Crocidura pediculus ist eine Art der Spitzmäuse aus der Gattung der Weißzahnspitzmäuse (Crocidura). Sie kommt in Westafrika vor, wo die Tiere unterschiedliche Landschaftsräume von tropischen Wäldern bis hin zu offenen Gebieten im Tiefland bewohnen. Die Lebensweise ist weitgehend nicht erforscht. Äußerlich gleicht die Art mit ihrem dunkelbraunen Rücken- und schiefergrauen Bauchfell sowie dunklem, durchgängig behaartem Schwanz der nahe verwandten Großköpfigen Spitzmaus, ist aber durchschnittlich kleiner. Beide Formen werden einem Artkomplex zugesprochen, der sich um die Fraser-Weißzahnspitzmaus versammelt. Innerhalb dieses wurde im Jahr 2022 durch genetische Untersuchungen eine eigenständige weitere Linie aufgedeckt. Ihre wissenschaftliche Einführung als neue Art unter der Bezeichnung Crocidura pediculus erfolgte vier Jahre später.

Merkmale Habitus Crocidura pediculus ist ein kleinerer Angehöriger der Weißzahnspitzmäuse. Die Kopf-Rumpf-Länge variiert von 7,2 bis 11,6 cm mit einem Durchschnitt von 9,2 cm, während der Schwanz 2,0 bis 6,0 cm lang wird. Das Körpergewicht schwankt zwischen 8 und 20 g. Die Körpermaße bleiben hinter jenen der nahe verwandten Großköpfigen Spitzmaus (Crocidura grandiceps) zurück und entsprechen weitgehend jenen der Thérèse-Weißzahnspitzmaus (Crocidura theresae), bei letzterer ist der Schwanz jedoch kürzer. Insgesamt entspricht das äußere Erscheinungsbild bedingt durch die spitze Schnauze, den verhältnismäßig langen Schwanz und die schlanken Gliedmaßen dem der anderen Weißzahnspitzmäuse. Das Körperfell zeigt sich dunkelbraun auf der Rückseite und heller, eher schiefergrau, auf der Bauchseite. Die Übergänge an den Seiten verlaufen fließend. Eine vergleichbare Tönung findet sich bei der Großköpfigen Spitzmaus, die Thérèse-Weißzahnspitzmaus ist indes heller gefärbt. Der Schwanz erscheint bei Crocidura pediculus wiederum dunkelbraun bis schwarz und ist vollständig mit Haaren bedeckt. Andere Arten wie die Thérèse-Weißzahnspitzmaus oder die Büttikofer-Weißzahnspitzmaus (Crocidura buettikoferi) haben dagegen einen nur spärlich behaarten Schwanz. Der Hinterfuß wird 1,2 bis 1,7 cm lang, die Ohrmuschel 0,7 bis 1,2 cm. Beide Werte übertreffen jene der Thérèse-Weißzahnspitzmaus.

Schädel- und Gebissmerkmale mini|hochkant|links|Schädel und Unterkiefer von Crocidura pediculus Der Schädel von Crocidura pediculus ist deutlich kleiner als bei Großköpfigen Spitzmaus. Bei letzterer streckt sich das Rostrum auffallend länger und der Hirnschädel ist kleiner. Dieser wirkt bei Crocidura pediculus zudem runder als bei der Savannen-Sumpfspitzmaus (Crocidura longipes), letztere hat einen ausgedehnteren Winkelfortsatz und eine insgesamt schwächere Bezahnung.

Verbreitung und Lebensraum Crocidura pediculus ist in Westafrika heimisch und kommt dort in Guinea und Liberia vor. Nach Osten reicht das Verbreitungsgebiet bis in die Elfenbeinküste, wo ein einzelner Nachweispunkt bei Gbagroube im Zentrum des Landes liegt. Die Tiere stellen Habitatgeneralisten dar und treten in primären tropischen Wäldern, auf Ackerflächen und auf Brachland auf. Einzelne Individuen wurden auch in anthropogen beeinflussten Wäldern oder in Feuchtgebieten beobachtet. Die Art ist dadurch sympatrisch zur waldbewohnenden Großköpfigen Spitzmaus und zur eher an Savannen angepassten Thérèse-Weißzahnspitzmaus.

