Rorainópolis ist eine brasilianische Gemeinde im Bundesstaat Roraima im Norden des Landes. Sie liegt im Süden des Bundesstaates entlang der wichtigen Verkehrsachse BR-174, die Boa Vista mit Manaus verbindet, und heute ist sie die zweitgrößte Gemeinde im Staat Roraima. Die Einwohnerzahl wurde vom Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística (IBGE) im Jahr 2025 auf etwa 38.000 geschätzt.

Geografie und Klima Rorainópolis erstreckt sich über ein sehr großes, überwiegend von tropischem Regenwald bedecktes Gebiet im Süden Roraimas und wird vom Äquator durchquert. Das Gemeindegebiet gehört zum Amazonasbecken in geschütztem Gebiet und wird durch zahlreiche Flüsse und Nebenflüsse des Rio Branco durchzogen, die wichtige Verkehrs- und Versorgungsachsen darstellen. Die Landschaft ist geprägt von dichter Regenwaldvegetation, Flussauen sowie kleineren Rodungsflächen entlang von Straßen und Siedlungen. Aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte dominieren natürliche Ökosysteme, während landwirtschaftliche Nutzung vor allem in peripheren Zonen erfolgt.

Das Klima ist tropisches Regenwaldklima mit ganzjährig hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit. Die Niederschläge sind über das Jahr verteilt, weisen jedoch eine ausgeprägtere Regenzeit zwischen April und September auf. Die Temperaturen bewegen sich meist zwischen 27 und 30 °C.

Geschichte Die Region des heutigen Rorainópolis wurde erst relativ spät systematisch erschlossen. Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war das Gebiet überwiegend von indigenen Gruppen bewohnt und nur punktuell durch staatliche oder wirtschaftliche Aktivitäten beeinflusst.

Mit dem Ausbau der Fernstraße BR-174 in den 1970er und 1980er Jahren setzte eine verstärkte Besiedlung ein. Die Straße verband die Region mit den Städten Boa Vista und Manaus und ermöglichte Migration sowie wirtschaftliche Nutzung des Gebiets. In diesem Zusammenhang entstanden erste dauerhafte Siedlungen entlang der Verkehrsachse. Für die Besiedlung war die Kolonisierungsgesellschaft Instituto Nacional de Colonização e Reforma Agrária (INCRA) verantwortlich, die Land an Siedler verteilte.

In den 1990er Jahren wurde Rorainópolis als eigenständige Verwaltungseinheit organisiert und 1995 offiziell zur Gemeinde erhoben. Davor gehörte das Gebiet zur Gemeinde Boa Vista.

Demografie Die Einwohnerzahl wurde 2025 auf etwa 38.000 Personen geschätzt. Die Bevölkerung ist vergleichsweise dünn verteilt und konzentriert sich vor allem auf das städtische Zentrum sowie Siedlungen entlang der BR-174. Insgesamt lebten 2022 drei Viertel der Einwohner in ländlichen Gebieten. Ethnisch sind über 70 Prozent der Einwohner Farbige gemischter Herkunft. Knapp drei Prozent gehören indigenen Völkern an, die in indigenen Gebieten leben.

JahrEinwohner19915.865200017.393201024.279202232.647Volkszählungen

Wirtschaft Die Wirtschaft von Rorainópolis ist durch eine Kombination aus Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Handel und staatlichen Dienstleistungen geprägt. Kleinbäuerliche Landwirtschaft dominiert in den ländlichen Gebieten, wobei vor allem Grundnahrungsmittel für den lokalen Markt produziert werden.

Die Lage an der BR-174 macht die Stadt zu einem wichtigen Zwischenstopp im regionalen Transportnetz, wodurch Handel und Dienstleistungen eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig ist die wirtschaftliche Entwicklung eng mit Fragen der nachhaltigen Nutzung des Regenwaldes verbunden, da Entwaldung und Ressourcennutzung langfristige Herausforderungen darstellen. Die Natur in Rorainópolis ist durch Palmöl-Plantagen bedroht. Palmaplan hat bis 2021 30.000 Hektar Land aufgekauft. Die Viehzüchter sind bestrebt, ihr Land lukrativ zu verkaufen und neue Flächen abzuholzen.

Religion Rorainópolis gehört zum römisch-katholischen Bistum Roraima. Neben der katholischen Kirche sind auch protestantisch-freikirchliche Gemeinden vertreten.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Ort in Roraima Kategorie:Município in Roraima Kategorie:Gemeindegründung 1995