mini|Das Schloss von Varakļāni Das Schloss Varakļāni (lettisch: Varakļānu muižas pils) ist ein schlossartig ausgebautes Herrenhaus in Varakļāni (deutsch: Warkland oder Warkelen) in Lettgallen, im Osten Lettlands. Es gilt als einer der herausragenden Bauten des frühen Klassizismus in Lettland.Varakļāni Municipality Museum, abgerufen am 30. April 2026.

Geschichte 1483 kam ein Zweig der deutschbaltischen, in Kurland ansässigen Familie von der Borch in den Besitz des Dorfes Varakļāni (Warkland) und der umliegenden Ländereien.Hermann von Bruiningk, Nicolaus Busch (Hrsg.): Livländische Güterurkunden, Band 1: Aus den Jahren 1207 bis 1500. Jonck & Poliewsky, Riga 1908, Urkunde 554, S. 515–516, hier S. 515. Graf Michael von der Borch (1753–1810), ein Offizier und hochrangiger Beamter in den Diensten des Königs von Polen-Litauen, der in Varakļāni geboren war, ließ im Osten des Ortes in den Jahren von 1783 bis 1789 ein bis heute als „Schloss“ (lettisch: pils) bezeichnetes Herrenhaus errichten.

Nach dem Tod Graf Michael von der Borchs bewohnte sein Sohn Graf Karl von der Borch (1798–1861) das Schloss.Jānis Piļpuks: Borhu Laikmets Varakļānu Novadā. In: Konrāds Sondors, Ādolfs Borbals, Artūrs Garančs (Hrsg.): Varakļāni un varakļānieši. Kultūrvēsture, atmiņas, apcerējumi. Latgales Kultūras Centra Izdevniecība, Rēzekne 2003, S. 15–18, hier S. 16. Danach erbte dessen Tochter Maria das Schloss und das Gut. Da sie in die Familie Sanguszko eingeheiratet hatte, lebte sie nicht mehr dauerhaft im Schloss, sondern verpachtete das Gut. Auch die nächste Erbin, Teresa Sanguszko (1864–1954), die in die Familie Sapieha eingeheiratet hatte, kam nur noch zu Besuch.Jānis Piļpuks: Borhu Laikmets Varakļānu Novadā. In: Konrāds Sondors, Ādolfs Borbals, Artūrs Garančs (Hrsg.): Varakļāni un varakļānieši. Kultūrvēsture, atmiņas, apcerējumi. Latgales Kultūras Centra Izdevniecība, Rēzekne 2003, S. 15–18, hier S. 17. Das reichhaltige Guts- und Familienarchiv von der Borch war im Ersten Weltkrieg in Sigulda ausgelagert. Sein Verbleib ist ungewiss.Hermann von Bruiningk (Hrsg.): Livländische Güterurkunden, Band 2: Aus den Jahren 1501 bis 1545. Jonck & Poliewsky, Riga 1923, S. XXI. 1918 waren deutsche Truppen im Schloss einquartiert.

Im Zuge der Agrarreform verstaatlichte die Republik Lettland 1920 das Schloss.Jānis Piļpuks: Borhu Laikmets Varakļānu Novadā. In: Konrāds Sondors, Ādolfs Borbals, Artūrs Garančs (Hrsg.): Varakļāni un varakļānieši. Kultūrvēsture, atmiņas, apcerējumi. Latgales Kultūras Centra Izdevniecība, Rēzekne 2003, S. 15–18, hier S. 18. Im Folgejahr wurde darin ein Gymnasium eingerichtet.Jānis Piļpuks: Ieskats Varakļānu Skolu Vēsture. In: Konrāds Sondors, Ādolfs Borbals, Artūrs Garančs (Hrsg.): Varakļāni un varakļānieši. Kultūrvēsture, atmiņas, apcerējumi. Latgales Kultūras Centra Izdevniecība, Rēzekne 2003, S. 102–107, hier S. 103. Im Zweiten Weltkrieg nutzte die Wehrmacht ab 1942 das Schloss als Lazarett.Jānis Piļpuks: Ieskats Varakļānu Skolu Vēsture. In: Konrāds Sondors, Ādolfs Borbals, Artūrs Garančs (Hrsg.): Varakļāni un varakļānieši. Kultūrvēsture, atmiņas, apcerējumi. Latgales Kultūras Centra Izdevniecība, Rēzekne 2003, S. 15–18, hier S. 105. Nach der zweiten Besetzung Lettlands durch die Sowjetunion 1944/1945 und der Beseitigung der Kriegsschäden waren bis 1961 im Schloss die höheren Klassen der Mittelschule untergebracht.

