mini|Braunschweigs Jubeltage Die Tausendjahrfeier der Stadt Braunschweig war ein dreitägiges, großes Volksfest vom 19. bis 21. August 1861 in der Stadt Braunschweig, seinerzeit Hauptstadt des Herzogtums Braunschweig.

Das Fest fand zur Feier des 1000. Jahrestages der legendenhaften Gründung Braunschweigs durch die beiden Brüder und Sachsenherzöge Brun(o) und Dankward statt, die den Ort im Jahre 861 an einer Furt durch die Oker gegründet haben sollen. Es existieren allerdings keine Belege für diese Gründung, weshalb ihre Historizität von Historikern bereits im Vorfeld der Feierlichkeiten 1861, angezweifelt wurde – u. a. auch deshalb, weil es nach der Quellenlage im 9. Jahrhundert, also um das Jahr 861 – keine Sachsenherzöge und Brüder namens Brun(o) oder Dankward gegeben hat.

Historisch tatsächlich belegt ist die Existenz Braunschweigs erst durch die Weiheurkunde der Magnikirche aus dem Jahre 1031, in der mehrfach der Ort „Brunesguik“ erwähnt wird, an dem die Kirche errichtet wurde.

Hintergrund Die Bürger Braunschweigs bezogen sich im Jahr 1861 auf eine Inschrift, die sich einst am Turm der Kirche St. Jakob befunden haben soll. Hermann Dürre wurde beauftragt zu diesem Anlass die Geschichte Braunschweigs im Mittelalter zu verfassen.Hermann Dürre: Geschichte der Stadt Braunschweig im Mittelalter. Grüneberg, Braunschweig 1861 (). Bereits im Jahr 1860 wurde beschlossen, historische Urkunden zu dokumentieren und geordnet herauszugeben. Diese Aufgabe übernahm zunächst der hauptamtliche Stadtarchivar Ludwig Hänselmann, der ab 1862 die ersten drei Bände des Urkundenbuchs der Stadt Braunschweig herausgab. Grundlage für die Feierlichkeiten war die Sage über Gründung der Stadt durch die Fürsten Bruno und Dankward von Sachsen im Jahr 861.

Dabei soll Bruno am rechten Ufer der Oker die nach ihm benannte Stadt Brunswik gegründet haben. Sein Bruder Dankward ließ zum Schutz am etwas höher gelegenen linken Ufer eine Burg errichten, die Dankwarderode genannt wurde. Er soll zudem die Altstadt angelegt und für die Errichtung der Jakobskirche verantwortlich gewesen sein. So soll es bis 1794 zum einen auf einer Bleitafel am Kirchturm als auch auf einem Pergament im Turmknopf gestanden haben.

Alte Chroniken In den Cronecken der Sassen, die als eine der Quellen für das Gründungsjahr verwendet wurden, heißt es für das Jahr DCCCLXI (861):DCCCLXI. In: Cronecken der Sassen. Doppelblatt 43 (digitale-sammlungen.de).

Der Chronist (Cord Bote oder Hermann Bote) berichtet weiter, dass Karl der Große hier ein Dorf zerstört und geschleift hatte, das sich in etwa dort befunden habe, wo sich um 1492 die Häuser des Weichbilds Altewiek befanden. Dorthin kamen die Brüder und Dankward errichtete zunächst seine Burg während Bruno an der Stelle des ehemaligen Dorfes ein Haus errichtete. Sie verlegten das Haus Brunos und errichteten auch eine Kirche zu Ehren des Apostels Jakob, deren Turm sich noch immer am Eiermarkt erhob. Die „Neue Wieck“ (Altstadt) wurde „Brunswiek“ und der zuvor begonnene Siedlungsplatz „Alte Wiek“ genannt. Später wurde die Stadt befestigt und mit Mauern umgeben.

Auch in der Braunschweiger Weltchronik berichtete Hermann Bote um das Jahr 1500 über diese Ereignisse. Wobei er einen weiteren Bruder der Grafen namens Otto erwähnte, der sich verheiraten und für Erben sorgen sollte, während Bruno und Dankwart sich von Gandersheim aufmachten, um eine neue Wohnstätte für sich zu errichten.

