Die A Bigger Bang Tour war eine weltweite Konzerttournee der britischen Rockband The Rolling Stones, auf der die Gruppe ihr 2005 veröffentlichtes und namensgebendes Studioalbum A Bigger Bang bewarb. Gemessen am Umsatz ist diese Tournee die bis heute erfolgreichste der Band.

Hintergrund Im Frühjahr 2005 kündigten die Rolling Stones auf einer Pressekonferenz und einem Minikonzert an der Juilliard School in New York City eine Welttournee zu ihrem kommenden Studioalbum A Bigger Bang an. In der anschließenden Fragerunde erklärte Frontmann Mick Jagger gegenüber Reportern, dass dies nicht unbedingt ihre letzte Tournee sein müsse.

Alle Proben für die Tournee fanden in Toronto an der örtlichen, privaten Greenwood College School statt; für die Proben auf der großen Bühne wurde ein Hangar am Pearson International Airport angemietet. Wie es bei den Stones seit ihrer Steel Wheels/Urban Jungle Tour (1989) Tradition war, gaben sie am 10. August 2005 ein Überraschungskonzert, das diesmal im Concert Theatre in Phoenix (Arizona) vor 1000 Zuschauern stattfand. Der Preis für die heiß begehrten Tickets betrug 10 Dollar (der reguläre Eintrittspreis des Theaters.)

Die Bühne der A Bigger Bang Tour wurde von Mark Fisher entworfen. Für das Produktionsdesign waren Fisher, Charlie Watts, Mick Jagger und Patrick Woodroffe verantwortlich. Die Show umfasste modernste Elektronik, die u. a. animierte Bildschirmaufnahmen der Stones-Zunge präsentierte. Die Bühne war 25 Meter hoch. Die mehrstöckige Konstruktion beinhaltete Balkons hinter der Bühne mit Platz für 400 Zuschauer. Wie schon bei der Bridges to Babylon Tour (1997/98) und bei der Licks Tour (2002/03) spielte die Band einen Teil des Sets auf einer B-Bühne in der Mitte des Stadions. Ein Teil der Bühne löste sich ab und rollte die gesamte Band über einen Laufsteg, wodurch eine Art Insel-B-Stage mitten im Stadion entstand.

Die Einleitung beinhaltete Feuerwerk und computergenerierte Grafiken, die den buchstäblichen Urknall darstellten. Die Gesichter der vier Bandmitglieder erschienen verschwommen, und weitere Grafiken zeigten eine rasante Reise durch die Straßen einer Stadt, bevor Keith Richards zum Klang des Eröffnungssongs der Band auf dem Bildschirm erschien (hauptsächlich Start Me Up oder Jumpin’ Jack Flash, obwohl auch einige andere Stücke die Shows der Tournee eröffneten).Während der Konzerte wurden auf einer großen zentralen Leinwand Live-Aufnahmen der verschiedenen Bandmitglieder, vorwiegend von Mick Jagger, gezeigt. Zu beiden Seiten der Hauptleinwand befanden sich zwei Lichteffekt-Panels, die in Kombination mit der Hauptleinwand zu verschiedenen Zeitpunkten der Show visuelle Effekte erzeugten.

Bei Stadionkonzerten wurden während Sympathy for the Devil riesige Flammen über der Bühne in den Himmel geschossen. In den 1970er-Jahren wurde der Song nur sporadisch live gespielt, seit der Steel Wheels/Urban Jungle Tour (1989/90) gehört Sympathy for the Devil jedoch fest zum Repertoire und dient als Bühne für die aufwendigsten Effekte der Shows.

Die Tournee begann offiziell am 21. August 2005 mit zwei Konzerten im historischen Fenway Park in Boston. Die riesige Bühne der Stones verursachte erhebliche Schäden am Spielfeld, sodass rund 4.000 m² Rasen zur Reparatur herangeschafft werden mussten. Ein drei Tage später im selben Stadion stattfindendes Baseballspiel musste um eine Stunde verschoben werden, um den Platzwarten mehr Zeit für die Reparaturen zu geben.https://web.archive.org/web/20051218133652/https://www.usatoday.com/sports/baseball/al/tigers/2005-09-04-comerica-stones_x.htm

Am 1. Februar 2006 spielten die Stones ihr erstes Konzert in der 1st Mariner Arena in Baltimore seit 1969, dem zweitkleinsten Veranstaltungsort ihrer gesamten Tournee. Ihr intimster Auftritt fand unterdessen am 14. März 2006 in der New Yorker Radio City Music Hall statt, einem privaten Benefizkonzert zur Unterstützung der Robin Hood Foundation. Dieses Benefizkonzert war bis dato ihr einziger Auftritt in diesem Auditorium. Zu den weiteren intimen Veranstaltungsorten der Tournee zählte, das sich ebenfalls in New York City befindliche Beacon Theatre. Am 28. August 2005 gaben die Stones ein Konzert in Ottawa – ihr erster Auftritt in dieser Stadt seit 1965.https://news.google.com/newspapers?id=X8cyAAAAIBAJ&sjid=e-wFAAAAIBAJ&pg=3578%2C3112010

