mini|Die Fassade der Kirche im Jahr 2012, links der Campanile von 1688 mini|Das Portal Richtung Rio delle Terese, fotografiert im Jahr 2015 Santa Teresa ist eine säkularisierte Karmelitenkirche am Westrand des venezianischen Sestiere Dorsoduro, die ab 1647 errichtet wurde. Sie entstand nach Plänen des Baumeisters Andrea Cominelli und trägt den Namen der Teresa von Ávila. Das Bauwerk, das mitsamt dem angeschlossenen Kloster auf eine einzelne Frau zurückgeht, befindet sich an den Fondamenta delle Terese; westlich befinden sich die Gassen Calle Nova delle Terese und Ramo Secondo delle Terese.

Geschichte Die Kirche entstand nach Cesare Augusto Levi 1647 auf Initiative einer „Maria Ferrazza“. Angeschlossen war ein Religiosenhaus, das 1667 Karmeliterinnenkonvent wurde und im 19. Jahrhundert ein Waisenhaus für Mädchen. Der Campanile wurde nach Levi 1688 fertiggestellt.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 172, S. 106.

Nach Flaminio Corner ging die Initiative auf ein schwaches Mädchen zurück, nämlich auf Maria Angela Ventura (1623–1688), dem es gelang, vier Klöster der strengsten Observanz ins Leben zu rufen. Sie wurde im Jahr 1623 als Tochter des Lodovico Ferazzo und der Maddalena Poli, frommer und ehrbarer Eltern, geboren. Getauft auf den Namen Maria, wurde sie sorgfältig erzogen, bis die Eltern der Pest zum Opfer fielen, von der Venedig im Jahr 1630 heimgesucht wurde. Sie zog zu einem Onkel, der jedoch derselben Krankheit zum Opfer fiel.

Nun wurde sie von einem freundlichen Nachbarn aufgenommen, wandte sich früh vom weltlichen Leben ab und sprach den Karmeliten Bonaventura Pinzoni an, dem sie erklärte, Religiose werden zu wollen. Sie schloss sich auf seine Initiative einem Kreis junger Frauen an, die unter der Anleitung der Modesta Salandi lebten. Dort galt sie bald als Meisterin, der sich 14 Frauen anschlossen, die ein Leben im Kloster anstrebten. Es gelang ihr, nicht nur die Erlaubnis für den Bau eines Klosters und einer Kirche zu erlangen, sondern dies allein durch Spenden und Almosen zu bewerkstelligen. Aus Rom erhielt sie vom Viceregente und Bischof Alessandro Vittricio Alatrino die Reliquien der Heiligen „Giocondo, Quirino, Qiuntillo, Valerio, Flora, e Perpetua Martiri estratti da diversi Cimiterj di Roma“, ebenso wie die Reliquien der hl. Anna und weiterer Heiliger.

Schließlich konnten 40 Frauen in dem Haus leben, dessen Unterhalt durch zahlreiche Zuwendungen gesichert war. Mit Senatsbeschluss vom 11. April 1648 ging das Kloster in das Patronat der Republik über. Der Doge und die höchsten Repräsentanten des Staates verpflichteten sich, jedes Jahr am Tag der namensgebenden Heiligen, also der hl. Teresa, das Kloster in einer feierlichen Prozession aufzusuchen. Weil dies günstiger zu sein schien, wurde der Tag der Prozession später auf Santa Maria del Monte Carmelo verlegt, mithin den 16. Juli. Am 30. März 1667 gestattete Papst Alexander VII. schließlich die Einrichtung einer Klausur. Erst damit entstand ein regelrechtes Kloster, ein „Monastero di Monache dell' Ordine della Beata Maria di Monte Carmelo fatto il spiritual governo de’ Frati Carrmelitani dell’ antica regolar osservanza.“ Im folgenden Jahr unterwarfen sich die Gründerin und 36 weitere Frauen der Profess. Maria Angela Ventura gründete die besagten drei weiteren Klöster, nämlich in Padua, Vicenza und Verona. Sie starb am 19. August 1688.Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 511–513.

Unter Napoleon wurde das Kloster Santa Teresa wie andere Klöster und Pfarrkirchen aufgehoben und entweiht. Zunächst wurden Waisenkinder beiderlei Geschlechts ab dem 12. Dezember 1811 dort untergebracht, ab dem 13. September 1815 ausschließlich Mädchen. Die bis zu 18 Jahre alten Insassinnen wurden systematisch an Arbeiten herangeführt, die man für angemessen hielt. Dabei trugen sie möglichst genau die gleichen Frisuren und die gleiche Kleidung. Sie wurden von einer Aufseherin (sorvegliatrice) überwacht. Ihre Zahl war auf 224 begrenzt.Pier Luigi Bembo: Delle istituzioni di beneficenza nella città e provincia di Venezia, studii storico-economico-statistici, P. Naratovich, Venedig 1859, S. 59–65. Der Campanile wurde bis auf die Höhe der Kirche zurückgebaut.Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 129, S. 83. Im 20. Jahrhundert diente das Kloster als Obdachlosenunterkunft, heute als Veranstaltungsort für Lehrveranstaltungen der Universität Venedig.

Literatur Herbert Rosendorfer: Kirchenführer Venedig, Edition Leipzig, 2008, 2. Aufl., E. A. Seemann, 2013, S. 106 f. Flaminio Corner: Notizie storiche delle Chiese e Monasteri di Venezia, Padua 1758, S. 511–513. (Digitalisat) Cesare Augusto Levi: I campanili di Venezia. Notizie storiche, Ferdinando Ongania, Venedig 1890, n. 172, S. 106. Johann C. Maier: Beschreibung von Venedig, Teil I, Christian Gottlieb Hertel, Frankfurt/Leipzig 1787, S. 427, n. f („Le Terese, Karmeliter-Nonnen“). (Digitalisat)

Weblinks

Fußnoten

Kategorie:Weltkulturerbe Venedig und seine Lagune Teresa Kategorie:Kirchengebäude im Patriarchat von Venedig Venedig Kategorie:Profaniertes Kirchengebäude in Italien Kategorie:Erbaut 1647 Kategorie:Klosterkirche in Italien Kategorie:Ehemalige Karmeliterkirche