Lebensweise Zur Lebensweise von Crocidura pediculus sind keine Informationen bekannt.

Systematik

Crocidura pediculus ist eine Art aus der Gattung der Weißzahnspitzmäuse (Crocidura) innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae). Die Gattung enthält mehr als 220 Arten und bildet damit die variantenreichste Gruppe der Familie. Allerdings ist sie molekulargenetischen Befunden zufolge möglicherweise paraphyletisch, da einige Formen wie die Gescheckte Wüstenspitzmaus (Diplomesodon) und die Kongo-Wimperspitzmäuse (Paracrocidura) tief in Crocidura eingebettet sind. Innerhalb der Weißzahnspitzmäuse lassen sich mehrere Kladen unterscheiden. Diese umfassen eine asiatische, eine afrotropische, eine west-paläarktische und eine altweltliche Gruppe, wobei letztere verschiedene eurasische und afrikanische Arten vereinen. Es ist anzunehmen, dass die Weißzahnspitzmäuse den jüngsten Zweig innerhalb der stammesgeschichtlichen Entwicklung der Spitzmäuse darstellen. Ein Großteil der Vertreter lebt heute in Afrika, ein weiterer, nicht unerheblicher Anteil ist in Asien verbreitet. Ihren Ursprung hat die Crocidura-Linie dagegen wohl in Eurasien, wo sie sich vor rund 8 bis 6,8 Millionen Jahren von den übrigen Linien abspaltete. Von hier aus erreichte sie dann die anderen heutigen Verbreitungsgebiete.

Innerhalb der Weißzahnspitzmäuse gehört Crocidura pediculus der afrotropischen Verwandtschaftsgruppe an. Die Art steht in engerer Beziehung zur Großköpfigen Spitzmaus (Crocidura grandiceps), zur Savannen-Sumpfspitzmaus (Crocidura longipes) und zur Thérèse-Weißzahnspitzmaus (Crocidura theresae) sowie zu einigen weiteren Formen West- und Zentralafrikas wie der Fraser-Weißzahnspitzmaus (Crocidura poensis). Nach letzterer ist dieser gesamte engere Artenkomplex benannt, der rund ein Dutzend morphologisch recht ähnliche Vertreter umfasst. Eingeschlossen sind hierin sowohl dunkel gefärbte Sumpf- und Wald- als auch heller getönte Offenlandarten. Ursprünglich war diese verwandtschaftliche Einheit weitgehend nur anhand äußerlicher Merkmale definiert, untermauernde genetische Untersuchungen lagen nur sporadisch vor. Erst im Jahr 2019 erfolgten umfangreichere Genanalysen, die nahezu den gesamten Artkomplex einbezogen. Weitere wurden drei Jahre später veröffentlicht, in deren Zuge sich auch einzelne Individuen herausdifferenzieren ließen, die im Erscheinungsbild der Großköpfigen Spitzmaus ähnelten, genetisch aber von ihr abwichen. Sie wurden daraufhin als Vertreter einer potenziell neuen Art eingestuft, erhielten aber die vorläufige Kennung Crocidura cf. grandiceps. Ihre wissenschaftliche Erstbeschreibung fand dann im Jahr 2026 unter der Bezeichnung Crocidura pediculus statt. In Verantwortung dafür stand ein Wissenschaftlerteam unter Leitung von Inessa Voet, welches auch in die genetischen Analysen vier Jahre zuvor involviert war. Als Holotyp bestimmten die Forscher ein ausgewachsenes Weibchen. Dessen Herkunftsgebiet, die Tieflandswälder in der Umgebung von Zogota im südöstlichen Guinea umfassend, definiert die Typusregion der Art. Das Artepitheton ist lateinischen Ursprungs und bildet die Verkleinerungsform von pes („Fuß“), bedeutet also so viel wie „kleiner Fuß“ oder „Füßchen“. Es bezieht sich nicht nur auf die geringe Körpergröße der Tiere, sondern steht auch im Kontrast zur Artbezeichnung der größeren Schwesterform als grandiceps, was wiederum mit „Großkopf“ übersetzt werden kann.

