mini|Shipley Art Gallery, Gateshead mini|George Blackall Simonds (1843–1929) – Dionysus, 1879 Die Shipley Art Gallery ist ein öffentliches Kunstmuseum im englischen Gateshead (Tyne and Wear). Sie befindet sich am südlichen Ende der Prince Consort Road. Ihre Sammlung gilt als „Designated Collection of national importance“. Die Galerie wird heute von North East Museums im Auftrag des Gateshead Council verwaltet und unterhält eine enge Partnerschaft mit dem Victoria and Albert Museum in London.

Geschichte Der Stifter Joseph Ainsley Davidson Shipley (1822–1909) war eine in mancher Hinsicht rätselhafte Persönlichkeit, über die nur wenig bekannt ist. Er wurde in Gateshead nahe der High Street geboren und arbeitete als Solicitor in der Newcastleer Kanzlei Hoyle, Shipley and Hoyle. Von 1884 bis zu seinem Tod pachtete er das Saltwell Park House, das heute als Saltwell Towers bekannt ist. Shipley erwarb sein erstes Gemälde im Alter von sechzehn Jahren. Es war Tantallon Castle von John Wilson Ewbank, das er auf dem Bigg Market in Newcastle upon Tyne erwarb. Bis zu seinem Tod hatte er eine Sammlung von rund 2500 Gemälden zusammengetragen. Shipleys Geschmack war breit gefächert, er hatte jedoch eine besondere Vorliebe für Landschaftsmalerei sowie für Gemälde mit moralisch-religiösem Inhalt. In seinem Testament verfügte er, dass die Stadt Newcastle 30.000 £ sowie seine gesamte Gemäldesammlung erhalten sollte, sofern eine neue Galerie zur Aufnahme der Sammlung errichtet würde. Dieses Vorhaben sollte als „The Shipley Bequest“ bekannt werden. Die genauen Testamentsklauseln sind in der Lokalliteratur umstritten. In seinem Testament erklärte Shipley, dass die in Higham Place zu errichtende Kunstgalerie „nicht als Kunstgalerie im Sinne dieses Trusts zu betrachten sei“, da sie zu klein sei. Er räumte allerdings ein, dass ein etwaiger Erweiterungsbau die Voraussetzungen erfüllen könnte. Da der Grundstein der Laing Art Gallery jedoch erst im August 1901 gelegt wurde und die Galerie erst im Oktober 1904 eröffnete, existierte diese Institution zum Zeitpunkt der Testamentserstellung im Jahr 1900 noch gar nicht. Zwar bekundete Newcastle zunächst Interesse, doch Gutachter stellten den künstlerischen Wert der Sammlung infrage, woraufhin sich die Stadt nach längerer Debatte zurückzog. Daraufhin wurde die Sammlung dem Gateshead Municipal Council angeboten. Im Jahr 1912 nahm der Rat das Vermächtnis an und entschied, 504 Gemälde zu behalten. Die übrigen wurden versteigert, um den Bau einer geeigneten Galerie zu finanzieren. Neben 100.000 £ für lokale öffentliche und wohltätige Einrichtungen umfasste Shipleys Vermächtnis eine Summe von 30.000 £ für den Bau einer Galerie. Die restlichen Werke wurden in einer achttägigen Auktion in Newcastle versteigert.

Architektur mini|Renforth Memorial (1871) von George Burn Der Bau der Shipley Art Gallery begann im Jahr 1914, nachdem die verbliebenen Gemälde verkauft worden waren. Sie wurde nach einem Entwurf von Arthur Stockwell, Mitglied der Society of Architects aus Newcastle, errichtet und am 29. November 1917 eröffnet. Der steinerne Eingangsvorbau ist distyle in antis gestaltet. Vier korinthische Steinsäulen, flankiert von massiven Pilastern, tragen das Dach. Auf diesen ruhen zwei Skulpturen: Eine versinnbildlicht die Künste, die andere Industrie und Wissen. Sie stammen von William Birnie Rhind. Nikolaus Pevsner beschrieb die Galerie als eine „kühne Anlage aus einem gemauerten Mittelblock und niedrigeren Flügelbauten, die die Galerieräume enthalten“. Der Bau begann 1914, doch 1916 erließ die britische Regierung auf Grundlage des Defence of the Realm Act einen Baustopp. Der Organisationsausschuss der Galerie widersprach dieser Anordnung jedoch erfolgreich, sodass der Bau fortgesetzt werden konnte. Am 29. November 1917 öffnete die Shipley Art Gallery ihre Türen. Das Galeriegebäude steht heute unter Denkmalschutz (Grade II Listed Building).

