mini|Tor des alten evangelischen Friedhofs Bochum-Linden an der Lindener Straße, Juli 2023 mini|Alter Friedhof Ümmingen mini|Trauerhalle im Hauptfriedhof, 2012Die Liste der Friedhöfe in Bochum enthält aktive und geschlossene Friedhöfe in kommunaler und konfessioneller Trägerschaft.Stadt Bochum: Friedhöfe der Stadt Bochum.Stadt Bochum: Friedhofssatzung.
Geschichte
Noch in der Neuzeit herrschten Bestattungen auf den Kirchhöfen vor, zumal nahezu sämtliche Verstorbenen einer Konfession zugehörig waren. In Preußen gebot aber schon das Allgemeine Landrecht von 1794, dass in den Kirchen und innerhalb der Siedlungen keine Leichen beerdigt werden durften. Doch erst 1817 wurde mit der Einrichtung eines kommunalen Friedhofs begonnen. Dieser wurde am 21. November 1819 eröffnet. Der damalige Neue Friedhof (der heutige Kortumpark) wurde bereits 1884 geschlossen.
Zugleich legten Adelige Privatfriedhöfe an, um nicht auf dem gemeinen Kommunalfriedhof bestattet zu werden, so etwa 1812 den Privatfriedhof der Familie Schell auf Haus Rechen (verlegt in den Pfarrgarten der Melanchthon-Kirche 1913). Die Familie Leithe erwirkte 1867 die Konzession für einen Privatfriedhof auf Haus Laer. Die Familie Schragmüller bestattete ihre Toten auf einem kleinen, nicht erhaltenen Friedhof in der Nähe des Haus Dahlhausen von 1817 bis 1934.
Viele Friedhöfe entstanden noch in der Zeit, bevor aus den selbstständigen Gemeinden im Landkreis Bochum und Landkreis Hattingen im Zuge der Bochumer Eingemeindungen von 1904 bis 1975 Stadtteile bzw. Ortsteile wurden. So kamen sie erst später in die Friedhofsverwaltung der Stadt Bochum.
Die Formenvielfalt von Säulen, Obelisken und Plastiken nahm um 1930 ein Ende, als die Bauhaus-Bewegung eine neue Sachlichkeit forderte. Die alten Formen der Sepulkralkultur wurden als überladen und zweckfremd abgelehnt.
Auf Friedhöfen im ganzen Stadtgebiet befinden sich Gräber von Soldaten und Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs, von Opfern von Luftangriffen und von Soldaten des Zweiten Weltkriegs sowie von Zwangsarbeitern. Diese Grabanlagen stehen unter besonderem Schutz. Nach dem Ende der Ruhefristen nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Kriegstote aus verstreut umliegenden Einzelgräbern in Gemeinschaftsgrabstätten umgebettet, da so die Pflege besser geleistet werden konnte. Es war damals geplant, die deutschen Kriegstoten auf den jeweiligen Friedhöfen zusammenzulegen und die ausländischen Kriegstoten auf dem Hauptfriedhof zusammenzuführen.Stadtarchiv Bochum – BO 67 13 Dieses ist anscheinend in nicht allen Fällen umgesetzt worden.
Typisch für eine Ruhrgebietsstadt gibt es auch Gemeinschaftsgräber von Bergleuten, die bei den großen Unglücken im Bergbau ums Leben kamen. Dabei handelt es sich um über 15 Gemeinschaftsgräber von über 500 OpfernStadt Bochum: Karte der Erinnerungsorte und Denkmäler an Grubenunglücke in den Zechen von Bochum und Wattenscheid. 2022. Einige Grabmäler und Denkmäler unterliegen dem Denkmalschutz. Sie spiegeln einen Teil der Stadtgeschichte wider.
Ökologische Bedeutung
Allein die 26 kommunalen Friedhöfe auf dem Stadtgebiet Bochums haben eine Gesamtfläche von 214 Hektar bzw. 1,47 Prozent der 145,66 km² Stadtfläche.Stadt Bochum: Konzept zur Anpassung der Friedhofsflächen an den zukünftigen Bedarf im Stadtbezirk Bochum-Südwest. 2015 Mit ihrer Gesamtfläche haben die Friedhöfe einen relevanten Anteil an den Grünflächen in der Stadt.