Die gigantische Dimension dieser Tournee wurde am 18. Februar 2006 deutlich, als die Rolling Stones ein Konzert am Copacabana-Strand in Rio de Janeiro gaben. Das Gratis-Konzert wurde im brasilianischen Fernsehen übertragen und brach als bis dato meistbesuchtes Rockkonzert aller Zeiten mehrere Rekorde. Berichten zufolge strömten zwei Millionen Menschen zum Strand und in die umliegenden Straßen. Für die Band wurde eigens eine Brücke errichtet, um sicher von der Bühne zum Hotel zu gelangen. Drei Tage nach diesem gigantischen Ereignis spielten U2 in São Paulo und beendeten ihr Konzert, sichtlich beeindruckt von dem überwältigenden Abend, mit den Worten: „We can’t get no satisfaction!“. Laut Guinness-Buch der Rekorde gab Rod Stewart am Silvesterabend des Jahres 1994 am selben Ort das bis dato größte Gratis-Konzert aller Zeiten vor 3,5 Millionen Menschen. Diese Zahl umfasst jedoch alle, die sich zum Feuerwerk und den Silvesterfeierlichkeiten am Copacabana-Strand aufhielten, nicht nur die Besucher des Konzerts. Diese Show wurde für die Vorführung auf digitalen Kinoleinwänden in den USA durch Regal Cinemas aufgezeichnet. Zusätzlich wurde die Show live auf AOL Music in Zusammenarbeit mit Network Live gezeigt. Der Rekord für das meistbesuchte Konzert an der Copacabana wurde 18 Jahre später, am 4. Mai 2024, von Madonna auf ihrer Celebration Tour gebrochen.

Am 8. April 2016 trafen die Stones in der Volksrepublik China ein, um dort ihr erstes Konzert auf chinesischem Boden zu geben (die bereits für 2003 geplanten Konzerte der Licks Tour in China mussten aufgrund der damaligen SARS-Pandemie abgesagt werden.) Die chinesischen Behörden baten die Band im Vorfeld darum, die Stücke Brown Sugar, Honky Tonk Women, Beast of Burden und Let’s Spend the Night Together nicht zu spielen, da diese als „zu anstößig“ galten.

Nach ihrer Tournee durch Japan, Australien und Neuseeland legten die Stones eine einmonatige Pause ein, bevor es in den Sommermonaten 2006 in Europa weiterging. Mick Jagger blieb in Neuseeland, um einen Gastauftritt in der Sitcom The Knights of Prosperity zu drehen, während Keith Richards und Ron Wood mit ihren Ehefrauen zwei Wochen auf Fidschi verbrachten. Während seines Urlaubs stürzte Richards von einem Baum. Nach einer erlittenen Gehirnerschütterung wurde er zur weiteren Beobachtung ins Ascot Private Hospital in Auckland eingeliefert.https://www.independent.co.uk/arts-entertainment/music/news/richards-concussed-after-fall-from-coconut-tree-6102254.html Obwohl Berichte behaupteten, er sei zwei Tage später entlassen worden, bestätigte das Krankenhaus kurz darauf, dass er sich am 5. Mai 2006 einer Gehirnoperation unterzogen hatte, um ein Blutgerinnsel hinter seinem Schädel zu entfernen. Die BBC berichtete, dass Richards sich bei seiner Entlassung überschwänglich beim Krankenhauspersonal für die Betreuung bedankte.http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/4983890.stm

Am 15. Mai 2006 berichtete The Independent, dass die Verletzung dazu führen könnte, dass bis zu sechs Konzerte der Europatournee der Band abgesagt werden müssten, was geschätzte Kosten von einer Million Pfund pro Konzert verursachen würde. Die A Bigger Bang Tour wurde jedoch am 11. Juli 2006 in Mailand problemlos fortgesetzt. Mick Jagger sang eine italienischsprachige Version von As Tears Go By, und Keith Richards war vollständig genesen. Vier der ersten fünfzehn Konzerte wurden auf den Sommer verschoben, die restlichen fanden im Sommer 2007 statt. Zusätzlich zu den ersten fünfzehn Konzerten mussten zwei weitere aufgrund einer Kehlkopfentzündung bei Jagger verschoben werden. Wegen Bauverzögerungen beim neuen Londoner Wembley-Stadion wurden die beiden dort geplanten Konzerte ins 15 km entfernte Twickenham Stadium verlegt.

