mini|hochkant|Yvan Sagnet (2020) Yvan Sagnet (vollständiger Name Jean Pierre Yvan Sagnet; * 1985) ist ein Aktivist und Sachbuchautor, der aus eigener Betroffenheit den Verein No Cap zur Verbesserung der Lage migrantischer Arbeiter in der Agrarindustrie Italiens gegründet hat.

Leben und Werk Sagnet wurde 1985 in Douala, Kamerun, geboren. Seit seiner Kindheit war er Anhänger des Fußballclubs Juventus Turin und interessierte sich für die italienische Kultur.

Sagnet kam 2007 mit einem Stipendium nach Italien, um an der Politecnico di Torino ein Ingenieurstudium mit Fachrichtung Nachrichtentechnik zu beginnen. Er jobbte als Kassierer und Stadionordner, um seinen Lebensunterhalt aufzubessern. Als er wegen einer nichtbestandenen Prüfung im Juli 2011 das Stipendium verlor, suchte er auf Anraten von Freunden zusätzlich Arbeit in Nardò, Salento, um sein Studium weiterfinanzieren zu können. Er begann als Tomatenpflücker zu arbeiten und lebte im Slum Masseria Boncuri. Mit den unmenschlichen und sklavereiartigen Arbeits- und Lebensbedingungen dort konfrontiert, organisierte er einen zweimonatigen Streik, dem sich hunderte Landarbeiter anschlossen. Der Streik war erfolgreich und führte zu Reformen und Regulierungen der Arbeitsbedingungen von Tagelöhnern in der Landwirtschaft. Der Anteil der Arbeiter in Nardò mit Arbeitsvertrag stieg von 3 % vor dem Streik auf 60 % am Ende der Erntesaison 2011 nach dem Streik.

Nach dem Streik führte Sagnet seinen Einsatz für die Situation der Landarbeiter bei der Gewerkschaft CGIL fort und beendete auch sein Ingenieurstudium erfolgreich. Bei seiner weiteren Gewerkschaftsaktivität zeigte sich, dass die sklavereiartigen Arbeitsbedingungen kein lokales Problem waren, sondern in der Landwirtschaft ganz Italiens verbreitet waren.

2012 veröffentlichte er das Buch "Ama il tuo sogno" (Liebe deinen Traum) über seine Erfahrungen der Ausbeutung und der erfolgreichen Streikorganisation, das in mehreren Auflagen erschienen ist. 2015 folgte "Ghetto Italia" (Italiens Slums), das er zusammen mit Leonardo Palmisano schrieb und das Ausbeutungssystem um die Landarbeiter systematisch analysiert.

2011 gründete Sagnet die Bewegung „No Cap“ (steht für No Caporali, d. h. den Kampf gegen das sog. caporalato, das System der caporali – Vorarbeiter –, die häufig mit der lokalen Mafia kooperieren und die Landarbeiter durch Maßnahmen wie das Wegnehmen der Papiere oder die Verrechnung exorbitanter Unterkunfts- und Transportkosten in sklavereiähnlichen Arbeitsverhältnissen haltenErdbeerpflücker, ins Auto gesperrt und angezündet. In: Süddeutsche Zeitung, 8. Juni 2026, abgerufen am 13. Juni 2026.). Konkret organisiert No Cap den Transport von Arbeitern, vermittelt zwischen Arbeitern, Bauern und verarbeitenden Betrieben, sodass die Arbeiter Arbeitsverträge erhalten, tritt als Bürge bei der Vermietung von Wohnungen an Arbeitern auf und organisiert auch den Vertrieb landwirtschaftlicher Produkte mit einem eigenen Label, das für faire Arbeitsbedingungen steht. 2017 wurde No Cap zu einem Verein (Ente per il Terzo Settore – ETS), um die wachsenden Aufgaben besser bewältigen zu können. 2023 betrug der Umsatz von No Cap etwa 120.000 € und organisierte seit 2019 um die 4000 Arbeiter.

Im Februar 2017 wurde Sagnet zum Cavaliere dell'Ordine al Merito della Repubblica Italiana durch den italienischen Präsidenten Sergio Mattarella für seinen Einsatz zur Bekämpfung moderner Sklaverei in der italienischen Landwirtschaft geschlagen. Im selben Jahr wurden zwölf am Ausbeutungssystem Beteiligte wegen Sklaverei und Menschenhandel auch aufgrund der Zeugenaussagen von Sagnet verurteilt.

2020 erschien der Film "Das neue Evangelium" von Milo Rau, in dem Sagnet die Rolle des Jesus spielt.

Bibliographie

Ghetto Italia. I braccianti stranieri tra caporalato e sfruttamento (Fandango Libri, 2015) Ama il tuo sogno. Vita e rivolta nella terra dell'oro rosso (Galleria Fandango, 2017)

Einzelnachweise

Kategorie:Absolvent des Politecnico di Torino Kategorie:Geboren 1985 Kategorie:Mann