So befinden sich in der Anlage in Dahlhausen 285 Bäume, die sich in 27 Gattungen mit 38 verschiedenen Arten und Sorten unterscheiden lassen, darunter 24 Mammutbäume mit einem Stammumfang von bis zu 4,5 m (Stand 2022).Gernot Noelle: Bochum: Was einen kleinen Friedhof so besonders macht. In: WAZ Bochum, 17. Januar 2022
Die Friedhöfe sind Standorte mit einer Bedeutung für die Artenvielfalt.Stadt Bochum: Biologische Vielfalt auf dem Friedhof. In einer 2025 veröffentlichten Untersuchung von 153 Friedhöfen in der Metropole Ruhr wiesen diese mit 964 Arten der Gefäßpflanzen eine hohe Biodiversität auf. 102 der Arten werden auf der Roten Liste Nordrhein-Westfalens oder mindestens einer der regionalen Roten Listen des Landes mit Bezug zum Untersuchungsgebiet geführt. 30 der Arten werden auf der bundesweiten Roten Liste genannt.Corinne Buch: Flora der Friedhöfe im westlichen Ruhrgebiet – eine kommentierte Zusammenstellung der wildwachsenden Pflanzenarten. In: Veröffentlichungen des Bochumer Botanischen Vereins, 17(2) 7–120, 2025Corinne Buch, Peter Keil, Daniel Hering: Friedhöfe in der Metropole Ruhr – wovon hängen Vielfalt der Gefäßpflanzenarten und Vorkommen von Rote-Liste-Arten ab? In: Natur und Landschaft, 99. Jahrgang (2024), Ausgabe 12Corinne Buch, Peter Keil, Daniel Hering: Zusatzmaterial zu: Friedhöfe in der Metropole Ruhr – wovon hängen Vielfalt der Gefäßpflanzenarten und Vorkommen von Rote-Liste-Arten ab? In: Natur und Landschaft, 99. Jahrgang (2024), Ausgabe 12, 580–588 In der Anlage an der Schattbachstraße finden sich die Orchidee Breitblättrige Stendelwurz und das Kleine Habichtskraut.
Liste der Friedhöfe
Die Anlagen sind nach Postleitzahl sortiert. In den Bemerkungen sind neben den Ehrengräbern und Denkmälern auch weitere Details eingetragen, soweit kein Artikel existiert.
Kommunale Friedhöfe Die Stadt Bochum führt 24 Friedhöfe im Stadtgebiet, davon sind 7 Friedhöfe geschlossen (Stand 2026).Bestattungsarten auf städtischen Friedhöfen.- Informationen und Gebühren 2026. Auf den geschlossenen Friedhöfen werden Bestattungen nur noch bei bestehenden Nutzungsrechten und zur Ehegattenzusammenführung durchgeführt. BezeichnungBild AnschriftEröffnung Bemerkungen Fläche in ha Alter Friedhof Kortumpark150x150px Wittener Straße, 44789 Bochum1819 1819 als erster kommunaler Friedhof in Bochum angelegt. Die Funktion ging 1884 auf den Blumenfriedhof über. Ab 1913 in einen Park umgewandelt. 1954 wurden wegen der Verlegung der Bahngleise im Zuge des Neubaus des Hauptbahnhofs viele Gräber verlegt oder entfernt, die jüdischen Gräber wurden auf den jüdischen Friedhof an der Wasserstraße umgebettet. Hier befindet sich das Grab der Bochumer Ehrenbürger Louis Baare mit seiner Familie, Herman Pieper und seiner Familie.
Geschlossen Friedhof. 3,2 Friedhof Blumenstraße200x200px Harpener Straße, 44791 Bochum1884 Zweiter kommunaler Friedhof von Bochum. Auf dem Friedhof befindet sich vier Grabanlagen und Denkmäler für zwei Grubenunglücke auf der Zeche Constantin der Große im Jahr 1889 und der Zeche Prinz von Preußen im Jahr 1895. Im Ersten Weltkrieg wurde hier ein großer Ehrenfriedhof für gestorbene Soldaten errichtet, welche unter Denkmalschutz steht. In den Ehrenhalbrund wurde ein erschossenen Mann aus der Zeit der Ruhrbesetzung von 1923–1925 in den 1930er umgebettet. Hier befinden sich die Gräber der Bürgermeister und Oberbürgermeister Fritz Graff (Ehrenbürger), Fritz Claus (Ehrenbürger). Weiterhin ist hier zwei weitere Ehrenbürger der Stadt Bochum bestattet, der erste Intendant des Bochumer Schauspielhaus Saladin Schmitt und der Stadtrat Carl Rawitzki. 23 Friedhof Altenbochum150x150px Feldmark, 44793 Bochum1904 Eröffnet als Friedhof der Gemeinde Altenbochum. Hier befindet sich ein Gräberfeld von Gefallenen des Ersten Weltkrieg sowie ein Hochkreuz unter Denkmalschutz. Ein Ehrengrab erinnert an einen erschossenen Bergmann aus der Zeit der Ruhrbesetzung von 1923–1925. 