mini|Mary Ward, ca. 1875 Mary Jane (Minnie) Ward, geborene Martin (* 6. Juni 1851 in Armagh, County Armagh; † 14. März 1933 in Caldy, The Wirral) war eine in Cambridge wirkende irisch-britische Frauenrechtlerin, Dozentin und Autorin.Sofern nicht explizit anders referenziert folgt die Darstellung den beiden in der Literatur angegebenen Einträgen von Ann Kennedy Smith im Oxford Dictionary of National Biography.

Leben Ward war das dritte von zwölf Kindern eines kongregationalistischen Geistlichen in Armagh. Sie wurde von ihrer Mutter zu Hause unterrichtet, da für die Schulbildung eines Mädchens nur wenig Geld zur Verfügung stand; das Vermögen der Familie ihrer Mutter war zugunsten der männlichen Erben gebunden. Als sie fünfzehn Jahre alt war, zog die Familie nach Royston; Hertfordshire. Ward wurde für ein Jahr Schülerlehrerin (pupil‑teacher) an einer Schule in Hampstead und bildete sich anschließend autodidaktisch weiter, während sie als Gouvernante arbeitete.

Mitte der 1870er Jahre bot ihr IHR älterer Bruder, der Cambridge‑Physiologe H. Newell Martin, an, ihr Studium in Cambridge zu finanzieren, falls sie ein Stipendium im Higher Local Examination erringen könne, was ihr gelang. 1876, als Newell die erste Professur für Physiologie an der Johns Hopkins University übernahm, begann Ward ihr Studium im neu gegründeten Newnham College. Im Alter von 25 Jahren wurde „Minnie“, wie Freunde sie nannten, als jünger aussehend, zart hübsch, lebhaft, eifrig und schüchtern beschrieben.

Als Studentin in Cambridge engagierte sich Martin für Frauenbildung, setzte sich für den gleichberechtigten Zugang von Frauen zur Universitätsausbildung und für das Recht, regulär zu den Tripos‑Prüfungen zugelassen zu werden, ein. 1879 legte sie ihre Abschlussprüfungen im Moral Sciences Tripos ab und bestand als erste Frau überhaupt mit Auszeichnung erster Klasse. Ab 1880 war sie Resident Lecturer für Moralphilosophie am Newnham College.

Zu Beginn der 1880er Jahre besuchte Martin eine Vorlesungsreihe von James Ward, Fellow des Trinity College, später Professor für Mental Philosophy and Logic, der ebenfalls ein entschiedener Befürworter der Frauenbildung war. Mary und James Ward heirateten am 31. Juli 1884 in Nottingham und ließen sich in Cambridge nieder, in einem Haus, das für sie von J. J. Stevenson erbaut worden war. Sie hatten zwei Töchter und einen Sohn.

Über Ward hieß es, ihre „schnelle irische Sprechweise sprudelte hervor, wenn sie aufgeregt war. Das Leben war voller Dinge, für die es sich zu kämpfen lohnte“. Sie war eine begeisterte Verfechterin der Gleichberechtigung der Geschlechter und widmete der Wahlrechtsbewegung viel Zeit. Sie hatte klare, scharf umrissene Meinungen, die sie prägnant äußerte.

Von 1890 bis zur Auflösung 1914 war sie Mitglied der Ladies Dining Society, einer exklusiven Diskussionsgruppe aktivistischer Frauen, gegründet von Kathleen Lyttelton und Louise Creighton, beide ebenfalls Ehefrauen von Cambridge‑Akademikern. Auch nach ihrer Heirat blieb sie dem Newnham College verbunden und wurde ab 1890 Mitglied des College‑Rates. Zudem lieferte sie politische Skizzen für Punch und kurze Aufsätze zur Metaphysik für die philosophische Zeitschrift Mind.

1905 wurde Ward Ehren‑Sekretärin der Cambridge Women’s Suffrage Association (CWSA), einer angeschlossenen Organisation der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS), ein Amt, das sie bis 1915 innehatte. Ab 1909 fanden Treffen in ihrem Haus statt.

Im April 1908 wurde ihr Zweiakter Man and Woman in Shepherd’s Bush, London, aufgeführt; die Wahlrechtszeitung Votes for Women bemerkte, das Stück sei „in Teilen ziemlich lebhaft und amüsant“. Ward ließ das Stück 1911 drucken und stellte Frauenwahlrechtsorganisationen Exemplare auf Kommissionsbasis zur Verfügung; Honorare und Gewinne kamen der Wahlrechtsbewegung zugute. In den folgenden Jahren wurde das Stück populär; eine einzelne Aufführung 1911 erbrachte 10 Pfund Gewinn für eine Organisation, zu deren Gründung Ward beigetragen hatte: die Eastern Counties Federation der NUWSS. Im Zentrum des Stücks steht die idealistische „Helen Chester“, die eine zweifelnde Frau davon überzeugt, dass Wählen sinnvoll ist.

Ward lehnte die militanten Taktiken der Suffragetten der Women’s Social and Political Union (WSPU) ab. Im Mai 1913 unterzeichnete sie gemeinsam mit Margaret Heitland einen Brief, der gegen die fortgesetzte Betonung der militanten Aktionen in der Presse protestierte und feststellte, die NUWSS habe „jede Form von Gewalt stets verurteilt“. Sie missbilligte gleichermaßen den Umgang der Regierung mit militanten Gefangenen und trat aus Protest aus der Liberal Party aus. 1913 beteiligte sie sich an der Great Pilgrimage der NUWSS und führte eine Cambridge‑Gruppe auf dem Sternmarsch nach London an.

Während des Ersten Weltkriegs betrieb Ward in Cambridge eine Suppenküche. Angesichts der vielen arbeitslosen belgischen Flüchtlinge entwickelte, leitete und finanzierte sie das Projekt Belgian Soldiers’ Comfort Fund, in dessen Rahmen belgische Flüchtlingsfrauen Kleidungsstücke für Soldaten anfertigten. Berichten zufolge wurden rund 6.500 Kleidungsstücke von ihrem eigenen Haus aus versandt, jedes versehen mit einem eingewebten Band, das es als Geschenk aus England, gefertigt von belgischen Flüchtlingsfrauen, auswies.

1918 wurde Ward Ehren‑Sekretärin des Cambridge‑Zweigs der National Union of Societies for Equal Citizenship, der Nachfolgeorganisation der NUWSS, ein Amt, das sie bis 1923 bekleidete.

Nach dem Tod ihres Mannes 1925 verließ Ward Cambridge und zog zu ihrer Tochter nach Caldy auf der Wirral‑Halbinsel. Dort schrieb sie Memories of Kenneth Martin Ward zum Gedenken an ihren Sohn, Professor für Physik an der Universität Rangun, der 1927 im Alter von 39 Jahren verstorben war.

Mary Ward starb 1933 im Alter von 81 Jahren im Haus ihrer Tochter in Caldy.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Autor Kategorie:Frauenrechtler (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Ire Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1851 Kategorie:Gestorben 1933 Kategorie:Frau