Stefan Rabanus (* 6. September 1968 in Fulda) ist ein deutscher Sprachwissenschaftler und ordentlicher Professor für germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Verona. Sein Hauptarbeitsgebiet ist die Variation des Deutschen in Raum und Zeit und der Sprachkontakt von historischen deutschen und romanischen Varietäten in Norditalien. Rabanus hat darüber hinaus ein besonderes Forschungsinteresse an digitaler Sprachkartographie und ist aktiv im Bereich Citizen Science und Public-Outreach.

Werdegang Rabanus hat an den Universitäten Würzburg und Mainz Germanistik, Italianistik und Philosophie studiert und wurde 2000 an der Universität Greifswald mit einer Arbeit zur Intonation im Deutschen und Italienischen promoviert. Von 2000 bis 2005 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und geschäftsführender Assistent am Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas der Philipps-Universität Marburg, dem zentralen Institut für die Erforschung und Dokumentation der deutschen Dialekte und Regionalsprachen. In diese Zeit fiel die Publikation des „Sprachatlas des Deutschen Reichs“ von Georg Wenker als „Digitaler Wenker-Atlas“, die erste vollständige digitale Publikation eines der großen nationalen Dialektatlanten Europas, welcher den Grundstein für das spätere Web-Portal Regionalsprache.de (REDE) legte. 2008 erhielt Rabanus mit einer Habilitationsschrift zum morphologischen Wandel in den deutschen Dialekten, die auf der Auswertung digitalisierter Kartenwerke beruhte, die venia legendi für das Fachgebiet Germanistische Sprachwissenschaft. 2005 wechselte Rabanus an die Universität Verona, 2012 an die Brjussow-Universität in Jerewan (Armenien) und 2014 wieder zurück an die Universität Verona, wo er seit 2017 das Doktoratsprogramm in Allgemeiner Linguistik leitet und 2021–2026 Vizedirektor der Doktoratsschule war. 2012–2022 hatte er das Amt des Schriftführers der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen (IGDD) inne.

Thematische Ausrichtung Seine Lehre umfasst alle Bereiche der Sprachwissenschaft, in der Forschung hat Rabanus einen thematischen Schwerpunkt auf Morphosyntax und Phonologie. Auch bedingt durch Arbeitsorte im nicht deutschsprachigen Umfeld hat er zu verschiedenen anderen Sprachen, Mehrsprachigkeit und Sprachkontakt gearbeitet, zuletzt vor allem im vom italienischen Forschungsministerium 2022–2025 geförderten Projekt relevanten nationalen Interesses AlpiLinK, Germanisch-romanischer Sprachkontakt in den italienischen Alpen.

Rabanus war Visiting Scholar oder Gastprofessor am CNR in Padua (1998), an der Universität L’Aquila (2002), am Max Kade Institute for German-American Studies in Madison/Wisconsin (2023), an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (2025) und am National Institut for Japanese Language and Linguistics in Tokyo (2026) sowie regelmäßig am Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas in Marburg, wo er seit 2007 kooptierter Professor ist. Er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des zimbrischen Kulturinstituts Lusérn und in der Regionalgruppe Trient-Verona von Bilingualism Matters, wo er sich für die Förderung von Minderheitensprachen und Mehrsprachigkeit allgemein einsetzt.

Ausgewählte Werke

Morphologisches Minimum. Distinktionen und Synkretismen im Minimalsatz hochdeutscher Dialekte. Stuttgart: Steiner 2008 DOI:10.25162/9783515095167 Language and Space. An International Handbook of Linguistic Variation. Vol. 2: Language Mapping (HSK 30.2). Berlin/New York: De Gruyter Mouton 2010 DOI:10.1515/9783110219166 (hrsg. zusammen mit Roland Kehrein und Alfred Lameli) Zimbrischer und fersentalerischer Sprachatlas/Atlante linguistico cimbro e mòcheno. Herausgegeben und kommentiert von/edizione curata e commentata da Stefan Rabanus. Lusérn: Istituto Cimbro/Palai: Istituto Culturale Mòcheno (Karten von Bruno Schweizer) Dialect maps. In: Charles Boberg, Dominic Watt & John Nerbonne (Hrsg.): Handbook of Dialectology. Hoboken, NJ: Wiley-Blackwell 2018, 348–367 DOI:10.1002/9781118827628.ch20 Nominal Inflectional Morphology in Germanic: Pronouns. In: Oxford Research Encyclopedia of Linguistics 2022 DOI:10.1093/acrefore/9780199384655.013.952 Rappresentazione cartografica del multilinguismo: dalle valli ladine all’Ucraina orientale. In: Silvia Dal Negro & Daniela Mereu (Hrsg.): Confini nelle lingue e tra le lingue. Atti del LV Congresso della Società di Linguistica Italiana (Bressanone, 8–10 settembre 2022). 2023, 11–30 DOI:10.17469/O2107SLI000001 Zwischen dialektalem Hintergrund und standardsprachlicher Norm: verbalmorphologische Variation in standardintendierter Sprechweise. In: Germanistische Linguistik 258–259, 75–133 DOI:10.5771/9783487423425-75 (zusammen mit Hanna Fischer) Two modes of contact-induced change in minority languages: Phonology and syntax vs. inflectional morphology. In: Barbara Hans-Bianchi, Barbara Vogt & Chiara Truppi (Hrsg.): Speakers and Structures in Language Contact. Pluralistic Approaches to Change and Variation. Berlin/Boston: De Gruyter 2024, 65–92 DOI:10.1515/9783111188348-003 Deutsch in der Schule in mehrsprachigen Konstellationen. In: Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung/Union der deutschen Akademien der Wissenschaften (Hrsg.): Deutsch in Europa. Vielfalt, Sprachnormen und Sprachgebrauch. Vierter Bericht zur Lage der deutschen Sprache. Tübingen: Narr Francke Attempto 2025, 171–228 DOI:10.24053/9783381135226> (zusammen mit Pascale Erhart)

Weblinks

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Einzelnachweise

Kategorie:Sprachwissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Verona) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1968 Kategorie:Mann