Die Geschichte vom Gazellenkönig Nigrodha ist ein indisches Tiermärchen und ein buddhistisches Jataka (12: Nigrodhamiga-Jātaka).Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 81–85, 504–505. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig.
Handlung Als der Bodhisattva in einer Gazelle wiedergeboren wurde, war König Brahmadatta von Benares auf die Gazellenjagd versessen. Er störte die Städter und Landleute dabei ständig bei der Arbeit, sodass diese beschlossen die Gazellen in einen umzäunten Park zu treiben, damit der König sie dort jagen konnte. In dem Park lebten von da an zwei Gazellenkönige, der Nigrodha-König, der der Bodhisattva war und der Sākha-König. Diesen beiden gewährte König Brahmadatta Schonung, ihren Herden jedoch stellte er hinterher. So starben viele Gazellen und viele wurden verwundet, also beschloss der Bodhisattva, dass sie von nun an ein Los ziehen werden und das betroffene Tier sein Haupt auf den Richtblock legen solle.
Eines Tages aber fiel das Los auf eine trächtige Gazelle, die bei Sākha um Schonung, ob ihres Sohnes, bat. Der jedoch wollte nichts tun, also ging sie zu Bodhisattva, der beschloss, statt diese beiden Leben zu opfern, sein eigenes Haupt über den Richtblock zu neigen. Entzückt darüber weitete der König die Schonung auch auf das Gazellenweibchen aus, woraufhin der Bodhisattva die Belange der übrigen Gazellen im Park ansprach und der König auch diese in die Schonung aufnahm. Da sprach der Bodhisattva weiter und so wurden auch die freien Gazellen, die Vierfüßer, die Vögel und die Fische im Reich des Brahmadatta verschont und der Bodhisattva unterrichtete den König in seinen Lehren. Die Gazellenmutter aber riet ihrem geborenen Sohn nur in der Nähe des Nigrodha, nicht aber bei dem Sākha zu verweilen.
Die Gazellen begannen dann aber das Korn der Menschen zu fressen, sodass der Bodhisattva ihnen verbot davon zu fressen und so gelangten sie und auch der König an den Ort ihrer Verdienste.
Hintergrund Das Märchen entspricht dem Jataka 12 (Nigrodhamiga-Jātaka) und erhielt in Johannes Mehligs Buddhistische Märchen (Wiesbaden 1982) den deutschen Titel Die Geschichte vom Gazellenkönig Nigrodha. Eine Variante mit einem Löwen und einem Hasen findet sich im Panchatantra (I. Buch, 8. Erzählung). Übersetzungen davon erschienen in Philipp Wolffs Das Buch der Weisen des indischen Philosophen Bidpai (Stuttgart 1839, I, 46), Symeon Seths Stephanites kai Ichnēlatēs (1080, Berlin 1697, reprinted in Athen 1851, S. 18, Griechisch), Johann von Capuas Directorium Humanae Vitae (Kapitel 5, b, Latein), das 1483 in Ulm ins Deutsche übersetzt wurde, Agnolo Firenzuolas Discorse degli Animali (1548, S. 43, Italienisch), Anton Francesco Donis La Filosofia Morale (1552, S. 62, Italienisch), Husain ben Ali el Vāiz U’l-Kāshifīs Anvār-i-Suhailī (Ende des 15. Jh., S. 124, Persich) und David Sahids Livre des Lumières (Paris 1644, S. 99, Französisch). Bei Baldo (Paris 1854), dessen Fabel von einem Löwen und einem Fuchs handelt, steht sie an 4. Stelle. In Else Lüders’ Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien (Düsseldorf / Köln 1961) bekam das Märchen den Titel Der Gazellenkönig Nigrōdha.Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 341–346.
Literatur Johannes Mehlig (Hrsg.): Buddhistische Märchen, Drei Lilien Verlag, Wiesbaden 1982, S. 81–85, 504–505. Aus dem Pāli übertragen und kommentiert von Johannes Mehlig. Else Lüders (Ausw. und Übert.): Die Märchen der Weltliteratur – Buddhistische Märchen aus dem alten Indien. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1961, S. 341–346.
Einzelnachweise
Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Indische Literatur Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Tiermärchen Kategorie:Jātaka