inseln, Japan, gelegentlich als Haarschmuck verwendet wurden. Zudem wurde die Art auf einer Briefmarke aus Westsamoa (1985) abgebildet.

Entdeckung Die Art wurde erstmals 1860 von Miles Joseph Berkeley und Moses Ashley Curtis beschrieben und Agaricus chlorophos benannt. Grundlage für die Erstbeschreibung war Material, das Charles Wright auf den Bonin-Inseln im Rahmen der U.S. North Pacific Exploring Expedition (auch Rodgers-Ringgold-Expedition genannt; 1853–1856) gesammelt hatte. Pier Andrea Saccardo überführte die Art später in die Gattung Mycena.

Etymologie Das Art-Epitheton chlorophos ist aus den altgriechischen Wörtern χλωρός chlōrós „grünlich gelb“ und φῶς phōs „Licht“ gebildet.Vgl. Wilhelm Gemoll: Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch, Nachdruck der 9. Aufl. München: Oldenbourg 1991, S. 778 und 805.

Literatur Dennis E. Desjardin, Brian E. Perry, D. Jean Lodge, Cassius V. Stevani, Eiji Nagasaawa: Luminescent Mycena: New and noteworthy species, in: Mycologia 102 (2), 2010, S. 459–477. (DOI:10.3852/09-197).

Weblinks

Green Pepe (Mycena chlorophos) auf out-grow.com Green Pepe (Mycena chlorophos) auf ultimate-mushroom.com

Siehe auch Liste von biolumineszenten Pilzen

Einzelnachweise

Kategorie:Helmlinge