mini|Nordamerikanische Exemplare in East Palestine, Ohio, USA Der Rötende Erdstern oder Rotbraune Erdstern (Geastrum rufescens, Syn. Geastrum vulgatum) ist eine Pilzart aus der Familie der Erdsternverwandten. Es handelt sich um eine in Europa zerstreut vorkommende Erdsternart, die lokal häufig sein kann.
Merkmale Makroskopische Merkmale Die Fruchtkörper sind 3–5 cm breit; geöffnet haben sie einen Durchmesser von bis zu 10 cm. Junge Fruchtkörper sind weißlich-beige, laufen dann fleischrosa an und werden im Alter rotbraun. Die Außenhülle (Exoperidie) ist bis 5 mm dick und reißt bei Reife sternförmig in 5–9 rosabraune Lappen auf, die sich bis zum Boden wölben und die 2–4 cm breite, kurzstielige und flach aufsitzende innere Knolle (Endoperidie, Staubkugel) freigeben.Winkler/Keller, Pilze Mitteleuropas, S. 106. Die Oberseite der Exoperidie kann bei Verletzung deutlich röten.Dörfelt, Erdsterne, S. 56f. Im Scheitel der inneren Knolle befindet sich eine Sporenöffnung (Peristom), die bewimpert, aber ohne Hof ist.Gminder/Karasch, Kosmos-Handuch Pilze, S. 634.
Mikroskopische Merkmale Das Sporenpulver ist rotbraun; die rundlichen, feinwarzigen Sporen haben einen Durchmesser von 3,5 bis 5,5 µm.Gerhardt, Pilzführer, S. 614.
Ökologie und Phänologie Die Fruchtkörper erscheinen von Juli bis November einzeln oder in kleinen Gruppen in Laub-, Misch- und Nadelwäldern sowie in Gebüschen. Der Pilz ist nach H. Dörfelt pH-indifferent (bodenvag) und nur bis etwa 550 m ü. M. Höhe anzutreffen,Dörfelt, Erdsterne, S. 57. nach anderen Angaben findet man die Art gern in basenreichen Fichten- und Kiefernwäldern und bis in hochmontane Lagen. In Baden-Württemberg entdeckte Krieglsteiner den Pilz von ca. 100 m NN in der Oberrheinebene bis 920 m NN in der Südwestalb;Krieglsteiner, Großpilze, S. 118. dabei bevorzugte er Kalkboden und andere nicht sehr arme, etwas stickstoffhaltige Böden.Krieglsteiner, Großpilze, S. 117.
Verbreitung Der Rötende Erdstern tritt vom Mittelmeergebiet bis nach Mittelschweden und Südfinnland auf. Der Verbreitungsschwerpunkt liegt im subozeanischen Breitlaubwaldgebiet. Außer in Europa kommt der Pilz in Japan, China, Nordamerika, Mexiko, Zaire und Sibirien vor.
Artabgrenzung Der Rötende Erdstern kann mit anderen Erdsternen mit kurzstieliger oder ungestielter Knolle verwechselt werden. Dem Gewimperten Erdstern fehlen jedoch die Rottöne, und die Außenhaut des Halskrausen-Erdsterns ist zweischichtig und bildet einen Kragen, während die des Rötenden Erdsterns einschichtig und ohne Kragen ist.Winkler/Keller, Pilze Mitteleuropas, S. 97. Auch eine Verwechslung mit dem Dunklen Erdstern ist möglich, dessen Oberseite jedoch mehr graubraun ist; zudem ist dessen Staubkugel stahlgrau und trocken deutlich gestielt. Auch erscheint der Dunkle Erdstern später, erst im Oktober bis November.Dörfelt, Erdsterne, S. 61.
Verwendung Wie alle Erdsterne ist der Pilz ungenießbar.Cetto, Enzyklopädie der Pilze Bd. 4, S. 363.
Etymologie Das Art-Epitheton rufescens (lat.: „rötlich werdend“) bezieht sich auf die Eigenschaft der Außenhülle, bei Verletzung zu röten; das alternative Art-Epitheton vulgatum (lat.: „gewöhnlich, verbreitet“) ist von der lokalen Häufigkeit des Pilzes abgeleitet.
Literatur Bruno Cetto: Enzyklopädie der Pilze, Band 4, München: BLV Verlagsgesellschaft 1988, ISBN 3-405-13473-0, S. 362f. Heinrich Dörfelt: Die Erdsterne. Geastraceae und Astracaceae. A. Ziemsen Verlag, 2. Aufl. Wittenberg 1989, ISBN 3-7403-0230-5, bes. S. 56f. Ewald Gerhardt: Der große BLV Pilzführer, 6. Aufl. München: Gräfe und Unzer 2022, ISBN 978-3-96747-012-3, S. 614f. Andreas Gminder, Peter Karasch: Das Kosmos-Handbuch Pilze, Stuttgart: Kosmos 2023, ISBN 978-3-440-17027-4, S. 634f. German Josef Krieglsteiner (Hrsg.): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 2, Stuttgart: Ulmer 2000, ISBN 3-8001-3531-0, S. 117f. Rudolf Winkler, Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas. 3800 Pilzarten schrittweise bestimmen. Bern: Haupt 2023, ISBN 978-3-258-08101-4, S. 79f.
Weblinks
Der Rötende Erdstern auf 123pilze
Einzelnachweise
Kategorie:Ständerpilze Kategorie:Ungenießbarer Pilz