Die Geschichte von der Königsermahnung ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (151: Rājovāda-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 203–210, 516–517. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.

Handlung Als der Bodhisattva als der Sohn des Königs Brahmadatta in Benares wiedergeboren und herangewachsen war, bestieg er selbst den Thron und regierte in Gerechtigkeit. Da auch seine Minister gerecht entschieden, gab es schon bald keine falschen Anklagen mehr und so verödete die Gerichtsstätte, woraufhin der Bodhisattva entschied, sich selbst zu überprüfen. Also mischte er sich unter das Volk, um herauszufinden, ob er denn eine Untugend besäße. Auf einem Wagen ließ er sich verkleidet durch sein Reich fahren, doch die Menschen waren zufrieden und keiner konnte ihm eine Untugend vorwerfen. Da traf er an der Grenze zum Nachbarreich Kosala dessen König Mallika, der ebenfalls auf einem Wagen unterwegs war, um herauszufinden, ob er denn eine Untugend besäße.

Die beiden Wagen begegneten sich an einer schmalen Stelle eines Weges, sodass einer ausweichen musste, doch keiner der beiden Wagenlenker wollte nachgeben, fuhren sie doch beide im Auftrag von Königen. Da maßen sie das Alter, die Größe der Reiche, die Macht, das Vermögen, den Ruhm, die Kasten und weiteres ihrer beiden Herrscher, doch alle Begebenheiten der beiden glichen sich bis auf das Haar. So zählten sie also die Tugenden ihrer Herrscher auf und der Wagenlenker des Königs Mallika berichtete, dass sein Herr Strenge mit Strenge, Sanftmut mit Sanftmut, Gutes mit Güte und Böses mit Bosheit ahndet, woraufhin der Wagenlenker des Bodhisattva entgegnete, dass sein König Zorn mit Milde, Bösem mit Güte, Geiz mit Geschenken und Lügnern mit der Wahrheit begegnet. Daraufhin machte der Wagenlenker des Königs Mallika Platz für den Wagenlenker des den Mallika ermahnenden Bodhisattva.

Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 151 (Rājovāda-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte von der Königsermahnung. Ähnlicher Inhalt findet sich auch in dem Rājovāda-Jātaka 334 sowie im Mahābhārata (III. Buch, Adhyāya 194). Auch bei Ödipus existiert das Motiv, wo dieser seinem ihm unbekannten Vater in einem Engpass begegnet und erschlägt. Dramatisch verarbeitet wurde der Stoff von Sophokles (König Ödipus, Ödipus auf Kolonos), Aischylos (Sieben gegen Theben) und Euripides (Phönikerinnen). Einige Passagen sind auch bei Lao Tse zu finden. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Die beiden tugendhaften Könige.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 288–291.

Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 203–210, 516–517. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 288–291.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka