Alexander Gutfeld (geboren 17. April 1898 in Berlin; gestorben 1969 in Bad OeynhausenLandesarchiv Berlin, Standesamt Berlin IX, Geburtsregister 1898, Nr. 698.) war ein deutscher Statistiker. Er war Direktor des Statistischen Zentralamtes in Berlin.

Leben Er war der Sohn des jüdischen Kaufmanns Max Gutfeld (1871–1942) und dessen Ehefrau Rosa Gutfeld geborene Schwersenz. Nach seiner Schulausbildung begann er ein Studium, das er durch die Teilnahme am Ersten Weltkrieg unterbrechen musste. Während des Krieges verlor er den rechten Unterarm und den linken Unterschenkel. Nach Rückkehr aus dem Krieg setzte er sein Studium fort und promovierte 1929 an der Philosophischen Fakultät der Universität Berlin zum Doktor der Staatswissenschaften (Dr. rer. pol.) Im Anschluss wurde er Wissenschaftlicher Hilfsarbeiter am Preußischen Statistischen Landesamt in Berlin.

Am 8. April heiratete er Luba Gutfeld geborene Katznelson (geboren 17. April 1900 in Wilna (eigentlich wohl in Kiew); gestorben 1946 in Deggendorf)Landesarchiv Berlin, Standesamt Berlin-Charlottenburg, Heiratsregister 1930, Nr. 241., in Berlin-Charlottenburg. Im Jahr 1934 oder im Jahr 1935 beantragte und erhielt Alexander Gutfeld das "Ehrenkreuz des Weltkrieges", das damals relativ zahlreich auf Antrag vergeben wurde, auch an jene ehemaligen Kriegsteilnehmer auf deutscher Seite, deutsche Staatsbürger und weiße Menschen, die schon zur gleichen Zeit antisemitischen Benachteiligungen oder politischen Verfolgungen ausgesetzt waren. Während des Nationalsozialismus erfolgte seine Entlassung aus dem preußischen Staatsdienst aufgrund seiner jüdischen Herkunft. Danach fand er eine Anstellung bei der Abteilung Wanderung des Hilfsvereins der Juden in Deutschland, die Ende 1941 ihre Aktivitäten einstellen musste.Mirjam Zadoff: Gewalt und Gedächtnis, Globale Erinnerung im 21. Jahrhundert. unpag. Wesentlicher Inhalt und Ergebnis seiner Arbeit dort war ein in dieser Zeit laufend aktualisiertes Verzeichnis über Staaten, die sich als Emigrationsziele für insbesondere jüdische Menschen aus Deutschland oder deutscher Sprache eigneten und die Übersicht zu den jeweiligen Bedingungen und Gegebenheiten vor Ort bezogen auf ein Leben im Exil bzw. die Möglichkeit der regulären Einwanderung. Somit verfügte Gutfeld hierzu über ein damals schon überlebenswichtiges Expertenwissen, ohne dies für sich und seine Frau in den betreffenden Jahren zu nutzen, sei es aus Grünen seiner körperlichen Beeinträchtigung, der Verbundenheit zu Deutschland, einer Art von Zuversicht oder auf Grund der Tatsache, dass seine Frau wegen der bekannt gewordenen Unstimmigkeit zu ihrem Geburtsort keinen Reisepass erhielt und damit keine legale Ausreisemöglichkeit hatte. Von Berlin wurden er und seine Ehefrau am 18. März 1943 mit dem Transport I/90 in das Ghetto Theresienstadt im Reichsgau Sudetenland gebracht. Nach kurzer Zeit übernahm er dort Arbeiten als Statistiker. Er überlebte gemeinsam mit seiner Ehefrau das Kriegsende. Beide kamen zunächst in das DP-Lager Deggendorf, wo er die Herausgabe der einzigen in Deutschland erschienenen Lagerzeitung in deutscher Sprache übernahmJuden unter Deutschen. In: Aufbau vom 12. Juli 1946, S. 21. und wo am 25. Juli 1946 seine Frau Luba, wie er eine promovierte Wissenschaftlerin, starb.

In zweiter Ehe war er seit dem 27. April 1947 mit Anneliese Erika Gutfeld geb. Meyer verheiratet.Landesarchiv Berlin, Standesamt Berlin-Zehlendorf, Heiratsregister 1947, Nr. 292. Am 30. Dezember 1949 erfolgte die Totgeburt des gemeinsamen Sohnes im Auguste-Victoria-Krankenhaus in Berlin-Schöneberg.Landesarchiv Berlin, Standesamt Berlin-Schöneberg, Sterberegister 1950, S. 23. Das Paar hatte auch eine gemeinsame Tochter, die in diesen Nachkriegsjahren zur Welt kam. Von ihr wurde viele Jahrzehnte später der wesentliche Teil des Nachlasses zu Alexander Gutfeld zur Verfügung gestellt.

Nach seiner Rückkehr nach Berlin wurde Gutfeld Direktor des Statistischen Zentralamtes.

Nachlass mini|Karte des Ghettos Theresienstadt aus dem Nachlass von Alexander Gutfeld mit handschriftlichen Anmerkungen Sein Nachlass, darunter sein Reisepass, Urkunden über Ordensverleihungen bis 1935 und mehrere zeitgenössische und kurz nach Kriegsende entstandene Zeichnungen aus dem Ghetto Theresienstadt, befindet sich heute im Jüdischen Museum in Berlin.Vorgestellt beim Workshop im Archiv des Jüdischen Museums während GLAM on Tour am 25. April 2026. Bei den Illustrationen handelt es sich weniger um sachliche Ansichten, wie man sie von einem Statistiker erwartet, als um teilweise drastische und dabei fantastisch-realistische Szenerien. Laut mündlicher Überlieferung der Aussagen der Tochter und Nachlassgeberin hatte sie nur jene aufbewahrt und habe sie nur jene dem Museum überlassen, die „nicht zu grausam“ seien. Wesentliches Stilmerkmal dieser handwerklich beachtlichen Skizzen ist ein Zoomorphismus, der sehr an das später entstandene und bekannte Werk „Maus – Die Geschichte eines Überlebenden“ des US-Bürgers Art Spiegelman erinnert, dessen Eltern von der Shoa direkt betroffen waren und den diese überlebten.

Schriften (Auswahl) Konjunkturprognose und Konjunkturpolitik. Preußisches Statistischen Landesamt, Berlin . Die französische Wirtschaft im Mai 1932. In: Deutsch-französische Rundschau 5 (1932), S. 503. Die Wirtschaftsstruktur der Indischen Union (Sonderheft des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung). Duncker & Humblot, Berlin . Struktura chozjajstva Indijskogo Sojuza (= Die Wirtschaftsstruktur der Indischen Union). Izd. Inostrannoj Literatury, Moskva 1955.

Literatur Siegfried Müller: Exil in New York. 2025, S. 29.

Weblinks

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Einzelnachweise

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