Tote Tage: Ein Fall für Renée Ballard und Harry Bosch (englisch: The Waiting) ist der 39. Roman des US-amerikanischen Krimi-Autors Michael Connelly. Neben der Haupt-Protagonistin Renée Ballard (6. Roman der Renée-Ballard-Serie) tritt Harry Bosch auf (25. Roman der Harry-Bosch-Serie). Der Roman erschien 2024 in Englisch, in deutscher Übersetzung 2026.
Handlung
Renée Ballard surft in den Wellen des Pazifik morgens vor ihrem Dienst als Leiterin der Open-Unsolved Unit des LAPD. Zurück an ihrem Auto stellt sie fest, dass sie ausgeraubt wurde: Telefon, Geldbörse, Polizeimarke und Dienstwaffe sind weg. Sie will diesen Diebstahl nicht wie vorgeschrieben bei ihren Vorgesetzten melden, weil sie befürchtet, dass sie strafversetzt werden könnte. Sie hat vor, den Dieb zu finden und sich ihre Waffe und Polizeimarke zurückzuholen.
Damit beginnt einer der Handlungsstränge des Romans der zeitlich verwoben mit den Ermittlungen zu den alten ungelösten Fälle erzählt wird. Meist ergeben sich neue Ermittlungsmöglichkeiten, in dem DNA aus den Asservaten der zu den Akten gelegten Fälle mit aktuellen DNA-Proben in Verbindung gebracht werden können. So im Fall des sogenannten „Kopfkissen-Vergewaltigers“: bei einer Verhaftung wurde eine DNA-Probe eines Nicholas Purcell genommen und der Vergleich mit der DNA des Serienvergewaltigers ergab, dass sein Vater der Täter war. Ballard ist elektrisiert von dieser neuen Spur, denn die Ermordung von Abby Sinclair durch den Vergewaltiger war der erste Mordfall, on dem Renée Ballard ermittelt hat und die Bilder des Tatort haben sie nie wieder losgelassen. Der Fall entwickelt sich als sehr delikat, denn der Vater von Nicholas Purcell ist Richter am Los Angeles Superior Court. Zusammen mit Paul Masser, einem ehemaligen Staatsanwalt aus ihrem Team, verfolgt Ballard den Richter und seine Frau in ein Restaurant. Es gelingt den beiden Ermittlern unbemerkt eine benutzte Gabel des Richters zu ergattern, sehr zur Verärgerung von Ballard Chef, Captain Gandle.
Gleichzeitig ist Renée Ballard in psychologischer Behandlung, weil sie Schlafprobleme hat. Mit der Therapeutin diskutiert sie die möglichen Ursachen. Es könnte eine traumatische Belastung durch die Erfahrung der Tatorte sein oder auch daher rühren, dass sie als Kind von ihrer Mutter im Stich gelassen worden war. Die Erinnerung an ihre Mutter wurde gerade aufgefrischt, weil sie in Hawaii lebt und möglicherweise Opfer der Brandkatastrophe 2023 in Lahaina auf Maui geworden ist. Ballard ist in Kontakt mit Dan Farley auf Maui, der für die Identifizierung der Opfer der Brände verantwortlich ist.
Ballard ist dem Dieb ihrer Polizeimarke auf der Spur, in dem sie ähnliche Diebstähle an den Surfstränden um Los Angeles vergleicht. Sie kann den Dieb identifizieren, doch er hat Ballards Polizeimarke schon verhökert. Ballard setzt ihn unter Druck, und er erzählt, dass der Käufer auch Maschinengewehre von SIG Sauer kaufen möchte. Ballard wendet sich an Harry Bosch, der als verdeckter Ermittler die Maschinengewehre zum Kauf anbieten soll. Und dies auch will, obwohl er mit einer Krebserkrankung zu kämpfen hat. Bosch kontaktiert den Kaufinteressenten, der vier der Waffen kaufen möchte. Das Auto des Kontakts hatte kein Nummernschild, sondern die Gadsden flag. Es handelt sich um einen rechtsextremen Reichsbürger, deren Zahl nach der COVID-19-Pandemie und dem Sturm auf das Kapitol in Washington 2021 stark gestiegen ist. Ballard und Bosch verfolgen den Rechtsextremen und Ballard bricht in seinen Van ein. Vom Rückraum aus kann sie hören, dass die Rechtsextremen einen Anschlag am President’s Day, dem 19. Februar 2024 auf die Malibu Pier planen. Ballard und Bosch schalten Gordon Olmstead vom FBI ein. Bosch soll entschärfte Waffen vom FBI bekommen und eine Übergabe mit den Terroristen vereinbaren. Dabei will das FBI die Rechtsextremen festnehmen.
