Die Geschichte von der zarten Hand ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (262: Mudupāṇi-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 243–249. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.
Handlung Als der Bodhisattva einmal als der Sohn des Königs Brahmadatta in Benares wiedergeboren worden war, beerbte er dessen Thron und regierte mit Gerechtigkeit. Er hatte eine Tochter, die er mit seinem Neffen verheiraten wollte. Später entschied er sich jedoch um und wollte die beiden in andere Königsfamilien einheiraten lassen, sodass durch die vielen Verwandten die Macht des Königs gestärkt würde. Seinen Neffen schickte er weg, jedoch waren er und seine Tochter ineinander verliebt, also ließ der Neffe der Prinzessin über eine Amme heimlich ausrichten, dass er sie zu entführen gedenke. Beim Lausen gab die Prinzessin der Amme dann auf, ihrem Vetter einen Vers auszurichten.
„Dann ist die rechte Zeit gekommen, Wenn eine zarte Hand erscheint, Ein Elefant, gezähmt und fromm, Und eine Finsternis mit Regen.“
Der Prinz wusste sogleich, was zu tun war, und als schwarze Wolken mit starkem Regen aufzogen, ritt er mit einem wunderschönen Pagen, der zarte Hände hatte, auf einem Elefanten zum königlichen Palast. Dort wusste die Prinzessin bereits, dass ihre Entführung nahte. Der König bewachte sie jedoch selbst und ließ sie neben seinem Bett auf einem kleinen Lager schlafen. Da bat sie ihn darum, sich im Regen baden zu dürfen, und dieser brachte sie zum Fenster, verhalf ihr auf einen Vorsprung und hielt sie an der Hand. Unter dem Fenster verharrte derweil der Prinz auf dem Elefanten. Er streifte der Prinzessin den Schmuck ihrer rechten Hand ab, um ihn dem Pagen anzulegen, und ließ diesen dann auf den Vorsprung treten. Die Prinzessin gab daraufhin vor, dem König die andere Hand geben zu wollen, reichte ihm aber die Hand des Pagen. Danach legte sie auch den Schmuck ihrer linken Hand dem Pagen an und ließ den Pagen den König mit beiden Armen festhalten, woraufhin sie entschwand.
Der König nahm den Pagen mit in sein Schlafgemach und bemerkte erst am nächsten Morgen seinen Reinfall. Er meinte zu sich, dass die Weiber unbehütbar seien, besann sich aber, nahm seinen Neffen wieder auf und vermählte die Liebenden.
Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 262 (Mudupāṇi-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte von der zarten Hand. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Die kluge Prinzessin.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 204–207.
Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 243–249. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 204–207.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka