Die Schlacht am Aoos war eine im Juni 198 v. Chr. im Rahmen des Zweiten Makedonisch-Römischen Krieges zwischen den Truppen des Königs Philipp V. von Makedonien und dem Heer des römischen Konsuls Titus Quinctius Flamininus beim Fluss Aoos (Vjosa) im Gebiet der Schlucht zwischen den heutigen Städten Tepelena und Këlcyra in Süd-Albanien ausgetragene Schlacht. Nach seiner Niederlage musste Philipp V. seine feste Stellung räumen und sich nach Thessalien zurückziehen.
Vorgeschichte Nachdem die Römer seit 200 v. Chr. zwei Jahre lang in Griechenland relativ erfolglos Krieg gegen den makedonischen König Philipp V. geführt hatten, wollte der Anfang 198 v. Chr. zum Konsul gewählte Feldherr Titus Quinctius Flamininus durch eine energische Kampfführung den entscheidenden Umschwung herbeiführen. Er brachte hierfür durch sein Feldherrntalent, sein diplomatisches Geschick, seinen Philhellenismus und seine Kenntnis der griechischen Sprache und Sitten gute Voraussetzungen mit. Auf seinen Wunsch wurde sein Bruder Lucius Quinctius Flamininus zum Oberbefehlshaber der römischen Flottenstreitkräfte ernannt.
Nach Abschluss der Aushebungen wurden infolge ungünstiger Prodigien eintägige religiöse Feierlichkeiten (Supplicatio) durchgeführt. Trotz dieser Verzögerung schiffte sich Flamininus früher als seine Vorgänger in Brundisium (heute Brindisi) mit etwa 8000 Infanteristen und 800 Reitern – davon 3300 Römer und 5500 Bundesgenossen – nach Korkyra ein. Dann segelte er entlang der Küste von Epirus und begab sich rasch zum Lager, das der vorjährige Konsul Publius Villius Tappulus unweit der Stadt Antigoneia in Epirus bezogen hatte.Titus Livius, Ab urbe condita 32, 9, 1-7; Plutarch, Flamininus 3, 3ff. In der Nähe befand sich das stark befestigte Lager Philipps V. am Fluss Aoos bei einem Engpass zwischen den heutigen Städten Tepelena und Këlcyra. Durch die Beherrschung des von hohen, steilen Bergen eingefassten Engtals des Aoos konnte er feindlichen Truppenvormarsch durch dieses Tal blockieren.
Flamininus löste den Konsular Villius Tappulus als Oberbefehlshaber im Krieg gegen Makedonien ab, übernahm dessen Heer ab und wartete auf das Eintreffen seiner von ihm selbst rekrutierten Truppen, denen er von Korkyra aus vorausgeeilt war. Inzwischen erkundete er das Gelände genau, um eine Lagebeurteilung vornehmen zu können. Bewohner des Landstrichs boten an, die Römer durch Dessaretien nach Lynkos zu geleiten.Livius, Ab urbe condita 32, 9, 9; Plutarch, Flamininus 4, 1. Allerdings hatten die Römer bereits im Vorjahr in der Region von Lynkos erfolglos operiert. Außerdem musste Flamininus in Rechnung stellen, dass sich seine rückwärtigen Verbindungen stark verlängern würden und schwierig zu sichern wären, wenn er durch Dessaretien gegen Makedonien vorrückte. Deshalb entschied er, die Riegelstellung des Makedonenkönigs am Aoos zu attackieren.
Zuerst traf sich Flamininus aber mit Philipp V. zu einer Unterredung, die von zwei Epiroten, dem Strategen Pausanias und dem Hipparchen Alexandros, angeregt worden war.Livius, Ab urbe condita 32, 10, 2–8; vgl. Diodor, Bibliothḗkē historikḗ 28, 13. Bei diesem Gespräch brachte er dem Makedonenkönig die Forderungen des Senats zur Kenntnis. Demnach sollte Philipp V. die von seinen Truppen besetzten griechischen Städte räumen und Entschädigungszahlungen leisten. Das offizielle römische Kriegsziel war die Befreiung de Hellenen von der makedonischen Hegemonie, wenn auch Flamininus bei seiner ersten Unterredung mit Philipp V. dieses Ziel wohl noch nicht so deutlich aussprach. Da der Makedonenherrscher die römischen Forderungen nicht erfüllen wollte, verfolgte der Konsul wieder seinen Plan, die feindliche Stellung am Aoos anzugreifen.Livius, Ab urbe condita 32, 10, 9 ff.; Plutarch, Flamininus 4, 3.
Schlacht Flaminius lagerte 40 Tage lang vor der von Philipp V. bezogenen festen Stellung am Aoos. Es kam zu kleinen Scharmützeln, ohne dass der Konsul einen entscheidenden Durchbruch zu erzielen vermochte. Inzwischen hatte aber ein ortskundiger Hirte, der vom vornehmen römerfreundlichen Epiroten Charops entsandt worden war, den Vorschlag gemacht, eine römische Heeresgruppe auf einem unbewachten Bergpfad zu einer im Rücken oder in der Flanke des makedonischen Lagers befindlichen Höhenstellung zu geleiten. Der Konsul war zwar misstrauisch, stimmte aber schließlich unter Ergreifung von Vorsichtsmaßnahmen zu. 4000 Infanteristen und 300 Reiter machten sich unter der Führung des Hirten auf den dreitägigen Umgehungsmarsch, der sie wohl über das Bergmassiv Trebeshina nach Norden führte. Hierdurch erreichten sie eine nördlich über Philipps Stellung gelegene Gebirgsposition. Nachdem sie durch Rauchsignale dem Konsul die erfolgreiche Durchführung des Umgehungsmanövers angezeigt hatten, griff Flamininus mit seinen in drei Abteilungen gegliederten Truppen trotz des schwierigen Geländes die makedonische Stellung am Aoos frontal von Nordwesten aus an. Gleichzeitig stürmte die Heeresgruppe, die Philipps Stellung umgangen hatte, von Nordosten her gegen die Makedonen an. Philipp V. verlor mehr als 2000 Soldaten und musste seine Stellung räumen. Der Inhalt seines Lagers fiel den Römern als Beute in die Hände.Livius, Ab urbe condita 32, 11, 1 – 12, 8; Plutarch, Flamininus 4, 5–12.
Folgen Trotz dieses im Juni 198 v. Chr. errungenen römischen Sieges war Philipp V. nicht entscheidend geschlagen. Den Römern war eine umgehende Verfolgung des Makedonenkönigs nicht möglich. Dieser sammelte seine Truppen und zog sich ostwärts zurück. Er erreichte mit ihnen in Gewaltmärschen die Hochebene, marschierte über den Zygos-Pass nach Thessalien und bezog im Tempe-Tal eine feste Stellung.Livius, Ab urbe condita 32, 12, 9 – 13, 9. Erst ein Jahr später gelang Flamininus Ende Mai oder Anfang Juni 197 v. Chr. in der Schlacht von Kynoskephalai der entscheidende Sieg über Philipp V., womit er den Krieg zugunsten der Römer entschied.
Literatur
Anmerkungen
Kategorie:Schlacht (Antikes Griechenland) Kategorie:Schlacht (Römisches Reich) Kategorie:Schlacht (2. Jahrhundert v. Chr.) Kategorie:198 v. Chr. Kategorie:Makedonien