Mary Rutnam (* 2. Juni 1873 in Elora, Ontario, als Mary Helen Irwin; † 1962) war eine kanadische Ärztin, Gynäkologin und Sozialreformerin, welche den größten Teil ihres Erwachsenenlebens in Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, wirkte. Im Jahr 1958 erhielt sie den Ramon-Magsaysay-Preis für ihren Dienst an der Bevölkerung Ceylons und die Einführung der Fraueninstitute Lanka Mahila Samiti.

Leben Mary Helen Irwin wurde in Elora in der kanadischen Provinz Ontario geboren und wuchs später in Kincardine am Huronsee auf. Sie qualifizierte sich am Toronto Medical College for Women als Ärztin und absolvierte anschließend eine weiterführende Ausbildung in New York City. Im Jahr 1896 kam sie nach Ceylon, nachdem sie Samuel Christmas Kanaga Rutnam, einen tamilischen christlichen Missionar und Pädagogen aus Jaffna, geheiratet hatte. Wegen der ablehnenden Haltung ihres Missionsumfelds gegenüber dieser Ehe gab sie die Missionsarbeit bald auf und ließ sich als Ärztin in Colombo nieder. In Colombo führte sie eine gynäkologische Praxis, die besonders von Frauen aufgesucht wurde, die keinen männlichen Arzt konsultieren wollten. Aus ihrer Ehe gingen fünf Kinder hervor, vier Söhne und eine Tochter. Rutnam starb 1962.

Wirken Rutnam kam seit den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in der Frauen-, Bildungs- und Gesundheitsarbeit in Ceylon zu Bedeutung. Im Jahr 1904 unterstützte sie die Gründung der Ceylon Women’s Union und der Girls’ Friendly Society, deren Arbeit Themen wie Müttergesundheit, Kinderpflege, Pflegeausbildung, Bildung und Frauenrechte umfasste. 1909 regte sie die Gründung der Ceylon Tamil Women’s Union an, die später als Sri Lanka Tamil Women’s Union weiterbestehen sollte und tamilische Kultur, Kunst und Bildung förderte. In der Frauenwahlrechtsbewegung trat sie für das Stimmrecht von Frauen ein, gründete die Women’s Franchise Union sowie die Women’s Political Union und sprach vor der Donoughmore-Kommission für das Frauenwahlrecht. 1931 gründete sie gemeinsam mit Cissy Cooray die Lanka Mahila Samiti, die Frauen auf dem Land in Nähen, Spitzenherstellung, Töpferei, Korb- und Mattenflechten sowie in der Herstellung von Spielzeug schulte. Die Organisation verfolgte das Ziel, die Lebensqualität ländlicher Frauen zu verbessern und förderte praktische Ausbildung und Gesundheits-, Bildungs- und Familienarbeit. Die Ramon-Magsaysay-Stiftung bezeichnete die Einführung dieser Fraueninstitute als ihren vielleicht größten Beitrag, weil sie den Status von Dorffrauen in Ceylon verändern konnte. Während der Malariaepidemie von 1934/1935 arbeitete Rutnam gemeinsam mit ihrem Sohn Robin in besonders schwer betroffenen ländlichen Gebieten. Sie setzte sich überdies für Familienplanung ein und leistete Beiträge für die Family Planning Association of Ceylon. 1937 wurde sie in den Colombo Municipal Council gewählt und gilt als erste Frau in diesem Gremium, wo sie besonders mit Fragen der öffentlichen Gesundheit verbunden war. 1954 gehörte sie zu den Gründungspersönlichkeiten des National Council for Children and Youth Welfare, der bedürftigen Kindern Schutz, Fürsorge und Entwicklungsmöglichkeiten bieten sollte. Die Anerkennung ihres Werks kulminierte 1958 in der Verleihung des Ramon-Magsaysay-Preises für Public Service.

Einzelnachweise

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