Archäologische Ausgrabungen, die in den 1970er und 1980er Jahren an verschiedenen Stellen in der Innenstadt sowie in Okernähe vorgenommen wurden, ergaben anhand des Siedlungshorizonts, dass der Beginn der kontinuierlichen Besiedlung in das 9. Jahrhundert zu datieren ist.Wolfgang Kimpflinger: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Baudenkmale in Niedersachsen. Band 1.1.: Stadt Braunschweig. Teil 1, Niemeyer, Hameln 1993, ISBN 3-87585-252-4, S. 94.

Vorbereitung mini|hochkant=1.5|Das „Fest=Comité“ Mit den Vorbereitungen für die Tausendjahrfeier wurde bereits Ende 1859 begonnen. Dabei erwachte auch schnell das Interesse weiter Teile der Bevölkerung an den historischen Entwicklungen und der Geschichte ihrer Stadt. Dem anfänglich überschaubaren Kreis engagierter Historiker schlossen sich schnell Mitglieder aus dem Bildungs- und Wirtschaftsbürgertum, dem Mittelstand, der Staatsbeamtenschaft und des Offizierskorps an. Die Tausendjahrfeier markierte im Grunde das Ende der oppositionellen Feiern des Vormärz und der Revolutionszeit und bildete den Übergang zu den Nationalfeiern des Kaiserreichs.

Heinrich Caspari, der damalige Oberbürgermeister, ergriff die Initiative und stellte am 17. Januar 1860 einen Antrag an die Stadtverordneten einige Vertrauensmänner aus ihren eigenen Reihen zu bestimmen, die sich gemeinsam mit ihm und zwei weiteren Magistratsmitgliedern zusammenzusetzen und eine diesem wichtigen Anlass würdige Veranstaltung zu planen. Auserkoren wurden der Landessyndikus Johann Wilhelm Österreich, der Obergerichtsadvokat Otto Haeusler, der Weinhändler Johannes Kellner, der Hofkunsthändler Carl Wilhelm Ramdohr sowie der Schulrat August Uhde, der die Feierlichkeiten nicht mehr erlebte. Das Komitee wurde noch um einige Personen erweitert, die eine persönliche Einladung erhielten. Dies waren der Staatsminister Friedrich Schulz, Finanzdirektor Philipp August von Amsberg, Kreisgerichtsdirektor Eduard Riesell, Polizeidirektor H. R. Cleve und, als besondere Kenner der braunschweigischen Geschichte, die Oberlehrer Wilhelm Assmann und Hermann Dürre sowie der Privatgelehrte Carl Schiller. Die erste Sitzung des Gremiums fand am 17. April 1860 im Stadthaus statt. Neben der erwähnten nahmen die Stadträte A. Bammel, H. Bardenwerper und Wilhelm Bautler, sowie Braunschweiger Handwerker und Kaufleute, wie der Seifenfabrikant Ernst Wilhelm Theodor Grassau, der Glasermeister C. A. H. Haars, der Kaufmann Salomon Jüdel, der Schneidermeister Wilhelm Knoll, der Tabakfabrikant Friedrich Wilhelm Reuter, der Hofbuchbinder Johannes Jacob Selenka und der Stadtbaumeister Carl Tappe teil.

Am 15. Mai wurde das fertige Programm vorgelegt, so wie es bis auf kleinere Änderungen auch zur Ausführung kam. Anschließend wurden die Mitglieder in unterschiedliche Spezialkomitees eingeteilt, die für den feierlichen Empfang, die Musik, das Festessen, die Festschriften, die Festumzüge und das abschließende Volksfest. Am 29. Mai 1861 gab es eine öffentliche Bekanntmachung und Aufforderung zur Teilnahme. Für die gesamte Veranstaltung wurde eine maximale Summe von 15000 Talern festgesetzt. Um dem Ganzen noch mehr Glanz zu verleihen, hatten die Bürger ihre Häuser instandgesetzt und auch die Alte Waage aus dem 16. Jahrhundert war restauriert worden. Für die Unterbringung der rund 30000 mit Sonderzügen nach Braunschweig transportierten auswärtigen Gäste hatte man allen Bürgern erlaubt, Fremde für Kost und Logis bei sich aufzunehmen.

