Die Geschichte vom Hasen ist eine indische Fabel und ein buddhistisches Jataka (316: Sasa-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 117–122, 508. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.

Handlung Einstmals wurde der Bodhisattva in einem Wald als ein Hase wiedergeboren. Er hatte dort drei Freunde: einen Affen, einen Schakal und einen Fischotter, und er ermahnte diese, Almosen zu geben, sich an Gebote zu halten und die Uposatha-Gebräuche zu befolgen. Es kam dann der Uposatha-Tag, an dessen Morgen sich der Fischotter auf Nahrungssuche am Ufer des Ganges begab. Er beobachtete dort, wie ein Fischer ertrank, und da dieser seinen Fang nicht mehr benötigte, nahm er dessen Fische mit. Der Schakal stibitzte sich derweil, an der Hütte eines Feldhüters, zwei Fleischspieße, eine Eidechse und einen Milchtopf und ging seines Weges, während der Affe sich Mangofrüchte sammelte. Auch der Bodhisattva beschäftigte sich mit der Nahrungssuche und verzehrte Gräser und Kräuter, sollte aber ein Bittsteller um Almosen bitten, so überlegte er sich, würde er seinen eigenen Körper anbieten.

Der Gott Sakka nahm sich daraufhin vor, den Hasenkönig auf die Probe zu stellen, und besuchte die vier Freunde in der Verkleidung eines Brahmanen. Fischotter, Schakal und Affe waren gewillt, ihm ihre Speisen zu spenden und auch der Bodhisattva freute sich über den Besuch und hieß den Brahmanen aus Holz glühende Holzkohle vorzubereiten, sodass er sich selbst opfern dürfe. Sakka kam der Aufforderung nach und so stürzte sich der Bodhisattva wie ein Goldschwan in Lotospflanzen freudigen Herzens in den Kohlehaufen. Das Feuer aber vermochte ihm nichts anzuhaben und Sakka gab sich zu erkennen. Dieser nahm daraufhin einen Berg und drückte ihn aus, wonach er mit dem gewonnenen Saft das Bildnis eines Hasen auf die Mondscheibe malte, sodass die Menschen ein ganzes Weltzeitalter lang an die Tugend des Bodhisattva erinnert wurden.

Hintergrund Die Fabel entspricht dem Jataka 316 (Sasa-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte vom Hasen. Eine Variante findet sich im Mahābhārata (XII, Adhyāya III, 558, Vers 5462 ff.). Im Panchatantra in der Geschichte Der Löwe, sein Minister und das Kamel (I, 11. Erzählung) will sich ein Panther einem Löwen für eine Mahlzeit opfern; in der Geschichte Vom Jäger und den Tauben (III, 7. Erzählung, Vers 172 ff.) opfert sich ein Täuberich, um einem Vogeljäger eine Mahlzeit zu bereiten, woraufhin sich auch dessen gefangenes Weibchen in die Feuersglut stürzt. In buddhistischen Geschichten ist es typisch, dass das eigene Leben für andere geopfert wird, auch wenn es sich dabei um Feinde handelt. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Der freigebige Hase.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 333–337.

Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 117–122, 508. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 333–337.

Einzelnachweise

Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Tierfabel Kategorie:Hase in der Kunst Kategorie:Jātaka