mini|Hannah de Rothschild Hannah de Rothschild (geborene Barent Cohen 1783 in London; gestorben 1850 ebenda) war ein Mitglied der Familie Rothschild und aktiv an den Geschäften ihres Mannes beteiligt.
Leben Hannah Barent Cohen wurde 1783 in London geboren. Sie war die Tochter des jüdischen Diamantenhändlers Levy Barent Cohen (1747–1808), der aus Amsterdam stammte und 1770 nach London gezogen war. Das Handelshaus Barent Cohen besaß geschäftliche Verbindungen mit Mayer Amschel Rothschild (1744–1812), dem Vater von Nathan Mayer Rothschild (1777–1836). Mayer Amschel Rothschild empfahl seinen Sohn Nathan für eine informelle Lehre bei Levy Barent Cohen, als Rothschild im Jahr 1798 nach London gezogen war. Nathan Mayer Rothschild warb um Hannah Barnet Cohen, zu dem Zeitpunkt war er für sie nicht die beste Wahl, doch Barent Cohen erkannte in ihm großes Potenzial. Er bat ihn um den Namen seines Anwalts, um den Ehevertrag zu regeln. Dazu gibt es die Erzählung, dass Rothschild sich in dem Moment an eine Inschrift am Türpfosten eines Nachbarhauses mit der Aufschrift „Edwin Dawes, Rechtsanwalt“ erinnerte und diesen Namen nannte. Cohen erwiderte daraufhin, dass sich das gut träfe, denn Dawes wäre auch sein Anwalt. Dies war für ihn ein Zeichen, dass der junge Rothschild, dem ein Verdacht auf Leichtsinn anhaftete, einen umsichtigen Berater hatte und der Ehevertrag wurde geschlossen. Cohen legte für seine Tochter 3.248 Pfund, 14 Schilling und 6 Pence in Form von 3%igen konsolidierten Bankrenten an, und die Hochzeit fand am 22. Oktober 1806 in London statt.
Ehe und Geschäftsallianz Hannah Rothschild, die eine gute Ausbildung genossen hatte, welche Musik, Kunst, Literatur, Hebräisch und Französisch umfasste, sorgte in der Familie dafür, dass auch die Kinder durch Privatlehrer eine ebensogute Ausbildung erhielten und gerade auch die Töchter in Musik und Kunst geschult wurden. Ihre gesellschaftliche Stellung half auch ihrem Mann, besser Fuß zu fassen, und sie nutzte ihre Kontakte zum Vorteil ihres Ansehens und des Fortkommens der Unternehmungen. Um bei ihrem Mann zu sein, zog Hannah Rothschild Ende November 1806 nach Manchester. Dort war Nathan Rothschild bei den Kaufleuten, Textilfabrikanten und seinen Angestellten bereits gut etabliert. Hannah Rothschild wurde in diese Gesellschaft gut aufgenommen und bearbeitete auch die Korrespondenz und Bestellungen der Firma, auch unterzeichnete sie Schecks im Namen der Firma. Bei den Geschäftspartnern ihres Mannes war ihre Rolle bekannt, und wenn er auf Reisen war, richteten sie ihre Korrespondenz direkt an Hannah Rothschild. Überliefert sind die in den Briefen festgehaltenen Strategievorschläge und Berichte über politische und wirtschaftliche Entwicklungen, die das Paar austauschte, wenn sie getrennt waren, aber auch ihre Herzlichkeit und Anteilnahme, die sich z. B. in den Worten äußerte: „Ich muss dich außerdem bitten, beim Aufstehen Hausschuhe anzuziehen; das Wetter wird unbeständig, und du solltest aufpassen, dass du dich nicht erkältest.“ Als Baron Nathan Mayer de Rothschild im Alter von 58 Jahren starb, sprach Hannah de Rothschild, die inzwischen zur Baronin geadelt war, in ihrer Trauerrede vom Verlust ihres besten Freundes.
In seinem Testament verfügte Nathan Mayer de Rothschild, dass sie bei allen wichtigen Angelegenheiten stets mit den vier Söhnen zusammenarbeiten solle und bei allen Beratungen Mitspracherecht habe. Er hielt dabei auch seinen ausdrücklichen Wunsch fest, dass seine Söhne keine Geschäfte von Bedeutung tätigen sollen, ohne zuvor ihren Rat eingeholt zu haben.
Hannah de Rothschild starb 1850 in London.
Nachkommen Mit Nathan Mayer Rothschild hatte sie sieben Kinder (vier Söhne und drei Töchter).
Charlotte von Rothschild (1807–1859); heiratete 1826 mit Anselm Salomon von Rothschild (1803–1874) in den Wiener Zweig ein. Lionel Nathan Rothschild (1808–1879); er führte die Geschäfte in England fort und wurde 1858 erstes jüdisches Mitglied der House of Commons. Er heiratete seine Cousine Charlotte von Rothschild aus dem Neapolitanischen Zweig der Familie. Sein Enkel gleichen Namens (Nathan Mayer Rothschild 1840–1915) wurde 1885 zum ersten Baron Rothschild und ersten jüdischen Mitglied des House of Lords. Anthony de Rothschild (1810–1876); heiratete 1840 seine Cousine, die Bankierstochter Louise Montefiore (1821–1910) und ließ Schloss Aston Clinton erbauen. Nathaniel de Rothschild (1812–1870); ging nach Paris und heiratete dort 1842 Charlotte de Rothschild (1825–1899). Er kaufte das Weingut Chateau Mouton. 1855 erlitt er einen Jagdunfall und war gelähmt, später erblindet. Hanna Mayer de Rothschild (1815–1864); heiratete 1839 mit Henry FitzRoy (1807–1859) den Sohn des Lord Southampton und trat zum christlichen Glauben über. Mayer Amschel de Rothschild (1818–1874); heiratete 1850 seine Cousine Juliana Cohen (1831–1877) und ließ das Traumschloss Mentmore Towers erbauen. Louise von Rothschild (1820–1894); heiratete 1842 mit Mayer Carl von Rothschild (1820–1886) nach Frankfurt am Main.
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Einzelnachweise
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