mini|Die Ognissanti-Kirche von den gleichnamigen Fondamenta aus gesehen, also mit Blick nach Nordosten, links der Zugang zum Hospital, dem ehemaligen Klosterbezirk mini|Der 40 m hohe Campanile mini|Innenraum Ognissanti, auch Chiesa dei Ognissanti oder Chiesa di tutti i santi, ist eine Kirche im venezianischen Sestiere Dorsoduro, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Sie ist allen Heiligen geweiht. Das zugehörige Kloster wurde von Zisterzienserinnen von Torcello gegründet und später in ein Benediktinerinnenkloster umgewandelt, das bis 1807 bestand. Durch ein Legat von 1888 konnte der verfallende Komplex in ein Hospiz, später ein Krankenhaus umgewandelt werden. Sowohl die südlich vor dem kleinen Platz sich erstreckenden Fondamenta als auch der Rio del Ognissanti sowie der Rio Terà Ognissanti vor der Apsis sind nach dem Komplex benannt.
Geschichte Cesare Augusto Levi glaubte, die Zisterzienserinnen von Santa Margherita di Torcello hätten ihr verfallendes Kloster verlassen müssen und seien nach Venedig gegangen. Dort lebten sie demnach in einem Haus in der Gemeinde San Trovaso, wo eine von ihnen ein Haus geerbt hatte. Sie erwarben kleine Häuser in der Nachbarschaft, und so entstand ein neues Kloster nebst einer kleinen Kirche. Diese wurde 1505 renoviert, geweiht wurde sie allerdings erst 1586. Der Konvent mit seinem 40 m hohen Campanile ging später an die Kommune.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 143, S. 89.
Die Nonnen errichteten allerdings bereits mit staatlicher Genehmigung von 1472 ein Hospiz, in dem acht Konversen lebten, mit einer Kirche, deren Aussehen sich dem Plan des Jacopo de’ Barbari aus der Zeit um 1500 entnehmen lässt. Die Mutter einer der acht Konversen, einer Maria, nämlich Corovella Marzana, überließ testamentarisch ihren gesamten Besitz dem Kloster. Die erste Äbtissin wurde Eufrosina Berengo, eine Zisterzienserin, die ihre Profess in San Matteo di Mazzorbo abgelegt hatte. Doch das Kloster verarmte, bis 1504 ein Bildnis, so heißt es, Wunder bewirkte, die wiederum in großem Umfang die Spendenbereitschaft vieler Venezianer hervorrief. Die Erträge waren so groß, dass die Zisterzienserinnen ihre Kirche neu bauen konnten, und auch das Kloster wurde erweitert.
Offenbar geschah all dies ohne Genehmigung durch den Patriarchen, der, folgt man Flaminio Corner, die Frauen sogar exkommunizierte.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 516 f. Erst jetzt wandten sich diese an den Papst. Alexander VI. trug dem Generalvikar des Patriarchen von Venedig auf, sie von der Exkommunikation zu befreien und in ihrem Kloster den Zisterzienserorden durch den der Benediktiner zu ersetzen. Am 12. April 1496 räumte der Patriarch den Nonnen alle Rechte ein, die auch dem Kloster in Montecassino von Eugen IV. übertragen worden waren. Die Weihe der Kirche erfolgte allerdings erst am 22. Juli 1566 durch Girolamo Ragazino, den Bischof von Caorle. Dem Ruf der Einrichtung kam zustatten, dass diese eine Reihe von Reliquien aus den römischen Katakomben erhielt.
Der Patriarch Antonio Contarini setzte 1519 die Nonnen für seine Vorstellungen von einer Klosterreform ein. So wurden vierzehn von ihnen ausgewählt und der neuen Äbtissin Cipriana Landò unterstellt, die in das Kloster Santi Biagio e Cataldo auf der Giudecca entsandt wurden.
Auf Anordnung Napoleons wurden Kirche und Kloster 1807 geschlossen. Die Bauwerke drohten zu verfallen. Doch die Gräfin Elisabetta Michiel, Ehefrau des Senators Giobatta Giustinian, des ersten Bürgermeisters des italienischen Venedigs, verfügte am 27. Juni 1888 in ihrem Testament, dass die Erträge ihrer Ländereien in Busco, Portobuffolé und Fossa di S. Donà einer Wohltätigkeitsstiftung zufließen, die den Namen Giovanni Battista Giustinian tragen sollte. Diese Stiftung sollte Plätze für arme chronisch Kranke bieten. Nach langwieriger Suche nach einem geeigneten Standort schenkte die Stadt Venedig das Kloster Ognissanti der Wohltätigkeitsstiftung. Diese wurde zur regionalen Fachklinik für Alterskrankheiten fortentwickelt, die bis Mitte der 1990er Jahre in Betrieb war. Die in das Krankenhausgelände integrierte Kirche wurde für den Gottesdienst der Patienten wiederhergestellt.Nadia Maria Filippini: L’ospedale Giustinian e il dono di Elisabetta Michiel «Testamento chiaro: edificio per la sanità», in: La Nuova di Venezia e Mestre, 2. April 2023.
Literatur Giampaolo Onesto (Hrsg.): Interventi di restauro nella Chiesa di Ognissanti a Venezia, Il prato, Padua 2001. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 516 f. (Chiesa di tutti i Santi detta d’Ognissanti). (Digitalisat) Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 143, S. 89. Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 437 f., n. m („Ogni Santi, Benediktiner-Nonnen“). (Digitalisat)
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Anmerkungen
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