mini|Werkstor von Johns Manville in Wertheim Johns Manville ist ein US-amerikanischer Baustoffhersteller.
Zu den Produkten des Unternehmens gehören Isolationsmaterialien, Produkte zur Bauwerksabdichtung sowie GFK- und Polyester-Werkstoffe für industrielle Anwendungen.
Geschichte Das Unternehmen wurde 1858 durch Henry Ward Johns im Keller seines Mietshauses in New York City gegründet. Dort entwickelte er eigene Dachpappen, indem er Stoffe mithilfe eines Teekessels und einer Wäschemangel mit Teer beschichtete. Die H.W. Johns Manufacturing Company erhielt 1868 ihr erstes Patent auf eine asbesthaltige feuerfeste Dachpappe. Im Jahr 1901 fusionierte das Unternehmen mit der Manville Covering Company, die 1886 von Charles B. Manville zur Rohrisolierung gegründet wurde. Unter der Leitung der Manville-Familie expandierte das fusionierte Unternehmen Johns Manville in die Produktion von Bremsbelägen, Asbestzement und Schallisolierungen. 1927 ging Johns Manville an die Börse.Johns Manville: History & Heritage, abgerufen am 24. April 2026.
Seit 1929 trägt die Stadt Manville in New Jersey den Namen des Unternehmens. Die Ortsbenennung erfolgte zur Ehrung des Unternehmens, das am dortigen Standort von 1912 bis 1986 eine asbestverarbeitende Fabrik mit bis zu 4500 Mitarbeitern betrieb. Das Werk sorgte über Jahrzehnte für eine starke regionale Umweltbelastung.Los Angeles Times: Manville Closing Flagship Factory After 74 Years, abgerufen am 25. April 2026.
Johns Manville wuchs über die Jahre zu einem der größten Asbest-Förderer und -Verarbeiter der Welt. Ab dem Jahr 1916 betrieb das Unternehmen mit der Jeffrey Mine im kanadischen Asbestos (Ort 2020 umbenannt zu Val-des-Sources) einen der größten Chrysotil-Tagebaue der Welt. Dieser stand 1972 mit 600.000 Tonnen Fasern pro Jahr für 37 % der gesamten kanadischen Produktion und 13 % der Weltproduktion von Chrysotil-Asbest.Ministère des Ressources naturelles et des Forêts (Ministerium für Naturressourcen und Forsten von Québec): The Jeffrey Mine of Canadian Johns-Manville Co., Limited - Asbestos, Quebec, Canada, abgerufen am 24. April 2026.
Die Übernahme von Olinkraft durch Johns Manville 1978 war eine der größten Unternehmensübernahmen der 1970er Jahre.Federal Trade Commission: Statistical Report on Mergers and Acquisitions 1978, abgerufen am 25. April 2026. Olinkraft – ehemals eine Tochter der Olin Corporation – hatte zum damaligen Zeitpunkt selbst rund 7100 Mitarbeiter und war ein forstwirtschaftliches Unternehmen, das Bauholz, Papier und Verpackungsmaterial produzierte.Johns Manville: 1978 Annual Report, abgerufen am 25. April 2026. Durch die Übernahme der Schuller GmbH 1979 stieg das Unternehmen in die Produktion innerhalb des europäischen Marktes ein. Mit Stand von 2026 betrieb Johns Manville neben den Schuller-Standorten in Wertheim und Steinach weitere europäische Produktionsstandorte in Berlin, Bobingen und Trnava in der Slowakei.Johns Manville: Johns Manville Locations, abgerufen am 24. April 2026.
Ab den frühen 1980er Jahren häuften sich Klagen und rechtliche Auseinandersetzungen aufgrund der extensiven Asbestnutzung durch das Unternehmen. Zwischen 1982 und 1988 befand sich Johns Manville in einer Umstrukturierungsphase gemäß Chapter 11 des US-Insolvenzrechts.Johns Manville: Company History, abgerufen am 24. April 2026. Die Ausnutzung des Insolvenzrechts zum Schutz vor Klagen sorgte für öffentliche Kritik, da das Unternehmen zu Beginn der 1980er noch finanziell stabil war. Das Unternehmen musste einen Treuhandfonds zur Abwicklung der Schadenersatzansprüche aufgrund der Verbreitung von Asbest gründen.Manville Personal Injury Settlement Trust: About the Manville Trust, abgerufen am 24. April 2026. Bereits ab den 1920er Jahren ließ das Unternehmen eigene Studien hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Asbest-Exposition und der Entwicklung von Krebs durchführen. Forschungsergebnisse hierzu wurden gezielt zurückgehalten, um das Geschäft nicht zu gefährden.Calhoun, Cr.; Hiller, H.: Coping with insidious injuries: the case of Johns-Manville Corporation and asbestos exposure, abgerufen am 24. April 2026.
Im Jahr 2001 wurde das Unternehmen von Berkshire Hathaway übernommen.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemaliger Hersteller von asbesthaltigen Baustoffen Kategorie:Dämmstoffhersteller Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Denver) Kategorie:Unternehmensgründung 1858