Boschs Tochter Maddie Bosch möchte zusätzlich zu ihrem Dienst bei der Polizei bei der Open-Unsolved Unit mitmachen. Und sie hat auch einen speziellen Grund. Sie glaubt den Black Dahlia-Fall, den Mord im Jahre 1947 an Elizabeth Short aufklären zu können. Sie hat nämlich Kenntnis davon, dass in einem Lagerraum des verstorbenen Fotografen Emmitt Thayer grausame Fotos von ermordeten und zerstückelten Frauen gefunden wurde. Auf einem dieser Bilder hat Maddie Bosch Elizabeth Short erkannt. Renée Ballard und Maddie Bosch können damit einen der spektakulärsten ungeklärten Mordfälle in Los Angeles aufklären. Außerdem finden sich in den Funden auch Fotos weiterer Opfer, die nach und nach von Ballards Team identifiziert werden. Doch sie können den Fall von Elizabeth Short nicht zu den aufgeklärten Fällen rechnen, weil der zuständige Staatsanwalt die Beweise nicht für ausreichend hält, obwohl Experten die Identität des Opfers mehrfach bestätigen. Wegen seiner politischen Rivalität zum Chef des LAPD will er dem LAPD diesen Erfolg nicht gönnen.
Die Ergebnisse der DNA-Analyse der Gabel des Richters ist überraschend. Er ist nicht der Vater von Nicholas Purcell, also auch nicht der gesuchte Vergewaltiger. Laut Geburtsurkunde von Nicholas scheint er aber der leibliche Vater zu sein. Wie das? Ohne ihren Captain zu informieren konfrontiert Ballard den Richter mit ihren Ermittlungen. Er gibt schließlich zu, dass sein Sohn adoptiert wurde, die Geburtsurkunde jedoch so ausgestellt wurde, dass die Adoption aus ihr nicht zu erkennen war. Ballard macht sich auf die Suche nach der leiblichen Mutter von Nicholas Purcell und muss erfahren, dass sie sich kurz nach der Geburt umgebracht hat. Ballard vermutet, dass einer der Schüler an ihrer Schule der wirkliche Vater war und wahrscheinlich die Schülerin vergewaltigt hatte. In einem Fotoalbum des Mädchens können Ballard und Maddie Bosch einen verdächtigen identifizieren. Er lebt in Las Vegas, wo sie ihn vernehmen. Er willigt zu einer Speichelprobe ein, so dass sie davon ausgehen, dass nicht er der Vater von Nicholas Purcell ist. Aber sie erfragen die Namen weiterer Schüler, die in Frage kommen.
Am Samstag vor dem President's Day soll die Übergabe der Maschinengewehre stattfinden. Die Übergabe wird vom FBI engmaschig überwacht. Bosch zeigt dem rechtsextremen „Käufer“ die Waffen, der jedoch alles andere als bezahlen will, sondern das Feuer auf Bosch eröffnet. Bosch kann sich hinter seinen Wagen retten und die Sniper des FBI erschießen die Rechtsextremen. Bosch nimmt ihrem Anführer Ballards Polizeimarke ab und steckt sie Ballard am Rande des Geschehens heimlich zu. Beide wollen nicht, dass ihre Beteiligung bekannt wird und überlassen gerne dem FBI den Erfolg, einen terroristischen Anschlag verhindert zu haben.
Die Suche nach dem leiblichen Vater von Nicolas Purcell geht weiter und verengt sich schließlich auf einen Immobilienmakler namens Andrew Bennett. Eine der Freiwilligen in Ballards Team, Colleen Hatteras, nimmt auf eigenen Faust Kontakt mit Bennet auf, der sie in ihrer Wohnung ermordet. Ballard fährt zu einem „offenen Haus“, das Bennett zum Kauf vermitteln will und es gelingt ihr den „Kopfkissen-Vergewaltiger“ zu überwältigen.
Im Epilog des Romans befindet sich Renée Ballard auf Hawaii. Ihre Mutter wurde nicht Opfer der Brände und sie will sie aufsuchen. Aus Los Angeles wird ihr ein Artikel der LA Times zugeschickt, in dem berichtet wird, dass Maddie Bosch den Black Dahlia-Fall nach über 75 Jahren aufgeklärt hat. Ballards Captain ruft an und möchte wissen, ob Ballard die Story an die LA Times geleakt hat. Sie antwortet, dass sie der Reporter angerufen habe, sie aber mit „Kein Kommentar“ geantwortet habe.
Hintergrund
Querbezüge
Der Mord an Elizabeth Short wurde in Wirklichkeit nie aufgeklärt. In der Welt von Harry Bosch und Renée Ballard ist das nicht so: ungelöste Fälle lassen ihnen so lange keine Ruhe, bis sie sie aufgeklärt haben.
Rezeption
Kirkus Reviews resümiert die kurze Rezension mit den Worten „Ein hawaiianischer Abspann bringt die beste Nachricht von allen: Diese herausragende Serie hat noch viel vor. Aloha und Hurra!“.Kirkus Reviews: THE WAITING
Publishers Weekly findet den Roman spannend und ist überzeugt, dass die Fans von Michael Connelly ihn genießen werden: „Der Roman zählt zu den besten von Michael Connelly“.Publishers Weekly: The Waiting: A Ballard and Bosch Novel
Ausgaben
Michael Connelly: The Waiting. Little, Brown and Company, New York 2024, ISBN 978-0-316-56379-6. Michael Connelly: Tote Tage: Ein Fall für Renée Ballard und Harry Bosch. Aus dem amerikanischen Englisch von Sepp Leeb. Kampa Verlag, Zürich 2026, ISBN 978-3-311-12129-9.
Weblinks The Waiting auf der offiziellen Website des Autors
Einzelnachweise
Kategorie:Werk von Michael Connelly Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Kriminalliteratur Kategorie:Thriller (Literatur) Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigte Staaten)