Am 1. August wurden die Feierlichkeiten durch die Herausgabe des Erinnerungsblatts durch Johann Heinrich Meyer eingeleitet, das einen kurzen illustrierten Abriss zur Stadtgeschichte von Karl Wilhelm Sack enthielt und alle auf das bevorstehende Ereignis einstimmte. Auch die hochwertigen Gedenkmedaillen mit der Brunonia in Gold, Silber und Bronze und die weniger aufwändigen Medaillen aus Silber und Neusilber wurden in Umlauf gebracht. Zudem wurde eine kleinere Medaille mit dem Bildnis Brunos in Gold und Silber angefertigt.Theodor Gassmann: Festchronik. Zur Erinnerung an die Tausendjährige Jubelfeier der Stadt Braunschweig. Schulbuchhandlung, Braunschweig 1861, S. 7–14 ().

Der Schriftsteller Carl Schultes (1822–1904), der 1857 an das Hoftheater nach Braunschweig gekommen war, verfasste zur tausendjährigen Jubelfeier der Stadt Braunschweig das Drama Brunswiks Leu, stark und treu (1861). Im Anschluss an die Feierlichkeiten wurde am 31. August 1861 am Collegium Carolinum die Braunschweiger Burschenschaft Germania gegründet.

Feierlichkeiten Das Jubiläum wurde als eine Art Volksfest inszeniert und an drei Tagen abgehalten. Es richtete sich nicht ausschließlich an die Stadtbewohner, sondern sollte deutschlandweit bekannt werden. Es gab für die Teilnahme jedoch auch Einschränkungen. So war es unter anderem Frauen und Kindern untersagt am Festumzug teilzunehmen. Bereits am festlich dekorierten Bahnhof wurden die Gäste mit einem Spruchband begrüßt:

19. August mini|Programmheft Um 8:00 Uhr begannen am 19. August die Glocken der Stadt zu läuten und alle Schulkinder zogen von ihren Schulgebäuden festlich gekleidet zum Altstadtmarkt, um sich dort zu versammeln. Anschließend zeigte sich der Oberlehrer Karl Baake am geöffneten Fenster des Enst’schen Hauses, erhob seinen Taktstock und die Schüler begannen das Lied Nun danket alle Gott von Martin Rinckart zu singen. Danach setzte sich der Festzug in Bewegung und begab sich zum Bohlweg und passierte von dort aus auf Wunsch des Herzogs Wilhelm den Schlossplatz. Von dort aus begab er sich zum Monumentplatz. Dort hielt der Schulinspektor Lang von der eigens errichteten Bühne seine Begrüßungsansprache. Danach löste sich die Veranstaltung gegen 11:00 Uhr auf. Um 16:00 am Nachmittag stand der nächst Festakt an. Das Festkomitee versammelte sich im Saal des Altstadtrathauses, alle Gesangsvereine und die Bürger der Stadt auf dem Altstadtmarkt. Gegen 17:00 Uhr setzten sie sich in Bewegung und marschierten wiederum zum Schlossplatz. Auf dem Balkon befand sich der Herzog mit seinem Gefolge. Nun wurde der von Theodor Röhmeyer gedichtete und von Franz Abt komponierte Festgruß an Se. Hoheit unter musikalischer Begleitung vorgetragen wurde. Dann folgte ein dreifaches Hoch auf den Herzog und die erste Strophe der Nationalhymne. Der Oberbürgermeister begab sich mit seinen Deputierten ins Schloss und erschien nun ebenfalls auf dem Balkon, wo nun die Hymne Freude, Friede, Freiheit des Herzogs zu Sachsen-Coburg-Gotha angestimmt wurde. Zuletzt wurde noch die von Albert Methfessel komponierte und von Adolf Glaser getextete Hymne Heil Braunschweig, wo die Welfen thronen. Der Zug wandte sich nun wieder den Burgplatz zu, wo das von Adolf Schmidt gedichtete und von Franz Abt komponierte Lied Braunschweig, Braunschweig! Hoch in Ehren gesungen wurde. Caspari übermittelte den Dank des Herzogs an die Zuhörer und es folgte Abts Weihegesang. Danach löste sich die Veranstaltung auf und das Festkomitee begab sich mit seinen Gästen in die geschmückten unteren Räume des Altstadtrathauses.Theodor Gassmann: Festchronik. Zur Erinnerung an die Tausendjährige Jubelfeier der Stadt Braunschweig. Schulbuchhandlung, Braunschweig 1861, S. 21–33 ().

20. August mini|hochkant|Bauerntrachten