Vor dem Gebäude befindet sich eine Statue, die James Renforth gewidmet ist. Er war ein Weltmeister-Ruderer aus Tyneside, der im Alter von 29 Jahren während eines Rennens in Kanada starb. Die Skulptur zeigt ihn in den Armen eines Mitruderers. Ursprünglich befand sie sich auf dem Gateshead East Cemetery, wurde jedoch 1992 in die Shipley Art Gallery gebracht, um sie vor Vandalismus zu schützen.

Sammlung Die anfänglich 504 Gemälde repräsentierten alle wichtigen europäischen Schulen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Seitdem wurde die Sammlung kontinuierlich erweitert und umfasst heute rund 10.000 Objekte. Sie beinhaltet bedeutende Werke von Hans Schäufelein, Abraham Janssens, Benjamin Cuyp, Jacob Grimmer, Salomon Rombouts, Jan van der Heyden, Arent van Tongeren, Michele Pace, Johann Ulrich Loth und Jan van Kessel. Damit gilt die Shipley Art Gallery als eine der bedeutendsten Provinzsammlungen für die Niederländische und Flämische Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts im Vereinigten Königreich. Das älteste Werk der Sammlung ist ein großformatiges, doppelseitig bemaltes Altarretabel mit den Darstellungen Darstellung Jesu im Tempel und Verspottung Christi. Es stammt aus einem deutschen Flügelaltar mit Szenen aus dem Marienleben und der Passion Christi. Es wird Hans Schäufelein, einem Schüler Albrecht Dürers, und einem anonymen Meister, dem sogenannten Meister von Engerda, zugeschrieben. Beide wirkten in der Werkstatt von Hans Holbein dem Älteren in Augsburg. Zur Sammlung gehört auch das Gemälde Christus wäscht den Jüngern die Füße (um 1547), das Jacopo Tintoretto zugeschrieben wird. Es hing einst in der Kathedrale von Newcastle und befindet sich heute im Besitz des Newcastle City Council. Ein vielbeachtetes Werk der regionalen Malerei ist Blaydon Races (1903) von William C. Irving (1866–1943). Die jährlichen Blaydon Races and Fair waren im 19. und frühen 20. Jahrhundert ein bedeutendes Ereignis in Tyneside. Zu den auf diesem Gemälde dargestellten Attraktionen gehören eine große offene Kutsche, die von einem Gespann weißer Pferde gezogen wird, Männer, die akrobatische Kunststücke oder Boxkämpfe vorführen, sowie ein Süßigkeitenstand. William Irving verewigte darin zahlreiche lokale Persönlichkeiten. Im Vordergrund wird „Gull Willie of Newburn“ vom Kartenbetrüger „Swalwell Cat“ hereingelegt.

Werke (Auswahl)

Kunsthandwerk und zeitgenössisches Design Seit 1977 hat sich die Shipley Art Gallery als nationales Zentrum für zeitgenössisches Kunsthandwerk etabliert. Die Sammlung umfasst Keramik, Holz, Metall, Glas, Textilien und Möbel. Es wurden Werke britischer Künstler in die Sammlung aufgenommen, die sich durch Innovation, Experimentierfreude und handwerkliche Perfektion auszeichnen. Zu den vertretenen Künstlern zählen unter anderem Keiko Mukaide, Danny Lane, Bruno Romanelli, Sally Fawkes und David Reekie mit Glasarbeiten, Julia Manheim und Pierre Degan mit ihrem Schmuck im Stil der New-Jewellery-Bewegung, Lucie Rie, Hans Coper, Martin Smith, Halima Cassell, Kate Malone, Stephen Dixon und Lubna Chowdhary mit Keramiken sowie Hiroshi Suzuki, Michael Lloyd und Junko Mori mit Metallarbeiten. Im Jahr 2008 eröffnete die Galerie die Abteilung „Designs for Life“, in der die Sammlungen zeitgenössischen Kunsthandwerks und Designs präsentiert werden.

Henry-Rothschild-Sammlung Henry Rothschild (Heinrich Wilhelm Jacques Rothschild, 1913–2009) betrieb die Primavera Gallery in London und war ein Förderer aufstrebender Keramikkünstler. Er verlieh und schenkte der Galerie zu seinen Lebzeiten eine Reihe von Werken und hinterließ ihr bei seinem Tod im Jahr 2009 seine gesamte Sammlung. Die Sammlung umfasst mehr als 330 Beispiele des Kunsthandwerks und Designs des 20. Jahrhunderts, darunter Werke führender Keramiker, die seit den 1950er Jahren in Großbritannien und international tätig waren. Die Henry-Rothschild-Sammlung von Studiokeramik befindet sich seit 1994 als Dauerleihgabe in der Galerie.

Weblinks

Website des Museums Shipley Art Gallery bei Art UK Shipley Art Gallery bei der Contemporary Art Society

Einzelnachweise

Kategorie:Kunstmuseum im Vereinigten Königreich Kategorie:Kunstmuseum (Moderne) Kategorie:Museumsgründung 1917