Literatur Inessa Voet, Arnaud Delapré, Raphaël Cornette, Christiane Denys, Aude Lalis und Violaine Nicolas: Integrative taxonomy resolves a new West African Crocidura (Mammalia: Soricidae) species, cryptic to Crocidura grandiceps in color, but distinct in size. European Journal of Taxonomy 1039, 2026, S. 297–322, doi:10.5852/ejt.2026.1039.3197

Einzelnachweise Inessa Voet, Arnaud Delapré, Raphaël Cornette, Christiane Denys, Aude Lalis und Violaine Nicolas: Integrative taxonomy resolves a new West African Crocidura (Mammalia: Soricidae) species, cryptic to Crocidura grandiceps in color, but distinct in size. European Journal of Taxonomy 1039, 2026, S. 297–322, doi:10.5852/ejt.2026.1039.3197 Inessa Voet, Christiane Denys, Marc Colyn, Aude Lalis, Adam Konečný, Arnaud Delapré, Violaine Nicolas und Raphaël Cornette: Incongruences between morphology and molecular phylogeny provide an insight into the diversification of the Crocidura poensis species complex. Scientific Reports 12, 2022, S. 10531, doi:10.1038/s41598-022-12615-5 Violaine Nicolas, François Jacquet, Rainer Hutterer, Adam Konečný, Stephane Kann Kouassi, Lies Durnez, Aude Lalis, Marc Colyn und Christiane Denys: Multilocus phylogeny of the Crocidura poensis species complex (Mammalia, Eulipotyphla) Infuences of the palaeoclimate on its diversifcation and evolution. Journal of Biogeography 46 (5), 2019, S. 871–883, doi:10.1111/jbi.13534 C. J. Burgin und K. He: Family Soricidae (shrews). In: Don E. Wilson und Russell A. Mittermeier (Hrsg.): Handbook of the Mammals of the World. Volume 8: Insectivores, Sloths and Colugos. Lynx Edicions, Barcelona 2018, S. 332–551 ISBN 978-84-16728-08-4 Sylvain Dubey, Nicolas Salamin, Manuel Ruedi, Patrick Barrière, Marc Colynv und Peter Vogel: Biogeographic origin and radiation of the Old World crocidurine shrews (Mammalia: Soricidae) inferred from mitochondrial and nuclear genes. Molecular Phylogenetics and Evolution 48, 2008, S. 953–963 Sophie Quérouil, Rainer Hutterer, Patrick Barrière, Marc Colyn, Julian C. Kerbis Peterhans und Erik Verheyen: Phylogeny and Evolution of African Shrews (Mammalia: Soricidae) Inferred from 16s rRNA Sequences. Molecular Phylogenetics and Evolution 20 (2), 2001, S. 185–195 Sylvain Dubey, Nicolas Salamin, Satoshi D. Ohdachi, Patrick Barrière und Peter Vogel: Molecular phylogenetics of shrews (Mammalia: Soricidae) reveal timing of transcontinental colonizations. Molecular Phylogenetics and Evolution 44, 2007, S. 126–137 Sophie Quérouil, Patrick Barrière, Marc Colyn, Rainer Hutterer, Akaibe Dudu, Martine Dillen und Erik Verheyen: A molecular insight into the systematics of African Crocidura (Crocidurinae, Soricidae) using 16s rRNA sequences. In: J. F. Merritt, S. Churchill, R. Hutterer und B. Sheftel: Recent advances in the Biology of Shrews II. International Society of Shrew Biologists, Special Publication 1, 2005, S. 99–113

Weblinks

Kategorie:Weißzahnspitzmäuse pediculus