Architektur mini|Der Mittelbau des Schlosses von der Südseite Die Pläne des Schlosses hatte der italienische Architekt Vincenzo de Mazotti (1756–1798)Zu Vincenzo Mazotti (auch: Vincenzo de Mazotti): entworfen.Jolanta Polanowska: Michał Jan Borch and His Residence in Varakļāni: Genesis and ideological programme. In: Mākslas Vēsture un Teorija, Jg. 16 (2013), S. 18–32. An der Fassade des dreigliedrigen Mittelbaus der gut 100 m langen Südseite ließ der Bauherr in lateinischer Sprache sein Leitwort anbringen: „Virtute duce – Deo favente – Comite fortuna“ (Von Tugend geleitet – mit Gottes Gunst – vom Glück begleitet). Die Inschrift ist zugleich ein Wortspiel und eine kleine Verneigung des Grafen (comes) vor dem Herzog (dux) von Kurland, dessen Familie die Familie von der Borch über Generationen verbunden war.Sitzungsberichte der Kurländischen Gesellschaft für Literatur und Kunst aus den Jahren 1864 bis 1871. Mitau 1884, S. 172.

An der Nordseite öffnet ein von vier Säulen getragener Portikus das Schloss zum Garten und Park. In mehreren Räumen im Obergeschoss waren die umfangreiche Bibliothek, das von Graf Michael von der Borch zusammengestellte Mineralienkabinett und der Ballsaal untergebracht. Bei der Instandsetzung des Schlosses in den 1990er Jahren wurden Teile der ursprünglichen Wandmalereien aus den 1780er Jahren freigelegt und restauriert.Jānis Zilgalvis: Varakļāni – muiža un tas saimnieki gadsimtu gaitā (Übersetzung des lettischen Titels: Varakļāni – Das Herrenhaus und seine Besitzer im Lauf der Jahrhunderte). In: Mākslas Vēsture un Teorija, Jg. 16 (2013), S. 33–36 (lettisch). Weitere Wandmalereien aus den Baujahren des Schlosses, die übertüncht worden waren, wurden bei Renovierungen in den 2010er Jahren entdeckt.Vitolds Mašnovskis: Art. Varakļānu muiža / Warkland, Warklany. In: ders.: Muižas Latvijā. Vēsture, arhitektūra, māksla. Enciklopēdija, Band 5: T – Z. Due Dizains, Riga 2022, S. 110. 2018 wurde die historische Bedachung mit roten Tonziegeln wieder hergestellt.

In den Seitentrakten und in Nebengebäude befanden sich Werkstätten und Pferdeställe. Ein Mühlenwehr am kleinen Fluss Kažava trieb eine Wassermühle.

Gegenwart Seit 1997 ist im Schloss das Heimatmuseum untergebracht. Es zeigt eine Dauerausstellung und wechselnde Ausstellungen.

Parkanlagen Das Schloss ist von weitläufigen, von der Kažava durchflossenen Parkanlagen sowie Teichen umgeben.Jolanta Polanowska: The Palace Garden in Warklany. Work of the Owner Michał Jan Borch and Architect Vincenzo de Mazotti. In: Biuletyn Historii Sztuki, Jg. 74 (2012), Heft 3/4, S. 3–5. Die ebenfalls von Vincenzo de Mazotti entworfene Parkanlage gilt als eine der frühesten und bedeutendsten in Lettland.Vitolds Mašnovskis: Art. Varakļānu muiža / Warkland, Warklany. In: ders.: Muižas Latvijā. Vēsture, arhitektūra, māksla. Enciklopēdija, Band 5: T – Z. Due Dizains, Riga 2022, S. 108.

Ein literarisches Denkmal setzte Graf Michael von der Borch seinem Park mit einem 1791 dem polnischen König übereigneten, 1795 in überarbeiteter Fassung veröffentlichten Langgedicht: Jardin sentimental du château de Warkland dans le Comté de Borch en Russie Blanche.Johann Friedrich von Recke, Karl Eduard Napiersky, Theodor Beise: Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexicon der Provinzen Livland, Esthland und Kurland, Bd. 1: A–F. Johann Friedrich Steffenhagen und Sohn, Mitau 1827, S. 219–223, hier S. 223 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek).

Literatur in der Reihenfolge des Erscheinens Jānis Piļpuks: Borhu Laikmets Varakļānu Novadā. In: Konrāds Sondors, Ādolfs Borbals, Artūrs Garančs (Hrsg.): Varakļāni un varakļānieši. Kultūrvēsture, atmiņas, apcerējumi. Latgales Kultūras Centra Izdevniecība, Rēzekne 2003, ISBN 9984-29-036-0, S. 15–18. Alberts Zarāns: Latvijas pilis un muižas. Zarāns, Riga 2006, ISBN 9984-785-05-X, S. 318. Jolanta Polanowska: Michał Jan Borch and His Residence in Varakļāni: Genesis and ideological programme. In: Mākslas Vēsture un Teorija. Jg. 16 (2013), S. 18–32.

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Schloss in Lettland Kategorie:Kulturdenkmal (Lettland) Kategorie:Bezirk Madona Kategorie:Klassizistisches Bauwerk in Lettland Kategorie:Erbaut 1789