Bei jedem Konzert in den Vereinigten Staaten gab es fünf verschiedene Ticketkategorien: Gold-Sitzplätze (100 $), Diamant-Sitzplätze (350 $), Premium-Sitzplätze (175 $), Stehplätze (100 $) und Seitenplätze (50 $). In Großbritannien lagen die Preise bei 40 £, 60 £, 90 £, 150 £ und 340 £. Tickets wurden auf eBay für bis zu 4000 $ angeboten. Beim ersten Konzert in Boston verlangte der damalige Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, von 36 republikanischen Spendern jeweils 100.000 US-Dollar, um das Konzert mit ihm in seiner VIP-Loge zu verfolgen. Jagger witzelte über Schwarzenegger: „Anscheinend hat er draußen Spenden gesammelt, gefälschte T-Shirts verkauft und Tickets auf dem Schwarzmarkt verhökert“, worauf Richards hinzufügte: „Hey Arnold, vergiss nicht unseren Anteil an den T-Shirts.“https://www.theage.com.au/business/wealthy-rockers-do-it-for-a-bigger-bang-20050919-ge0w9t.html

Mitte August 2007 berichteten mehrere Medien, die Band würde nach ihrer Tournee aufhören zu touren, und das letzte Konzert am 26. August 2007 in der Londoner O2 Arena solle ihr allerletzter Auftritt sein. Weniger als eine Woche später erklärte Ron Wood in einem Interview mit The Sun, die Band habe keine Pläne aufzuhören.https://www.gigwise.com/news/36492/rolling-stones-well-never-stop-touring/ Auch Mick Jagger sagte: „Ich bin sicher, die Rolling Stones werden noch weitere Projekte, Alben und Tourneen machen.“https://www.digitalspy.com/music/a76846/jagger-insists-the-stones-will-never-quit/

Die Tournee endete mit einem Rekord-Einnahmeergebnis von 558.255.524 US-Dollar.https://www.billboard.com/music/music-news/rolling-stones-tour-grosses-more-than-half-a-billion-1048656/ Damit wurde der vorherige Rekord von 377 Millionen US-Dollar, den U2 mit ihrer erfolgreichen Vertigo-Tour erzielt hatten, übertroffen. Nach Steels Wheels/Urban Jungle und Voodoo Lounge stellten die Stones zum dritten Mal die erfolgreichste Konzerttournee der Geschichte. Der Rekordwert von A Bigger Bang wurde 2011 von U2 mit ihrer 360° Tour überboten. Bis heute ist A Bigger Bang die erfolgreichste Tournee der Rolling Stones und –Stand Juli 2026 und inflationsbereinigt– die 7.-erfolgreichste der Geschichte.Highest-grossing concert tours of all time (Inflation-adjusted values)

Liveaufnahmen Die Konzert-DVD The Biggest Bang mit vier Discs, die Mitschnitte mehrerer Konzerte in den Jahren 2005 und 2006 enthält, wurde im Juni 2007 veröffentlicht. Am 9. Juli 2021 erschien außerdem der Mitschnitt A Bigger Bang: Live on Copacabana Beach als Doppel-CD, Dreifach-LP, Blu-ray und Doppel-DVD.

Die beiden Auftritte im New Yorker Beacon Theatre im Herbst 2006 wurden zudem unter der Regie von Martin Scorsese für den Film Shine a Light gefilmt, der im Februar 2008 Premiere feierte.

Setlist Die Setlist der Konzerte variierte an jedem Veranstaltungsort und enthielt neue und alte Lieder, basierte aber größtenteils auf denselben Stücken. Insgesamt wurden 80 verschiedene Songs gespielt. Fast überall wechselte das Eröffnungsstück zwischen Jumpin’ Jack Flash, Start Me Up, It’s Only Rock ’n Roll (But I Like It) und Paint It Black; die Abschlussstücke waren entweder (I Can’t Get No) Satisfaction oder Brown Sugar. Häufig wurden auch neue Stücke sowie zwei von Keith Richards gesungene Lieder gespielt. Zu den neuen Titeln gehörten Rough Justice, Infamy, This Place Is Empty, It Won’t Take Long, Rain Fall Down, Streets of Love, Back of My Hand und Oh No, Not You Again.

Nachfolgend ist die Setlist für das Abschlusskonzert in der Londoner O2 Arena am 26. August 2007 zu lesen.https://iorr.org/tour05/london5.htm

Beispiel-Setlist Start Me Up You Got Me Rocking Rough Justice Ain’t Too Proud to Beg She Was Hot You Can’t Always Get What You Want Can’t You Hear Me Knocking I’ll Go Crazy Tumbling Dice You Got the Silver Wanna Hold You Miss You It’s Only Rock ’n Roll (But I Like It) (I Can’t Get No) Satisfaction