2,2 Friedhof Hordel150x150px Im Zugfeld 70, 44793 Bochum1904Stadtarchiv Bochum – BO 67 131918 wurde ein Kriegsgräberstätten für Tote aus dem Ersten Weltkrieg angelegt. Unter den Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges befinden sich auch sowjetische Kriegstote. Bauten von Rolf Quinkert und Roman Reiser. 4,7 Städtischer Friedhof Weitmar200x200px Heinrich-König-Straße 125und Schloßstraße 96, 44795 Bochum1924 1924 wurde der erste Teil an der Heinrich-König-Straße angelegt. Hier befindet sich das Denkmal und Grab von Heinrich König. Weiterhin finden sich hier über 100 Gräber von Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, darunter auch russische Kriegsgefangene. Um 1966 wurde der Betriebsteil Schloßstraße angelegt. Geschlossener Friedhof. Teilbebauung geplant. Städtischer Friedhof Stiepel150x150px Nettelbeckstraße 98, 44797 BochumDie Trauerhalle wurde um 1968 von dem städtischen Architekten Ferdinand Keilmann geplant. Die Fenster in der Trauerhalle wurde 1974 von dem Bochumer Künstler Egon Becker gestaltet. Hier wurde der Oberstadtdirektor Gerhard Petschelt bestattet. Friedhof Wiemelhausen Wiemelhauser Straße, 44799 Bochum1884 Friedhof Querenburg150x150px Stiepeler Straße 150, 44801 Bochum1911 In einen Ehrengräberfeld befinden sich Kriegsopfern. Hier befinden sich Gräber von stätischen Persönlichkeiten, welche rund um den Bau der Ruhr-Universität Bochum eine Rolle spielten wie das Grab von Oberbürgermeister Fritz Heinemann oder Josef Hermann Dufhues. Weiterhin liegen hier etliche Professoren begraben, darunter auch der Begründer des Kunsthistorischen Instituts der Ruhr-Universität, Max Imdahl. 3,9 Hauptfriedhof Bochum150x150px Immanuel-Kant-Straße 52, 44803 Bochum1935 Kommunaler Friedhof, von 1929 bis 1932 in Altenbochum angelegt. Eröffnung 1935. Die Trauerhallen zeigen die Bauauffassung zur NS-Zeit und stehen unter Denkmalschutz. in Westfalen ist es das einzige vollendete und erhaltene Beispiel einer heroisch-faschistischen Staats- und Parteiarchitektur. Der Friedhof war die Hauptbegräbnisstätte für die Opfer des Luftkrieges. Hier befinden sich auch Gräber von Bochumer Opfern der NS-Zeit. In drei Ehrenanlagen wurden hier ebenso über 1.700 Zwangsarbeiter bestattet oder von anderen Friedhöfen umgebettet. Ein Ehrengrab erinnert an die 11 ertrunkene Bergleute auf der Zeche Caroline, 1948. Die Anlage hat 64.000 Grabstellen. Der Friedhof wurde mehrfach erweitert. Da nicht mehr der ganze Platz benötigt wird, wurden Teile des Friedhofs für den eigenständigen Jüdischer Friedhof Altenbochum verwendet. Weiterhin befindet sich auf dem Gelände eine große neue Fläche für muslimische Bestattungen. 46,5 Friedhof Laer150x150px Dannenbaumstraße, 44803 Bochum Geschlossener Friedhof. Teilweise ehemaliger Park. Hier befinden sich ein Gefallendenkmal des Ersten Weltkrieg und ein Denkmal für sechs Opfer des Kapp-Putsches bzw. des Ruhraufstand von 1920. 2,5 Friedhof Gerthe225x225px Kirchhapener Straße 63, 44805 Bochum1907 / 1908 Auf dem Friedhof befindet sich eine Grabanlage und ein Denkmal für die 115 Toten des Grubenunglücks auf der Zeche Lothringen im Jahr 1912. 1918 wurde ein Kriegsgräberstätten für Tote aus dem Ersten Weltkrieg und 1946 eine Anlage für Tote aus dem Zweiten Weltkrieg angelegt. Friedhof Hiltrop Hiltroper Busch 9, 44805 Bochum1922 Die Anlage wurde im August 1922 eröffnet. Eine dort errichtete Trauerhalle ist nicht mehr existent. Es gibt eine gemeinsame Ehrenanlage für Kriegstote. Die Trauerhalle von 1962 stammt von Roman Reiser. Die Fläche wurde in den 1930er und 1960er auf die jetzige Größe erweitert.Karten- und Luftbildvergleich bei Stadtgeschichtliche Themen Bochums auf dem Geoportal der Stadt Bochum In den Randbereichen wurde in den letzten Jahren eine Streuobstwiese und eine Lehmgrube für Mauersegler auf ehemaliger Grabfläche angelegt. Friedhof Grumme Heckertstraße 60, 44807 Bochum1899 1918 wurde ein Kriegsgräberstätten für Tote aus dem Ersten Weltkrieg und 1946 eine Anlage für Tote aus dem Zweiten Weltkrieg angelegt. In der Zeit der Ruhrbesetzung 1923–1925 durch französischen Truppen befand sich hier für kurze Zeit der Militärfriedhof der Besatzungstruppen.