Die Geschichte von der Kanavera-Blume ist ein indisches Märchen und ein buddhistisches Jataka (318: Kāṇavera-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 166–171, 511–512. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.
Handlung Als der Bodhisattva einmal unter dem Zeichen des Diebes-Nakkhatta wiedergeboren wurde, betrieb er, als er herangewachsen war, die Kunst der Räuberei, wodurch er weithin bekannt wurde. Eines Tages beraubte er jedoch einen Großkaufmann, wodurch die Städter so aufgebracht waren, dass der König ihn fangen ließ. Gefesselt und mit einem Kranz aus roten Kaṇavera-Blumen um den Hals wurde er durch die Stadt gepeitscht, um ihm an der Richtstätte den Kopf abzuschlagen. Dabei jedoch entdeckte ihn die schöne Dirne Sāmā, die die Konkubine des Königs und das erste Freudenmädchen der Stadt war. Diese verliebte sich in den Diebes-Bodhisattva, ob seines prächtigen Anblicks sowie Charms und beschloss, ihn sich zum Mann zu nehmen. Zu diesem Zweck sandte sie dem Stadthauptmann eintausend Kahāpanas, erzählte ihm, dass der Hinzurichtende ihr Bruder wäre, und bat darum, ihn zu verschonen. Der Hauptmann entgegnete jedoch, dass er einen Mann hinrichten müsse, also schickte Sāmā ihren Liebhaber, den Sohn eines Großkaufmanns, mit dem Geld, das er selbst mitgebracht hatte, zum Hauptmann, sodass dieser, an der Stelle des Bodhisattvas, den Tod fand.
Der neue Geliebte der Sāmā dachte sich jedoch, dass auch er leicht ersetzbar sei, also ging er mit seiner Geliebten in einen Park und veranstaltete dort in einem Kaṇavera-Gebüsch ein so heftiges Liebesspiel, dass Sāmā ohnmächtig wurde. Danach nahm er ihren Schmuck und begab sich auf die Flucht. Die noch immer berauschte, wieder zur Besinnung gekommene Sāmā vermutete daraufhin, dass er geflohen war, weil er dachte, sie getötet zu haben. Sie verzichtete von da an auf schöne Gewänder, Schmuck und ihre Liebhaber und beauftragte Schausteller damit, bei ihrer Reise durch das Land ein bestimmtes Lied zu singen, das von ihrer Gesundheit berichtete. Der Bodhisattva vernahm dieses auch, richtete den Schaustellern jedoch aus, dass sie ihn genauso ersetzen könnte, wie sie es mit ihrem vorherigen Liebhaber getan hatte, und als die schöne Sāmā davon erfuhr, lebte sie wieder ihr altes Leben.
Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 318 (Kāṇavera-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte von der Kanavera-Blume. Eine ähnliche Geschichte findet sich im Mahābhārata (XII, Adhyāya 174; 178, 7 ff.). In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Sāmā.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 225–230.
Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 166–171, 511–512. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 225–230.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Märchen Kategorie:Jātaka